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Rainer Wendt im N24-Interview Herr Wendt, fühlen Sie sich zensiert?

Rainer Wendt ist Polizeigewerkschafter. Als solcher beschreibt er die Flüchtlingskrise aus Sicht der Polizei - gern auch mit deutlichen Worten. Ein N24-Interview schlägt nun im Netz hohe Wellen.

Am 29. September 2015 war Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, im N24-Studio und sprach mit Moderator Carsten Hädler über das Thema Gewalt in Flüchtlingsheimen. Generell stellt N24 nicht alle Studio-Gespräche als Einzelclip auf Abruf in die Mediathek, so auch nicht in diesem Fall. Ein Zuschauer lud im Oktober einen Mitschnitt des Gesprächs auf YouTube hoch und behauptete, N24 hätte den Clip aus seiner Mediathek gelöscht.

Der Vorwurf Zensur kam auf. Eine deutsche "Nachrichtenseite" beteiligte sich an den wilden Spekulationen und Medienbeobachter berichteten über den Fall. Der Sender N24 reagierte darauf mit einer Richtigstellung: "Es ist unwahr, dass es 'nach kurzer Zeit' wieder aus dem Netz genommen wurde. Auf Nachfrage haben wir das Video sogar an interessierte Zuschauer kurz nach Ausstrahlung über unseren Infoservice zur Verfügung gestellt. Der Vorwurf, wir würden bewusst Videos von unserer Website löschen, weil uns Aussagen 'zu deutlich' waren, ist schlicht Unfug."

Was aber denkt der "zensierte" Polizist über die Sache? Wir haben nachgefragt.

N24: Herr Wendt, Ihr Gespräch mit Carsten Hädler zum Thema Gewalt in Flüchtlingsheimen wird im Netz heiß diskutiert. Zum einen geht es dabei um Ihren Auftritt. Die einen fürchten, dass Sie Öl ins Feuer der Rechten und Asylkritiker gießen. Die anderen feiern, dass endlich jemand Klartext spreche. N24 hingegen wird "Zensur" vorgeworfen. Wie wichtig ist es Ihnen, sich in unabhängigen Medien offen äußern zu können, insbesondere in Anbetracht der derzeitigen Situation in Deutschland?

Wendt: Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir als Deutsche Polizeigewerkschaft bei N24, aber auch bei vielen anderen Medien die Positionen der Kolleginnen und Kollegen, die bewegt sind von den aktuellen Ereignissen, darstellen können. Es ist wichtig, dass das möglich ist.

Sie sind regelmäßig bei N24 im Studio, wieso kommen Sie gerade auch zu diesem Sender?

N24 ist ein wichtiger Nachrichtensender. Man sieht ja auch an der Diskussion, die jetzt läuft, dass er viel beachtet ist. Außerdem finde ich, dass die Interviews, die wir dort führen, sehr ausgewogen, verantwortungsbewusst sind - und keineswegs reißerisch.

Ihnen werden nun Formulierungen wie: "In Asylbewerberheimen ist der Teufel los" vorgeworfen. Fühlen Sie sich missverstanden?

Ach, man nimmt eine Formulierung aus dem Gespräch heraus, rückt sie in den Mittelpunkt und in ein völlig falsches Licht. In der Tat ist es so, dass es in einigen Asylbewerberheimen sehr, sehr große Probleme und heftige Auseinandersetzungen gibt. Das ändert nichts daran, dass es in den meisten Asylbewerberheimen friedlich ist. Aber man muss auch auf die Probleme hinweisen, alles andere ist Realitätsverweigerung. Wenn man allerdings einen solchen Satz aus einem ganzen Gespräch herausnimmt, dann ist das einigermaßen unseriös.

N24 wird jetzt vorgeworfen, dass wir dieses Interview - eben weil es etwas kontrovers sein könnte - aus der Mediathek entfernt hätten. Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Stimme in den Medien genügend Gehör findet?

Ich bin mir sicher, dass unsere Stimme genügend Gehör findet. Ich bin ja nahezu täglich bei N24 auf Sendung und habe überhaupt nicht auch nur den Hauch eines Ansatzes darüber zu spekulieren, dass Sie etwas zensieren würden. Wer in Ihrer Mediathek nach "Deutsche Polizeigewerkschaft" sucht, bekommt Hunderte von Treffern. Das finde ich schon sehr große Aufmerksamkeit.

Und was halten Sie von solchen "Shitstorms" in sozialen Netzwerken? Ist das zielführend, oder ist es vielleicht sogar gefährlich?

Ach ich glaube, das muss man in einer modernen Kommunikationsgesellschaft auch mal aushalten. In ein paar Tagen geht das wieder vorbei und dann hören auch die Schmerzen auf.

Gibt es etwas, das Sie verunsicherten Bürgern mit auf den Weg geben wollen?

Die "verunsicherten Bürger" sollen sich sicher sein: Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt mit einer starken und gut funktionierenden Polizei. Unsere Demokratie ist wirklich stark genug, auch solche Diskussionen auszuhalten. Das ändert nichts daran, dass man auch den Blick auf die Realitäten nehmen muss. Nur klatschen am Bahnhof reicht einfach nicht.

Das Gespräch zwischen Rainer Wendt und Carsten Hädler ist - wegen des hohen Interesses - mittlerweile in voller Länge in der N24-Mediathek abrufbar:

 

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