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Ukraine-Konflikt Wie Hundewelpen russische Soldaten verrieten

Moskau bestreitet vehement, dass russische Soldaten im Ukraine-Konflikt kämpfen. Ein Thinktank aus den USA will aber mithilfe von Geolocation das Gegenteil beweisen. Wie funktioniert das?

In der Ostukraine spielt Russland ein Versteckspiel. Jedes Mal, wenn Moskau aufgefordert wird, die militärische Unterstützung von Separatisten einzustellen, antworten die Regierungsvertreter, es gebe ja keine russischen Truppen im Donbass. Journalisten und Experten versuchen derweil, Beweismaterial für die Präsenz eben dieser Truppen zu sammeln. Aus dem, was sie aufstöbern, lässt sich ein Gesamtbild der Lage zusammensetzen. Ein bisschen wie ein Puzzlespiel.

Ein neuer Bericht des US-Thinktanks Atlantic Council nutzt für dieses Puzzle nun digitale Instrumente – Bilder und Videos aus sozialen Netzwerken und Satellitenaufnahmen von Google Earth. Zu den Autoren gehören der ehemalige US-Botschafter in der Ukraine, John Herbst, und der Gründer des journalistischen Investigativprojekts Bellingcat, Elliot Higgins.

Mehr zum Thema: Bombe tötet Ostukrainischen-Separatistenführer

Die Methode, welche die Autoren des Berichts nutzen, nennen sie Geolocation. Sie analysieren Videos und Bilder, die offen im Internet abrufbar sind, und vergleichen diese mit anderen Aufnahmen der Gegend, etwa mit Bildern von Google Street View. Das Ziel ist, möglichst genau festzustellen, wo das Bild oder das Video aufgenommen wurden.

Verräterische Transportnummern

So überprüften die Experten etwa das Video eines Militärkonvois, das im Juli 2014 bei YouTube hochgeladen wurde. Der Konvoi transportierte mehrere Panzerhaubitzen. Auf einer ist in weißer Schrift die Transportnummer 2200 zu erkennen. Angeblich ist das Video in der russischen Stadt Rostow am Don aufgenommen worden. Die Autoren prüften diese Angabe, indem sie auf Online-Karten Bilder der gleichen Straßenstrecke suchten.

Im September 2014 filmte ein Fernsehteam des Senders al-Dschasira die Bewegung von Separatistentruppen in der Stadt Nowoasowsk. Panzerhaubitzen fuhren in die Richtung der ukrainischen Hafenstadt Mariupol. Eine von ihnen trägt die gleiche weiße Nummer 2200. Die Autoren des Berichts vergleichen die Nummern, das Tarnmuster und die Flecken am Geschützturm. Ihre Schlussfolgerung: Alles deutet darauf hin, dass die Panzerhaubitze über die Grenze in die Ukraine gebracht wurde.

Mit der gleichen Methode analysieren sie Bilder von Militärtechnik, die nur von der russischen, aber nicht von der ukrainischen Armee benutzt wird.

Durch Social Media verraten

Weiteres Material für ihre Recherchen finden die Autoren in sozialen Netzwerken, oft auf den Profilseiten russischer Soldaten. Immer wieder posten Mitglieder der Streitkräfte Bilder, die sie selbst zeigen – oder Technik. So geschehen in einem Lager an der russisch-ukrainischen Grenze, nahe dem Ort Kusminski.

Das Lager ist sogar auf Satellitenaufnahmen Google Earth aus dem Oktober 2014 zu sehen, schreiben die Autoren. Sie fanden beim russischen sozialen Netzwerk Vkontakte Profile von Soldaten, die sie als Militärangehörige der russischen 5. Panzerbrigade und der 37. Brigade der mechanisierten Infanterie aus der sibirischen Region Burjatien identifizierten.

Dieses Foto von Husky-Welpen auf Twitter soll russische Soldaten überführt haben. (Foto: twitter.com/bellingcat)

Mehrere Soldaten ließen sich im Kusminski-Lager mit Waffen und Husky-Welpen ablichten. Auf den Fotos wird deutlich, dass die Soldaten alle denselben Hund in den Armen hielten, das ist an der Fellmusterung zu erkennen. Die Soldaten befanden sich also in Brigadenstärke am selben Ort. Ein Soldat aus der 5. Brigade wurde später von der russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" interviewt und erzählte, dass er im Kampf um den Ort Debalzewe verletzt wurde.

Nemzow hatte an Bericht mitgearbeitet

Das Atlantic Council untersucht außerdem Satellitenbilder von Einschlaglöchern auf der ukrainischen Seite der Grenze. Die Autoren rechneten die Flugbahnen von Geschossen aus und kamen so zu dem Schluss, dass ukrainische Positionen im vergangenen Sommer von russischem Territorium aus beschossen wurden.

Die Autoren konzentrieren sich auf mehrere konkrete Fälle, die sie mit ihrem Material gut belegen können. Sie sind eine Ergänzung zu bereits älteren Recherchen, die Atlantic Council gemeinsam mit der russischen Partei RPR-Parnas vorstellt. Der ermordete russische Boris Nemzow hatte an diesem Bericht mitgewirkt.

Nemzow ging davon aus, dass mindestens 220 russische Soldaten in der Ukraine ums Leben kamen. Die genaue Zahl wird sich vermutlich nicht belegen lassen. Am Donnerstag wurde ein Erlass des russischen Präsidenten veröffentlicht, mit dem er Informationen über Truppenverluste nicht nur im Krieg, sondern auch bei Sondereinsätzen zu Friedenszeiten zum Staatsgeheimnis macht.

Doch trotz dieser unabhängigen Belege besteht Russland weiter darauf, dass es keine Konfliktpartei im Ostukraine-Krieg ist. Der Bericht von Atlantic Council kommt zu dem Schluss, dass Russland mit seiner Taktik des "hybriden Krieges" bis jetzt erfolgreich ist.

Kritik auch an westlichen Medien

Die Autoren kritisieren die Informationspolitik der westlichen Medien. Immer wenn die westliche Seite oder die Ukraine Vorwürfe gegenüber Russland vorbringen, wird dem russischen Dementi des Vorgangs Platz eingeräumt. Das sei falsch verstandene Ausgewogenheit. Die Autoren empfehlen westlichen Regierungen zudem, eigene Geheimdienstinformationen, welche die Präsenz von russischen Truppen in der Ukraine beweisen, möglichst öffentlich zu machen.

Bis jetzt war das nicht der Fall. Die Nato veröffentlichte mehrere Satellitenbilder von russischen Truppen, allerdings nur von kommerziellen Anbietern. Laut "New York Times" soll der US-Außenminister John Kerry bei seinem letzten Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Mai in Sotschi Fotos von russischen Waffen und Luftabwehrsystemen in der Ukraine vorgelegt haben.

Er wollte damit demonstrieren, dass die USA gesicherte Beweise für die russische Beteiligung am Krieg haben. Doch veröffentlicht wurden diese Bilder nicht. Auch hat die ukrainische Regierung laut Präsident Petro Poroschenko seit dem Beginn des Konflikts rund 80 russische Soldaten gefangen genommen und sofort ausgetauscht, ohne diese Fälle öffentlich zu machen. Nur im vergangenen August und in diesem Mai wurden gefangene Soldaten aus Russland auch öffentlich gezeigt.

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