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Gewaltexzesse in Flüchtlingsheim in Ellwangen "Wir wollen kein explosives Gemisch"

Immer wieder kochen Aggressionen in Flüchtlingsheimen hoch: nicht selten muss die Polizei anrücken, um zu schlichten. In Ellwangen soll ein neues Sicherheitskonzept die Lage entschärfen.

Nach Massenschlägereien in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge in Ellwangen (Baden-Württemberg) soll das Sicherheitskonzept der Unterkunft angepasst werden. "Was wir konsequenter machen wollen, ist Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern noch besser getrennt unterzubringen", sagte LEA-Leiter Berthold Weiß am Dienstag.

"Wir wollen eine klare Trennung und kein explosives Gemisch." Die Gewalt entzünde sich zwar meist aufgrund von Lappalien, aber dann gingen immer wieder Gruppen unterschiedlicher Herkunftsländer aufeinander los. Die Polizeigewerkschaft warnt vor zunehmender Gewalt.

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Erst am Sonntagmorgen hatten sich in der LEA rund 50 hauptsächlich algerische und pakistanische Flüchtlinge teils mit Feuerlöschern und Eisenstangen geprügelt und mit Steinen beworfen. Am Abend gingen erneut rund 50 Flüchtlinge aufeinander los.

Bei Schlägereien mit Eisenstangen in einer Unterkunft im Kreis Esslingen wurden am Montag zwei Männer verletzt. Nach einem Messerangriff auf einen 26-Jährigen am Sonntag in einer Heilbronner Asylbewerberunterkunft befindet sich der 23-jährige mutmaßliche Täter weiter auf der Flucht. Rund 30 teils stark betrunkene Flüchtlinge prügelten sich in der Nacht zum Dienstag in ihrer Unterkunft im Kreis Esslingen.

"Keine Nationenkonflikte"

Die Flüchtlinge würden Konflikte aus ihren Heimatländern zwar nicht mit in die Unterkünfte bringen, sagte LEA-Chef Weiß. "Das sind keine Nationenkonflikte, sondern ganz normale menschliche Geschichten, manchmal einfach Lappalien – wer lädt zuerst sein Handy auf, weil es nicht so viele Steckdosen gibt", sagte er. Aber dann sammelten sich Flüchtlinge bei Schlägereien hinter ihren Landsleuten. "Es ist nicht so, dass eine Gruppe Syrer auf eine Gruppe Syrer losgegangen ist", meinte Weiß.

Die Störenfriede seien häufig schwer ausfindig zu machen. Zwar seien die Flüchtlinge unterschiedlicher Nationalitäten auf dem Gelände oder bei der Essensausgabe beisammen. "Damit die Reibungspunkte aber möglichst gering sind, wollen wir die Möglichkeiten unseres Geländes ausnutzen und die Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunft in verschiedenen Bereichen der Kaserne unterbringen", sagte Weiß.

30 Sicherheitsleute arbeiteten rund um die Uhr in der LEA Ellwangen. Trotzdem braucht es immer wieder den Einsatz Dutzender Polizeikräfte bei Auseinandersetzungen. "Das kriegst du mit Security nie in Griff, weil die Polizei ganz andere Rechte hat bei so einer großen Auseinandersetzung", sagte Weiß. Die Beamten könnten etwa Störer herausgreifen und in Gewahrsam nehmen.

Feiertage auch als Ursache möglich

Die Zunahme der Gewalt in den vergangenen Tagen habe womöglich auch etwas mit den Feiertagen zu tun. "Da ist eben überhaupt nichts gelaufen – keine Registrierung, keine Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt, keine Zerstreuung", sagte Weiß.

"Das Problem liegt darin, dass in den Flüchtlingsunterkünften unheimlich viele Menschen eingepfercht sind und es dann manchmal wegen Nichtigkeiten zu Streitigkeiten kommt", sagte Rüdiger Seidenspinner, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Baden-Württemberg. "Es gibt halt leider Gottes auch unter den Flüchtlingen manche, die sich nicht an unsere Spielregeln halten." In letzter Zeit richte sich die Gewalt auch immer wieder gegen Beamte. "Das Phänomen haben wir auch im täglichen Leben – die Polizei wird als Ventil genutzt, um sein persönliches Hühnchen zu rupfen", sagte er.

In Ellwangen waren am Sonntag auch Steine auf Streifenwagen geflogen. Seidenspinner warnte vor zunehmender Gewalt in den Heimen. "Ich hoffe, dass wir die Gewalt innerhalb der Lager in Griff bekommen, wenn Leute auf das Land verteilt worden sind und sich die personelle Situation entspannt. Aber die Tendenz lässt nichts Gutes hoffen", meinte er.

Die Polizei sei überlastet. "Wir haben Personalnotstand wie noch nie, die Terrorbedrohung, die Erstanlaufstellen, die Einbruchskriminalität – und die ganz normale Alltagskriminalität hört deshalb ja nicht auf", sagte Seidenspinner. Dem Südwesten fehlten derzeit 2500 Polizisten. "Wir haben in Baden-Württemberg die schlechteste Polizeidichte im Bund-Länder-Vergleich und einen zunehmend überalterten Personalkörper", sagte er.

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