Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Sicherheitslage zu Silvester Polizeigewerkschaft fordert Fußfesseln für Islamisten

Rund um das Brandenburger Tor sind an Silvester so viele Polizisten wie noch nie im Einsatz. Obwohl keine Hinweise auf Anschlagspläne vorliegen, fordert die Polizeigewerkschaft weitere Maßnahmen.

Wenn am Donnerstag Hunderttausende zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule in Berlin gemeinsam feiern, ist das nicht nur Deutschlands größte Silvesterparty, sondern auch ein mögliches Anschlagsziel für Terroristen. Zwar gibt es nach Polizeiangaben keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen in der Hauptstadt. Es herrsche aber eine hohe abstrakte Gefährdung.

Berlins Innensenator Frank Henkel sieht Polizei und Feuerwehr gut für die Silvesternacht aufgestellt. Das Sicherheitsniveau sei im Vergleich zum Vorjahr noch einmal verstärkt worden. Rund 2500 Kräfte von Polizei und Feuerwehr seien im Einsatz, teilte er mit. Allein rund um die zentrale Feier am Brandenburger Tor sollen 900 Beamte für Sicherheit sorgen, 150 mehr als vergangenes Silvester.

Auch interessant: Brüssel sagt Silvester-Feierlichkeiten ab

Auf dem Gelände selbst sind nach Angaben der Veranstalter erstmals große Taschen und Rucksäcke verboten – als Reaktion auf die Anschläge von Paris, wie eine Sprecherin sagte. Außerdem sollen alle Taschen kontrolliert werden. Vor der Party will die Polizei den Park mit Hunden nach Sprengstoff absuchen und anschließend streng darauf achten, dass niemand über die Absperrung klettert.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, wünscht sich ein entschiedeneres Vorgehen gegen mögliche Gefährder: "Wenn man weiß, von einer Person geht eine Gefahr aus, dann müssen die Sicherheitsbehörden mehr tun, als sie nur anzusprechen", sagte Wendt der "Welt".

Hunderttausende Menschen werden zu Silvester auf der Berliner Festmeile erwartet. (Foto: DPA)

Dazu sollten "vor Großveranstaltungen wie der Silvesterfeier in Berlin Betretungsverbote gegenüber gefährlichen Islamisten ausgesprochen und notfalls mit Fußfesseln überwacht werden. Jemand, der in Syrien für den Islamischen Staat gekämpft hat, muss nicht zur Silvesterfeier vor das Brandenburger Tor gehen", sagte Wendt. "Bisher machen wir schon Gefährderansprachen, das heißt, wir gehen auf gefährliche Personen zu und sagen: ,Auf dieser oder jener Veranstaltung hast du nichts zu suchen', das muss aber strenger überwacht werden", sagte Wendt.

Mehr zum Thema: Zwei Drittel rechnen mit IS-Anschlag in Deutschland

Zwar dürfe man nicht in Panik verfallen, er selbst würde mit seinen Enkeln zur großen Silvesterfeier in Berlin gehen, wenn er in der Stadt wäre, sagte Wendt, aber: "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass terroristische Anschläge zur Lebenswirklichkeit in Europa gehören."

Hoch aggressiver neuer Tätertyp

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geht davon aus, dass die Terrorgefahr in Deutschland auf absehbare Zeit hoch bleibt. Der Minister sprach Mitte Dezember von einem neuen Tätertyp, auf den sich die Sicherheitsbehörden einstellen müssten – hoch aggressiv, mit schweren Waffen. Es könnten Einzeltäter, Gruppen oder nach Deutschland zurückkehrende Dschihadisten sein, die Anschläge verüben wollten.

Nach Ansicht von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius müssen die Deutschen lernen, dauerhaft mit einer latenten Anschlagsgefahr durch islamistische Terroristen umzugehen. "Wir stehen im Fadenkreuz des sogenannten IS als Unterstützer der Front gegen ihn", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Der Terrorismus sei unberechenbarer geworden. "Sie haben es ganz bewusst auf die allgemeine Bevölkerung abgesehen, um Angst zu schüren und uns zu veranlassen, unsere Werte infrage zu stellen." Davor dürfe die Gesellschaft aber nicht in die Knie gehen, forderte Pistorius.

Die Hauptbühne für die Feiern in Berlin steht vor dem Brandenburger Tor. (Foto: DPA)

Deutschland ist bisher von größeren islamistischen Terroranschlägen verschont geblieben. Doch seit den Anschlägen von Paris ist die Angst vor Terror gestiegen. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov rechnen zwei Drittel der Bundesbürger mit einem Anschlag des IS in Deutschland im nächsten Jahr. Nur 17 Prozent glauben nicht daran.

Am Mittwoch erst wurden in der Türkei zwei mutmaßliche IS-Fanatiker festgenommen, die laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zu Neujahr Selbstmordanschläge geplant haben sollen.

Feiern in Brüssel abgesagt

In der belgischen Hauptstadt Brüssel bauten Arbeiter zwar auf dem Place de Brouckère eine Bühne für die offizielle Feier auf, und die Tourismusbehörde versprach seit langem ein "Silvesterfeuerwerk mit atemberaubender pyrotechnischer Show". Doch am Mittwochabend verkündete Bürgermeister Yvan Mayeur, dass das Silvesterfeuerwerk und die öffentlichen Feierlichkeiten wegen Terrordrohungen ausfallen. "Es ist besser, wenn wir keine Risiken eingehen", sagte Mayeur.

Die Lage werde weiter geprüft. Premierminister Charles Michel sagte im Sender RTBF, er halte die Entscheidung in der gegenwärtigen "unsicheren Situation" für gerechtfertigt.

Nach Razzien am Sonntag und Montag waren zwei Verdächtige festgenommen worden, die Anschläge zu Silvester geplant haben sollen, die Bedrohung wurde als "ernsthaft" eingestuft.

Der Vorgang weckt Erinnerungen an November, als die höchste Terrorwarnstufe für Brüssel ausgerufen wurde. Für sechs Tage legten die Behörden nach den Anschlägen von Paris das öffentliche Leben in der Stadt lahm. Metro, Museen, Schulen blieben aus Furcht vor einem "unmittelbar bevorstehenden Anschlag" geschlossen. Mehrere Razzien allerdings führten zu keinem nennenswerten Fahndungserfolg. Auch der mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam, der im Brüsseler Stadtteil Molenbeek lebte, blieb flüchtig.

Die Angst vor dem Terror war die ganze Weihnachtszeit über in Brüssel präsent. Nur wenige Menschen besuchten in diesem Jahr den zentralen Weihnachtsmarkt rund um den Place Sainte-Catherine, der von Soldaten mit gepanzerten Militärfahrzeugen bewacht wurde. An einem Abend stand auf einer Einkaufsmeile vor fast jedem Ladengeschäft ein Polizist und vor einer Woche wurde eine zentrale Straße in der Innenstadt für mindestens fünf Stunden wegen einer Terrorrazzia gesperrt.

Gerüchte, dass in Brüssel ein Anschlag an Silvester drohen könnte, gab es schon länger. In einem Brüsseler Restaurant kam nach den Schilderungen einer Kellnerin gegenüber der "Welt" schon im November ein Polizist und erkundigte sich, ob an Silvester geöffnet sei und warnte: "Seien sie wachsam." Ähnliche Besuche konnte allerdings keine der umliegenden Kneipen und Ladengeschäfte bestätigen. Die Episode zeigt, wie angespannt die Lage in Brüssel ist.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.
 
Ein Unbekannter schlug dem Bürgermeister von hinten mit einem Knüppel oder einem Kantholz auf den Kopf. Foto: Friso Gentsch/Archiv
Seit Monaten bedroht
Bürgermeister vermutlich wegen Asylplänen niedergeschlagen
Die Hamas hat für heute zu einem «Tag des Zorn» aufgerufen. Foto: Atef Safadi
8000 Polizisten im Einsatz
Spitzenpolitiker aus aller Welt beim Begräbnis von Peres
Vergangenen Jahr war der damalige Generalstaatsanwalt bei einem ähnlichen Anschlag getötet worden. Foto: Esslam Gomaa
Bombenexplosion
Vize-Generalstaatsanwalt entgeht Attentat in Kairo
Der Sarg von Schimon Peres vor der Knesset in Jerusalem.
Beisetzung von Peres in Jerusalem
Spitzenpolitiker aus aller Welt erweisen letzte Ehre
US-Präsident Barack Obama in Saudi-Arabien.
US-Gesetz zu 9/11
Riad warnt USA vor "gefährlichen Folgen"
Syrische Truppen im Norden von Aleppo: Die Stadt liegt inzwischen in Schutt und Asche.
Harte Kritik an Russland
Obama und Merkel verurteilen "barbarische" Luftangriffe
Hillary Clinton bewundert nach eigenen Angaben den Mut der Bundeskanzlerin.
"Wirklich große Weltführerin"
Clinton und Trump singen Loblieder auf Merkel
Die Vorwürfe gehen mehrere Jahre zurück auf Taubers Zeit als Kreisvorsitzender. Foto: Uwe Anspach/Archiv
Nach Mobbing-Vorwürfen
CDU-Generalsekretär Tauber spricht zur Basis
Donald Trump ist in der Forbes-Liste der Superreichen auf Rang 505 abgerutscht.
Neues Forbes-Ranking
Donald Trump verliert in einem Jahr 800 Millionen Dollar
An der Marienbrücke in Dresden ist eine Sprengsatz-Attrappe entdeckt worden.
Nach Bombenanschlägen in Dresden
Sprengsatz-Attrappe an Brücke entdeckt
Flüchtlinge im französischen Calais. Die Regierung will sie nun auf das ganze Land verteilen.
Flüchtlingsverteilung in Frankreich
"Wir wissen sehr gut, dass es Probleme mit solchen Leuten gibt"
Gedenkt der Nazi-Verbrechen in der Ukraine: Bundespräsident Joachim Gauck.
Gauck in Babi Jar
"Wir Deutschen sprechen von unermesslicher Schuld"
Jürgen Todenhöfer will in Syrien einen Kommandeur der Nusra-Front interviewt haben.
"Das alles ist ein Witz"
Große Zweifel an spektakulärem Todenhöfer-Interview
Ahmed al-Assiri berät den saudischen Verteidigungsminister.
Saudi-Arabien fordert Kurswechsel in Syrien
"Die Ursache für den IS sind die Gräuel des Regimes"
In Singapur leben mehrere Kulturen miteinander. Damit das so bleibt, sollen alle Bürger gemeinsam mit der Polizei gegen Terror kämpfen.
Angst vor Anschlag
Singapur bildet Bürger zu Antiterror-Kriegern aus
Flüchtlinge sollen in der Unterkunft in der Berliner Zobeltitschstraße in der Nacht zu Donnerstag rebelliert haben.
Aufstand in Flüchtlingsunterkunft
Asylbewerber stürmen Büro von Berliner Wachdienst
Teure Gesundheit: Privat Krankenversicherte müssen zum Jahreswechsel mit zum Teil zweistelligen Tariferhöhungen rechnen. Foto: Armin Weigel/Symbol
Auswirkungen der Niedrigzinsen
Zweistellige Tariferhöhung bei privaten Krankenversicherern
Beate Zschäpe wird in München der Prozess gemacht.
NSU-Prozess
Beate Zschäpe bricht ihr Schweigen
Die im vergangenen Jahr eingeführte bundesweite Maut-Erweiterung soll nach Aussage des Verkehrsministeriums rund 380 Millionen Euro Mehreinnahmen im Jahr einbringen.
"Gute Nachrichten"
EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Pkw-Maut
Eine schwedische Soldatin bei einer gemeinsamen Übung mit Russland. Die Wehrpflicht soll auch für Frauen gelten.
Comeback der Wehrpflicht
Schweden müssen wieder antreten - auch Frauen