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Flüchtlingskrise und Kriminalität Die magische Anziehungskraft der Familienclans

2016 steht im Zeichen der Integration. Welche Folgen eine verfehlte Einwanderungspolitik haben kann, zeigen die schwerwiegenden Probleme mit Familienclans in den Großstädten.

Eine Million Flüchtlinge in 2015 und die Frage: Wie sollen sie integriert werden? Die Bewältigung der Asylkrise ist eines der dringlichsten Themen für die Bundesregierung in diesem Jahr. Nicht wenige Bürger haben aber auch Angst vor importierter Kriminalität. Tatsächlich ist das Problem nicht neu.

Schon in den 1980er und 1990er Jahren hatte Deutschland eine Flüchtlingswelle zu bewältigen - nur in viel geringerem Umfang. Während des libanesischen Bürgerkriegs kamen damals etwa 15.000 Kurden nach Deutschland. Diese sogenannten Mhallamiye-Kurden bereiten der Justiz seit Jahren Kopfzerbrechen.

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In einigen Städten stehen Mitglieder jener libanesischer Großfamilien wegen Drogenhandels, Randalen oder anderer Gewalttaten im Fadenkreuz der Polizei. Diese Schwierigkeiten sind nach Ansicht des Islamwissenschaftlers Professor Mathias Rohe von der Universität Erlangen auf eine falsche Einwanderungspolitik zurückzuführen. Im Interview macht er deutlich, dass in Deutschland gar nicht erst versucht wurde, sie schnell zu integrieren.

In vielen größeren deutschen Städten werden libanesische Clans verdächtigt, mit kriminellen Strukturen den Rechtsstaat zu unterwandern. Was ist bei der Integration schiefgelaufen?

In den 80er und 90er Jahren sind Tausende aus dem Libanon nach Deutschland geflüchtet. Man vergisst oft, dass viele von ihnen schon in der Heimat Underdogs waren, also Menschen, die in ihrem Herkunftsland am Rande der Gesellschaft standen. Ihnen wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt, manche wurden als Staatenlose behandelt.

Bei ihrer Ankunft in Deutschland beruhte die Aufnahmepolitik noch auf Abschreckung. Es gab die unglückliche Regelung, dass Flüchtlinge mehrere Jahre lang warten mussten, bis sie erst arbeiten durften. Viele - aber nicht alle - rutschten dadurch ins kriminelle Milieu ab.

Aber wie konnten sich Familienclans hier überhaupt etablieren?

Ein wesentliches Problem war die verbreitete Auffassung, dass viele Zuwanderer auf Dauer in Deutschland ohnehin nicht bleiben würden. Man hat also gar nicht versucht, sie schnell ins System einzugliedern.

Viele kurdische oder libanesische Einwanderer fanden dadurch keinen Zugang zu Arbeit und Bildung und damit zur deutschen Gesellschaft. Die Menschen suchten stattdessen im Familiären Halt, und so wurden bekannte Clan-Strukturen mit uralten Mechanismen wieder aufgebaut. Auf dieser Grundlage basiert organisierte Kriminalität vielerorts noch heute.

Es heißt immer wieder, dass viele Clans ihre Probleme mit sogenannten Friedensrichtern lösen. Welche Bedrohung geht von ihnen für die deutsche Justiz aus?

In kulturell und sozial isolierten kriminellen Milieus ist immer wieder zu beobachten, dass Zeugen eingeschüchtert oder Opfer mit wenig Geld abgespeist werden. Große Macht geht dabei von Familienältesten aus.

Man sollte hier aber nicht von muslimischer Paralleljustiz, sondern von kulturell geprägten Mustern sprechen - da sind keine frommen Muslime beteiligt. Teilweise werden muslimische Vertreter sogar selbst von den Clans unter Druck gesetzt.

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