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Syrien, Irak und Co. Kein Rezept für Frieden im Nahen und Mittleren Osten

Selbst wenn der IS bezwungen ist, lässt sich die Region um Syrien und den Irak nach Ansicht von Analysten nur mit Kompromissen befrieden. Doch dieser Weg wurde noch nie beschritten.

Der "Islamische Staat"steht für Terror pur und muss besiegt werden. Darüber ist die Welt sich weitgehend einig. Doch unter Analysten herrscht auch die Gewissheit, dass mit einem Ende des IS Chaos und Gewalt im Nahen und Mittleren Osten noch lange nicht unter Kontrolle sind.

Denn die Terrormiliz, die weite Teile Syriens und des Iraks in ihre Gewalt gebracht hat, ist nur eine Ausgeburt und ein Nutznießer der explosiven Gemengelage in der Region. Strukturen, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Untergang des Osmanischen Reichs geschaffen wurden, stürzen ein oder sind bereits zerbrochen. Es gibt nur noch wenig, was die zunehmend auseinanderdriftenden ethnischen und religiösen Gruppen zusammenhalten könnte.

Bitteres Erbe des Kolonialismus

Jahrzehntelang aufgestaute Frustration und erlebte Ungerechtigkeiten haben im Irak und in Syrien das Verhältnis der Muslime untereinander sowie zwischen ihnen, Christen und Kurden geprägt. Revolten, die von dem von den USA geführten Krieg im Irak und den Bürgerkrieg in Syrien ausgelöst wurden, haben schließlich das soziale Pulverfass zur Explosion gebracht. "Der Schaden, den die USA im Irak und der Bürgerkrieg in Syrien angerichtet haben, ist wahrscheinlich nicht mehr aufzufangen", sagt Wayne Merry vom American Foreign Policy Council, einer Organisation zur außenpolitischen Analyse und Information mit Sitz in Washington. Was nicht bedeutet, dass die Lage zuvor akzeptabel war. Im Irak regierten Saddam Hussein und sein sunnitischer Machtzirkel mit brutaler Härte über die Mehrheit der Schiiten. Die USA stürzten Saddam und hoben die Strukturen seiner Baath-Partei und Streitkräfte aus. Eine neue Regierung kam ins Amt, in der vor allem die zuvor unterdrückten Schiiten das Sagen hatten. Die Bedürfnisse und Rechte der Sunniten kamen zu kurz.

Fehler der USA legten den Grundstein neuer Konflikte

Noch während der US-Besatzung formierten sich radikale Sunniten gegen die Amerikaner, gegen die Schiiten und gegen gemäßigte Glaubensbrüder. Auf der Gegenseite schlugen schiitische Milizen zurück. Nur mit noch mehr Soldaten und Druck konnten die Amerikaner die Gewalt zumindest eindämmen.

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Als die US-Kampftruppen aber 2011 abzogen, gruppierten sich die Islamisten neu in den sunnitischen Regionen. Die Kämpfer, die sich zuvor zur Terrororganisation Al-Kaida bekannten, machten bald unter den Namen "Islamischer Staat"von sich reden. Im benachbarten Syrien nutzten sie den Bürgerkrieg, der das Land seit 2011 zerfallen lässt, um sich über ein weites Gebiet auszubreiten. Mitstreiter rekrutierten sie aus den Reihen der vom Regime seit Jahrzehnten unterdrückten Sunniten.

Regionalmächte stecken ihr Revier ab

Seit längerem bereits fliegen die USA Luftangriffe gegen den IS. Mit Unterstützung kurdischer Kämpfer am Boden haben sie eine Reihe von Erfolgen gemeldet. Inzwischen haben auch Russland und Frankreich den Extremisten den Kampf angesagt und greifen aus der Luft an. An den Vorstellungen, die über ein Eliminieren der Terrororganisation hinausgehen, scheiden sich aber die Geister. Während die USA klar den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor Augen haben, sehen Russland und der Iran ihn als Teil einer politischen Lösung. Die Regionalmächte Saudi-Arabien und Türkei wiederum wollen ebenfalls ein Syrien ohne Assad.

Und dann ist da noch die Kurden-Frage. Das Volk, das im Norden des Iraks, des Irans und Syriens und im Südosten der Türkei lebt, sucht auch nach einer politischen Heimat. Im Irak haben die Kurden eine weitgehend autonome Region geschaffen und kontrollieren beträchtliche Ölreserven.

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Auch nach einem Sieg über den IS kann nach Ansicht des ehemaligen US-Verteidigungsministers Chuck Hagel nur Ruhe in die Region einkehren, wenn die dortigen Länder gemeinsam mit den USA, Russland und Europa eine "Basis der politischen Stabilität"schaffen. Doch wie ist dies machbar angesichts tiefer Gräben und eines Geflechts von Spannungen und widerstrebender Interessen? Nach Einschätzung von Analysten ist vermutlich eine Umsiedlung der im Irak und in Syrien vertriebenen Menschen in großem Stil nötig. Und es sind Kompromisse gefragt, die über die Jahrhunderte hinweg noch keiner gewagt hat.

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