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Nach Massenhinrichtung Chamenei droht Saudi-Arabien mit "Rache Gottes"

Nach der Exekution des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr erleben die Beziehung zwischen Saudi-Arabien und Iran einen neuen Tiefpunkt. Demonstranten zünden die saudische Botschaft in Teheran an.

Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei hat Saudi-Arabien wegen der Hinrichtung eines führenden Schiiten-Predigers erneut scharf angegriffen. Die Rache Gottes werde saudiarabische Politiker treffen, sagte Chamenei laut dem iranischen Staatsfernsehen. Der getötete Geistliche Nimr al-Nimr habe weder zu einem bewaffneten Vorgehen ermutigt, noch habe er sich an geheimen Verschwörungen beteiligt.

Er habe lediglich aus religiösem Eifer öffentlich Kritik in dem sunnitisch dominierten Königreich geäußert. Zugleich kritisierte er die westlichen Regierungen und warf ihnen Untätigkeit in dem Fall vor. Die "angeblichen Verfechter von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten" schwiegen diesmal, sagte Chamenei. "Warum unterstützen die, die Freiheit und Demokratie unterstützen, diese Regierung", fragte er.

Auf der Internet-Seite Chameneis war zudem ein Bild eines saudiarabischen Henkers neben dem als "Dschihadi John" bekannt gewordenen Extremisten des Islamischen Staats (IS) zu sehen. Das Foto trug die Unterzeile: "Irgendwelche Unterschiede?" Dem inzwischen vermutlich getöteten "Dschihadi John" wird die Enthauptung mehrerer westlicher Geiseln zur Last gelegt.

Demonstranten stürmen saudiarabische Botschaft

Die Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen hat internationale Besorgnis und heftige Proteste ausgelöst. Irans einflussreiche Revolutionsgarden drohten dem sunnitischen Königshaus in Saudi-Arabien mit einer "scharfen Vergeltung", woraufhin Saudi-Arabien den iranischen Botschafter einbestellte. Die USA und die EU äußerten sich besorgt, dass die Spannungen zwischen den Religionsgruppen in der Golf-Region weiter angeheizt werden könnten. Der Kleriker Nimr al-Nimr war in Saudi-Arabien wegen Terrorismus zum Tode verurteilt worden. Der Iran sah in dem entschiedenen Kritiker der Führung in Riad allerdings einen wichtigen Verfechter der Rechte der schiitischen Minderheit. Saudi-Arabien und der Iran ringen um die Vormachtstellung in der Region.

In Teheran brachen Demonstranten der Nachrichtenagentur Insa zufolge in die Botschaft ein, legten Feuer und zertrümmerten Mobiliar. Kurz darauf wurde das Gebäude von Polizisten wieder geräumt. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete Fotos zeigten, wie Teile der Botschaft in Flammen standen. Die Polizei war auf den plötzlichen Angriff in der Nacht nicht vorbereitet. Zwar bekam sie die Lage letztendlich in den Griff, aber die Verwüstung konnte sie nicht verhindern. Auch die Feuerwehr kam erst später, um den Brand zu löschen. 

Nach dem Zwischenfall rief die Regierung des schiitischen Irans zur Mäßigung auf. Es dürfe keine weitere Demonstrationen in der Nähe der saudiarabischen Botschaft geben, forderte ein Sprecher des Außenministeriums Insa zufolge. Es gab laut Behörden 40 Festnahmen. 

Neben Nimr waren am Samstag in Saudi-Arabien 46 weitere Menschen wegen Terrorismus oder Anstiftung zur Gewalt exekutiert worden. Die meisten von ihnen waren sunnitische Extremisten. Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani warnte, Saudi-Arabien werde einem "Strudel" entgegensehen, aus dem es nicht entkommen könne. Wie die saudische Nachrichtenagentur SPA berichtete, beschrieb das Außenministerium die Kritik aus dem Iran am Justizsystem Saudi-Arabiens als "eklatante Einmischung" in seine inneren Angelegenheiten.

Mehr dazu: "Saudi-Arabien geht nicht anders gegen Gegner vor als der IS"

Der schiitische Iran und das sunnitisch-wahabitische Königreich Saudi-Arabien sind seit Jahren im Dauerkonflikt. Neben den religiösen und geopolitischen Differenzen ist seit längerem auch der Bürgerkrieg in Syrien ein Streitthema. Teheran unterstützt dort das Regime von Präsident Baschar al-Assad, Riad hingegen die Anti-Assad-Rebellen. Der Angriff auf die Botschaft wird auch die vom Westen und arabischen Ländern mühsam aufgebaute Zusammenarbeit der beiden Länder in Syrien belasten.

Die Hinrichtungen zielten nach Einschätzung von Beobachtern darauf ab, Saudi-Araber davon abzuschrecken, sich Islamistengruppen anzuschließen. Saudi-Arabien war in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von Bombenanschlägen und Attentaten militanter Sunniten. Auch der IS hat wiederholt zu Anschlägen im Königreich aufgerufen.

Mahnende Worte aus USA und EU

Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, die Staats- und Regierungschefs der Golf-Region müssten "ihre Bemühungen verdoppeln", um zu einer Deeskalation der Lage beizutragen. Saudi-Arabien müsse sich an die Menschenrechte halten und in jedem Fall faire und transparente Gerichtsverfahren gewährleisten.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bekräftigte die ablehnende Haltung der Europäischen Union (EU) zur Todesstrafe generell und erklärte, Nimrs Hinrichtung wecke ernste Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit und dem Respekt gegenüber bürgerlichen und politischen Grundrechte in Saudi-Arabien. Sie forderte die Regierung auf, zur Versöhnung zwischen den verschiedenen Gruppen des Landes beizutragen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die rivalisierenden Religionsgruppen zur Zurückhaltung auf. Alle Verantwortlichen in der Region müssten zu einem Abbau der Spannungen beitragen, forderte er.

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