Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Kommentar zu Anschlägen in Paris Dies ist kein Terrorismus mehr, das ist Krieg

Die Einschläge kommen näher: Aus dem IS ist ein mörderischer Staat geworden, der Karikaturisten ermordet, ein russisches Flugzeug vom Himmel holt und nun Rockmusikfans abschlachtet. Ein Kommentar.

Es war ein schwarzer Freitag, dieser 13., im trüben Monat November. Schwarz vor Trauer um die Opfer und schwarz für die Täter, deren schwarze Fahne sichtbar unsichtbar über den Morden von Paris weht. Der "Islamische Staat" hat sich zu den Anschlägen bekannt, als Strafe Allahs für den Einsatz französischer Kampfbomber gegen den IS.

Dies ist kein Terrorismus mehr, es ist Krieg – globaler Krieg. Vor allem ein islamistischer Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten, der den Irak zerrissen hat, Syrien, den ganzen Nahen Osten, und der sich ausbreitet mit digitaler Geschwindigkeit in einer globalisierten Welt.

Die Videos vom Köpfen Ungläubiger haben die Unmenschlichkeit dieser gläubigen Mörder auf jedes Smartphone katapultiert. Hochauflösend, hollywoodreif gestaltet und musikalisch untermalt: Spiel mir das Lied vom Tod als Realityshow.

Erst am vergangenen Donnerstag, einen Tag vor Paris, wurde ein solches Propagandavideo im Internet verbreitet. Menschen werden geköpft, Bomben explodieren, und dazu singt eine Stimme aus dem Off: "Bald, sehr bald wird das Blut fließen wie ein Ozean. Die Kehle der Ungläubigen wird erzittern vor den Messern. Die Löwen der Ummah sind erwacht. Sie haben ihre Schwerter erhoben."

Die Propagandisten des "Islamischen Staates" dürften vorwiegend aus der islamistischen Migrantenszene europäischer Großstädte stammen, Einwanderer der zweiten oder dritten Generation, deren Sozialisierung in der Welt westlicher Werte sie auf radikalen Gegenkurs gebracht hat.

Auch interessant: Machtlos in der Terror-Nacht von Paris

Noch wissen wir nichts über den Hintergrund der Mörder von Paris, aber es gibt genügend Beispiele dafür, angefangen mit den Hamburger Studenten um Mohammed Atta, den Hauptorganisator des Terrorangriffs auf das Word Trade Center in New York 9/11. So wie Freitag, der 13. bei Abergläubischen als Unglückstag gilt, so steht die Zahl 911 in den USA für den Notruf. Ob Zufall oder mörderische Message für Ungläubige, mag dahingestellt bleiben.

Sicher ist, wir haben es hier keinesfalls mit einer gänzlich irrationalen Mörderbande zu tun. Hinter der schwarzen Fahne des Propheten sammeln sich blutrünstige Heilsbringer, ehemalige Angehörige der irakischen Armee und Gestrandete, die ihren Lebensunterhalt mit Krieg und Mord verdienen. Viele davon auch Opfer der diversen nahöstlichen Diktatoren.

 

Inzwischen ist aus dem religiös verbrämten Anspruch "Islamischer Staat" so etwas wie ein Kalifat geworden, ein mörderischer Staat, der seine klandestinen Bodentruppen in alle Welt schickt, Karikaturisten in Paris ermordet, ein russisches Flugzeug mit Touristen vom Himmel holt und nun jugendliche Zuhörer eines Rockkonzerts abschlachtet. Und mit Selbstmordattentätern ein deutsch-französisches Freundschaftsspiel angreift. Die Einschläge kommen näher.

Unter den Tausenden von Flüchtlingen, die jeden Tag aus den Krisenregionen des Nahen Ostens nach Deutschland strömen, sind Opfer aller Kriegsparteien. Manche flüchten vor den Fassbomben Assads, manche vor den Mördern des "Islamischen Staates" und manche vor beidem zugl eich.

Immer wieder werden aus dem syrischen Kriegsgebiet heimgekehrte Islamisten an Flughäfen festgenommen oder von Sicherheitsbehörden in ihren deutschen Heimatorten verhaftet. Es sind Hunderte in Deutschland oder anderen europäischen Ländern aufgewachsene junge Männer, die sich am "heiligen Krieg" beteiligen. Manche kommen bei den Kämpfen um, andere kehren zurück.

 

Die salafistische Szene, gleichsam ein Inkubator für die Gotteskrieger, umfasst nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes in Deutschland 7800 Personen. Sie zu kontrollieren, ist schon jetzt ein Ding der Unmöglichkeit. Seitdem Hunderttausende von Kriegsflüchtlingen, davon inzwischen fast die Hälfte aus Syrien und dem Irak, eingereist sind und jeden Tag rund 10.000 dazukommen, sind nicht nur die freiwilligen Helfer hoffnungslos überlastet.

Der Sicherheitsapparat, ohnehin seit Jahren auf Sparflamme gehalten, ist vollkommen überfordert. Deutschlands offene Grenzen erlauben nicht nur den Ruhe und Sicherheit suchenden Bürgerkriegsflüchtlingen die weitgehend unkontrollierte Einreise, sondern öffnen auch die Pforten für einen Export des Krieges.

Offene Grenzen und die Sicherheit schwindet

Das "Refugees Welcome" gilt den Guten und Beladenen, doch die kommen nicht allein. Angehörige aller verfeindeten Lager finden sich in deutschen Flüchtlingslagern und deutschen Gemeinden wieder. Kein Mensch kann beurteilen, wer hilfsbedürftiger Flüchtling oder wer in der Menge der jungen Männer, die immerhin einen Großteil der Asylsuchenden ausmachen, gewaltbereite Islamisten sind.

Nicht einmal die Herkunft der Ankommenden kann einwandfrei geklärt werden – syrische Pässe etwa werden frisch gedruckt und für wenig Geld verkauft. Das Überschreiten einer nicht mehr gesicherten Staatsgrenze macht aus Kämpfern nicht gleich Pazifisten. Schon bei strengen Grenzkontrollen ist es schwer, mögliche IS-Terroristen zu erkennen.

Offene Grenzen machen es unmöglich. Das stärkt nicht gerade die innere Sicherheit. Dass die Franzosen nach dem Terrorkrieg von Paris den Notstand erklären und notgedrungen ihre Grenzen abriegeln, zeigt genau das, wovor deutsche Sicherheitsbehörden seit Monaten warnen: den Kontrollverlust über die innere Sicherheit.

Die in der Willkommenskultur ausgedrückte Humanität wird von ihrer gefährlichen Naivität deutlich übertroffen. Inzwischen weht ein Hauch von Realitätssinn durch die deutsche Politik. Wolfgang Schäuble vergleicht die Flüchtlingswelle mit einer Lawine, ausgelöst durch einen unerfahrenen Skiläufer – möglicherweise auch eine Skiläuferin.

Und das alles vor den Ereignissen von Paris. Inzwischen spricht auch Bundespräsident Gauck von "Verteidigungsbereitschaft". Nur eine scheint völlig mit sich und ihrer Politik im Einklang, Realität hin, Realität her.

Angela Merkel spricht von sich inzwischen in der dritten Person Singular. "Die Bundeskanzlerin hat die Lage im Griff, auch die ganze Bundesregierung", verkündete sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – wie inzwischen so oft nicht im Bundestag, der offiziellen Bühne für Regierungserklärungen.

Welche Lage es sein soll, die sie im Griff haben will, ist unklar: Die Sicherheitslage des Landes dürfte es nicht sein. In der Atomfrage war die Reaktorkatastrophe von Fukushima für die Kanzlerin Anlass zur Umkehr.

Ob das Menetekel von Paris Angela Merkel empfänglicher macht für die inzwischen fast verzweifelten Mahnungen und Warnungen der deutschen Sicherheitsbehörden, bleibt abzuwarten. Viel Zeit dafür ist nicht.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.
 
Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch lehnen ein Spitzenquartett zusammen mit den Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger ab. Foto: Bernd Settnik/Archiv
Widerstand gegen Wagenknecht
Linke will strittige Kandidaten-Frage noch nicht lösen
Schwere Luftangriffe auf Positionen der Rebellen bei Aleppo.
UN schlagen Alarm
Lage in Aleppo ist "unfassbar"
CDU-Generalsekretär Peter Tauber steht unter Beschuss. Er soll die Kanzlerin mit rüden Worten verteidigt haben.
Peter Tauber robust
"Wer nicht für Merkel ist, ist ein A ... "
Der erste weltweit verbindliche Klimavertrag soll die Erderwärmung stoppen. Foto: Etienne Laurent/Archiv
Historisches Abkommen
EU ebnet den Weg für raschen Start des Pariser Klimapakts
Flüchtlinge und Helfer an der Küste der griechischen Insel Lesbos.
EU-Türkei-Abkommen
Europa spielt "russisches Roulette" mit Griechenland
Bundesinnenminister Thomas de Maizière korrigierte die Zahl der Asylbewerber, die 2015 nach Deutschland kamen, nach unten.
De Maizière korrigiert
2015 kamen weit weniger Flüchtlinge als gedacht
Die Debatte um vermeintlich abgelaufene Lebensmittel geht weiter: Eine große Mehrheit der Deutschen fordert, Supermärkte sollten abgelaufene Lebensmittel spenden müssen. Foto: Lino Mirgeler
Große Mehrheit bei Umfrage
Supermärkte sollten abgelaufene Lebensmittel spenden müssen
Der Sarg von Schimon Peres vor der Knesset in Jerusalem.
Beisetzung von Peres in Jerusalem
Spitzenpolitiker aus aller Welt erweisen letzte Ehre
Rodrigo Duterte stößt immer wieder wüste Drohungen gegen Drogenabhängige aus.
Philippinischer Präsident
Duterte nennt Holocaust als sein Vorbild
Aleppo erlebte in den vergangenen Tagen die heftigsten Angriffe seit Beginn des Bürgerkriegs 2011. Foto: Stringer
Kreml: Zahl unglaubwürdig
Fast 10 000 Tote durch Moskaus Syrien-Einsatz
Muslima mit Niqab in Berlin.
Verfassungsschutz ermittelt
Vollverschleierte Schülerin stellt Niedersachsen vor Problem
Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, «verstärkt zu schauen, ob es etwas Ungewöhnliches gibt». Foto: Sebastian Kahnert
Sprengsatz-Attrappe gefunden
Angespannte Sicherheitslage vor Einheitsfeiern in Dresden
Der Bürgermeister musste ins Krankenhaus.
Schleswig-Holstein
Bürgermeister niedergeknüppelt – wegen Flüchtlingen?
Die Hamas hat für heute zu einem «Tag des Zorn» aufgerufen. Foto: Atef Safadi
8000 Polizisten im Einsatz
Trauergäste aus aller Welt nahmen Abschied von Schimon Peres
Vergangenen Jahr war der damalige Generalstaatsanwalt bei einem ähnlichen Anschlag getötet worden. Foto: Esslam Gomaa
Bombenexplosion
Vize-Generalstaatsanwalt entgeht Attentat in Kairo
US-Präsident Barack Obama in Saudi-Arabien.
US-Gesetz zu 9/11
Riad warnt USA vor "gefährlichen Folgen"
Syrische Truppen im Norden von Aleppo: Die Stadt liegt inzwischen in Schutt und Asche.
Harte Kritik an Russland
Obama und Merkel verurteilen "barbarische" Luftangriffe
Hillary Clinton bewundert nach eigenen Angaben den Mut der Bundeskanzlerin.
"Wirklich große Weltführerin"
Clinton und Trump singen Loblieder auf Merkel
Donald Trump ist in der Forbes-Liste der Superreichen auf Rang 505 abgerutscht.
Neues Forbes-Ranking
Donald Trump verliert in einem Jahr 800 Millionen Dollar
An der Marienbrücke in Dresden ist eine Sprengsatz-Attrappe entdeckt worden.
Nach Bombenanschlägen in Dresden
Sprengsatz-Attrappe an Brücke entdeckt