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Erfolgreiche Kurden in Syrien Der IS steht vor dem "letzten Gefecht"

Die Kurdenmiliz YPG treibt den IS in Syrien in die Enge. Jetzt muss die Terrormiliz sogar um ihre "Hauptstadt" Rakka bangen. Auch im Irak droht den Dschihadisten eine empfindliche Niederlage.

"Wir hassen sie wie die Pest", sagte ein deutscher Kommandant der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) über die syrische Kurdenmiliz YPG. "Das sind ungläubige Kommunisten. Sie sollten ausgemerzt werden." Der Zorn sitzt tief – und vor allen Dingen der Frust. Denn die Kurdenmiliz hat den Dschihadisten im Laufe dieses Jahres gleich mehrere schwere Niederlagen beigebracht. Hunderte von IS-Kämpfern wurden dabei getötet.

Zuerst musste sich der IS in Kobani geschlagen geben – und das nach monatelanger Belagerung der syrischen Grenzstadt zur Türkei. Danach verloren sie Tel Hamis und weite Gebiete in der Hassaka-Provinz. Zu allem Übel mussten sie im Juni aus dem nächsten Grenzort, Tel Abiad, abziehen. Über 10.000 Quadratkilometer hat die YPG den vermeintlichen Islamisten abgenommen.

Nun steht die kurdische Miliz 40 Kilometer vor Rakka und bedroht die Hauptbasis der Extremisten. Bevor der Angriff auf dieses Terrorzentrum jedoch beginnt, will der kurdische Generalstab Dscharabulus erobern, die letzte Grenzstadt in Händen des IS. Damit wären die Dschihadisten vom Nachschub aus der Türkei vollständig abgeschnitten, und der Fall von Rakka wäre nur mehr eine Frage der Zeit.

Dscharabulus soll vom IS befreit werden

"Dscharabulus steht auf der Liste", bestätigte Idris Nassan gegenüber der "Welt". "Wir wollen die letzte IS-Grenzstadt befreien", sagte der außenpolitische Vertreter von Kobani. Wann die Offensive beginnt, stünde noch nicht fest. "Vielleicht schon in den nächsten Tagen oder nächste Woche." Alles müsse zuerst mit der internationalen Koalition abgesprochen werden. "Denn ohne ihre Luftunterstützung geht es nicht", meinte Nassan.

Der Oberkommandeur der YPG, General Sipan Hamo, stehe mit den USA in direktem Kontakt, um Bodenoffensive und Bombenangriffe zu koordinieren. Das Pentagon ist die führende Kraft innerhalb der internationalen Koalition gegen die IS-Terrororganisation. Die Siege der YPG über die Extremisten wären ohne den Einsatz der Kampfjets des Bündnisses nicht möglich gewesen. "Daran gibt es nicht den geringsten Zweifel", sagte Nassan.

Kooperation und direkte Absprachen zwischen den USA und der YPG sind nicht selbstverständlich. Noch bei der Schlacht um Kobani lief die Übermittlung der Koordinaten von IS-Bombenzielen über die Militärführung der autonomen Kurdenregion (KRG) im Irak. Von Syrien schickte die YPG ihre Daten nach Erbil in die Zentrale der Peschmerga. Von dort wurden sie weiter in den vom Pentagon eingerichteten "Operation Room" in der Hauptstadt der KRG übermittelt.

Die USA hatten damals noch Ressentiments, die YPG als Partner zu akzeptieren und mit ihr direkt zu kommunizieren. Denn sie gilt als Ableger der türkischen Miliz der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), die international als Terrororganisation geächtet ist. Diese amerikanischen Befindlichkeiten haben sich erledigt – zumindest auf militärischer Ebene. Denn die YPG hat sich als verlässliche Bodentruppe erwiesen. Sie ist genau der Partner, den sich das Pentagon immer gewünscht und nie gefunden hatte.

(Foto: Infografik Die Welt)

Kooperation mit den USA ist kampfentscheidend

Die Zusammenarbeit mit den syrischen Kurden brachte die größten Erfolge im Kampf gegen den IS. In Washington ist man zufrieden, obwohl man die Kooperation nicht gerne in der Öffentlichkeit an die große Glocke hängt. "Wir haben in Syrien neue Möglichkeiten bekommen, von denen wir nicht geglaubt haben, dass es sie überhaupt gibt", sagte ein Beamter aus dem Weißen Haus. "Wir können jetzt Rakka unter Druck setzen und dem IS den Zugang zur türkischen Grenze nehmen."

Vor sechs Monaten wären solche Gedanken noch ins Reich der Fabeln verwiesen worden. Aber die syrische Kurdenmiliz hat bewiesen, wie leicht es gehen kann, die IS-Terrororganisation ernsthaft unter Druck zu setzen. Und dabei muss es nicht bleiben. Mit fortdauernder Luftunterstützung der Koalition ist nach der Eroberung Dscharabulus' der nächste Schritt Rakka. Das wäre der wahre Albtraum für die Extremistengruppe.

Auch im Irak steht der IS unter Druck

Im Irak erwartet den IS ebenfalls eine neue Offensive. Rund 20.000 Soldaten der irakischen Armee sollen bereitstehen, um die Stadt Mossul zurückzuerobern. Dort hatte IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi vergangenes Jahr das Kalifat ausgerufen. Zusätzlich stehen umfangreiche Peschmerga-Kontingente zur Verfügung. Sie sind mit deutschen Waffen ausgerüstet, und ihre Beteiligung dürfte kriegsentscheidend sein.

Wie die "Welt" von kurdischen Generälen erfahren konnte, soll die Offensive auf Mossul voraussichtlich im Oktober starten. Für den IS würde es dann um alles oder nichts gehen. Es wäre tatsächlich das "letzte Gefecht", das die IS-Propaganda schon so oft mit apokalyptischer Note kolportierte. Im Irak und in Syrien gleichermaßen von seinen Gegnern gefordert, das dürfte die Terrorgruppe kaum überstehen.

Die Türkei ist nicht erfreut

Der Türkei wird das alles wenig gefallen. Die führende Rolle der Kurden ist Ankara ein Dorn im Auge. Für die Regierung und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist die YPG nichts anderes als die PKK – und deshalb ein Haufen von Terroristen. Ihre Präsenz in den syrischen Grenzstädten zur Türkei ist unerwünscht, und deren autonome Region im Norden Syriens wird unter keinen Umständen hingenommen. Die Kurden im Irak sind eher zu tolerieren, aber als regionaler Machtfaktor will man sie ebenso wenig akzeptieren müssen.

Die Frage bleibt, wie sehr die Vereinigten Staaten auf die türkischen Animositäten den Kurden gegenüber Rücksicht nehmen wird. Es wird sich zeigen, ob Washington den Kurden freie Hand lässt und sie mit Bombern weiter unterstützt. Ohne Luftunterstützung gibt es keine Offensive. Dscharabulus und Mossul im Irak scheinen als Ziele schon ausgemacht. Nur der Sturm auf Rakka steht noch in den Sternen.

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