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Amerikas Waffenwahn Der Präsident weint, die NRA lädt nach

In einer emotionalen Rede hat Barack Obama Schritte im Kampf gegen Amerikas Waffenwahn angekündigt. Viel kann der Präsident nicht ausrichten, doch selbst das Wenige geht vielen schon zu weit.

Von wegen "No-Drama-Obama": Der mächtigste Mann der Welt weint vor laufenden Kameras, und der Präsident hat allen Grund, für einen Moment die Fassung zu verlieren. Nicht nur weil er als Vater zweier Töchter an die 20 Kinder und sechs Erwachsenen denkt, die ein Amokschütze im Dezember 2012 kaltblütig ermordete. Denn der TV-Termin im Weißen Haus beweist mit brutaler Härte die Hilflosigkeit des Supermacht-Präsidenten, der zwar die Kontrolle über tausende Nuklear-Sprengköpfe hat, aber dem täglichen Waffen-Terror daheim auf Amerikas Straßen machtlos zuschauen muss. 

Die Tränen des sonst eher nüchtern bis cool wirkenden Präsidenten wurden zum News-Aufmacher aller US-Sender. Für die ausländischen Korrespondenten in Washington war es zumindest ebenso wichtig, über die Schreckensbilanz der privaten Aufrüstung zu berichten, an die sich die meisten US-Bürger schon gewöhnt zu haben scheinen. 

Erschreckende jährliche Bilanz

Diese Statistiken zeichnen ein gigantisches Zerstörungspotential: Rund 300 Millionen Pistolen, Revolver und Gewehre in Privatbesitz, also für fast jeden US-Bürger eine Waffe - undenkbar in jedem anderen Land der sogenannten "entwickelten Welt". Nirgendwo fordert der zivile Waffenwahn soviel Opfer. Mehr als 30.000 Amerikaner sterben jährlich durch Morde, Selbstmorde und Unfälle mit Schusswaffen - das entspricht der Zahl der Menschen, die in den USA bei Autounfällen ums Leben kommen.

Fast noch schockierender ist die Macht der amerikanischen Waffenlobby "NRA", die jeden noch so bescheidenen Versuch, die laxen Waffengesetze auf Bundesebene zu verbessern, im Keim erstickt. Mit großzügigen Wahlkampfspenden für Politiker und Angstpropaganda an der Wählerbasis ("Waffengesetze entwaffnen nur die Guten") sorgt die NRA sogar dafür, dass der Kongress regelmäßig Budgets für Forschungsprojekte zum Thema "Waffengewalt" killt. 

Kaum ein anderes Thema wird in den USA so emotional diskutiert. Die Mehrheit der Amerikaner akzeptiert das auch vom Obersten Verfassungsgericht so interpretierte Mantra der Waffenlobby, wonach der Zweite Verfassungszusatz das Recht auf privaten Waffenbesitz garantiert - auch wenn die Gründungsväter der Vereinigten Staaten ganz sicher nicht die Feuerpower von modernen halbautomatischen Sturmgewehren vorausgesehen haben.

Gleichzeitig sind laut Umfragen zwar die meisten US-Bürger durchaus für umfassendere Background-Checks bei Waffenkäufen, aber die Schreckensvision der Waffenlobby zeigt Wirkung: Dass die Warnung "Obama will Euch die Gewehre wegnehmen" bei so vielen Amerikanern ankommt, liegt vor allem an einem irrationalen, aber tiefverwurzelten Misstrauen in weiten Teilen des Landes gegenüber der Zentralregierung in Washington.

Republikaner wollen Änderungen Rückgängig machen

Kein Wunder, dass es ein frustrierter Barack Obama in seinem letzten Amtsjahr jetzt mit einem Alleingang versucht, vorbei am mutlosen Kongress. Mit Exekutivvollmachten will der Präsident unter anderem für effektivere Background-Checks sorgen - auch im Internet und bei sogenannten Gun Shows, wo man derzeit praktisch jedes Kaliber kaufen kann, ohne unbequeme Fragen beantworten zu müssen.

Es sind eher kosmetische Korrekturen, aber selbst auf diese bescheidenen Verbesserungsvorschläge reagierten die Waffenlobby und ihre konservativen Verbündeten mit wütenden Protesten. Obama hatte noch nicht ausgeredet, da versprachen fast alle Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei schon, an ihrem "ersten Tag im Weißen Haus" jede Verschärfung der Waffengesetze zu streichen. Das wäre der  20. Januar 2017, und dann würden wohl nicht nur Barack Obama die Tränen kommen.  

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