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Kampf gegen Islamischen Staat Der Masterplan zur Vernichtung des IS

Der Islamische Staat war militärisch nie so stark, wie viele glaubten. Nach der Vertreibung aus Ramadi steht die Terrormiliz unter Druck. Sie soll vernichtet werden. Und so könnte es gelingen.

Das neue Jahr 2016 soll den "großen und finalen Sieg" über die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bringen. Die Präsenz von Daesh im Irak wird beendet werden. So lautet der Neujahrswunsch des irakischen Premierministers Haider al-Abadi, der die Terrorgruppe mit dem abfälligen arabischen Begriff "Daesh" bezeichnet.

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Sechs Tage später sagt der Sondergesandte von US-Präsident Barack Obama für den Kampf gegen den IS, Brett McGurk, die Terrormiliz habe fast die Hälfte der einst von ihr kontrollierten Gebiete im Nahen Osten wieder verloren.

Es begann vor eineinhalb Jahren

Im Juni 2014 hatten die Terroristen in Mossul ihr "Kalifat" ausgerufen und mit einer Orgie der Gewalt die Weltbühne betreten. Seither warnen Experten vor der immensen Gefahr, die von der Macht des IS und seiner Anziehungskraft ausgehe.

Video: So finanziert sich der Islamische Staat

 

Diese Warnungen spielten letztlich der Propaganda des IS in die Hände, der sich selbst gern als eine nicht zu bändigende Naturgewalt von Gottes Gnaden darstellt.

So hoch sind die Gebietsverluste des Islamischen Staates. (Foto: Infografik Die Welt)

Dabei war die Terrororganisation nie jene machtvolle Armee, für die sie gehalten wurde. Ihre Erfolge kamen auch zustande, weil ihre zahlenmäßig und von der Bewaffnung her überlegenen Gegner zu oft kampflos davonliefen. Offenbar aus schierer Furcht vor dem Image, das die IS-Propaganda und das internationale Expertentum kolportiert hatten.

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Der IS könnte längst besiegt sein, doch fehlte dafür bisher der politischen Wille der involvierten Konfliktparteien. Wie die Terrororganisation effizient bekämpft werden kann, haben die letzten Wochen gezeigt.

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Allein im Norden Syriens verlor der IS über 15.000 Quadratkilometer Territorium. Sobald der IS auf einen entschiedenen Gegner trifft, dreht sich der Spieß um. Dann laufen die IS-Kämpfer davon. Der irakische Premierminister Abadi könnte daher mit seiner Siegprognose richtig liegen. Denn es gibt deutliche Anzeichen, dass 2016 kein gutes Jahr für den IS werden wird:

1. Irakische Armee "Back on Track"

In Ramadi hat die irakische Armee bewiesen, dass sie erfolgreich kämpfen kann. Bisher war sie der Schwachpunkt im Kampf gegen die Extremisten. Die Soldaten waren einige Male kampflos vor dem IS geflohen. Doch in Ramadi kamen die Regierungstruppen nun sogar ohne die Hilfe schiitischer Milizen aus, von denen sie sonst unterstützt werden.

Irakische Spezialeinheiten im zerstörten Ramadi. (Foto: AP)

Der Sieg in der Hauptstadt der Provinz Anbar – die Region, in der der IS eigentlich am stärksten ist – gab Selbstvertrauen und der Regierung in Bagdad Gewissheit: Ihre Soldaten sind für weitere Feldzüge gegen den IS gewappnet.

2. Angriff auf Mossul

Unmittelbar nach der Befreiung Ramadis nannte Abadi Mossul als nächstes Angriffsziel. Die Stadt im Norden des Irak ist eine zentrale Basis der Dschihadisten, Dreh- und Angelpunkt ihrer Operationen. Die direkte Verbindung nach Syrien ist bereits abgeschnitten, die Stadt kann deshalb nur über lange Umwege auf Wüstenpisten Nachschub erhalten.

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Eliteeinheiten der autonomen Kurdenregion (KRG) stehen seit Monaten zum Angriff bereit. Sie haben den IS bis auf wenige Kilometer an die Außenbezirke der Stadt zurückgedrängt. An der Offensive werden sich auch lokale, arabische Stämme beteiligen, die vom US-Militär ausgebildet worden sind. Sie kennen das Terrain und haben nach wie vor Stammesbeziehungen in Mossul.

3. Angriff auf Rakka

Parallel zur Offensive auf Mossul soll ein Angriff auf die syrische IS-Hauptstadt Rakka stattfinden. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben bereits zwei erfolgreiche Militäroperation durchgeführt, um Rakka zu isolieren. Die Allianz aus kurdischen, christlichen und arabischen Milizen hat die gesamte Provinz Hasaka befreit.

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Alle IS-Nachschubwege sind im Grenzgebiet zum Irak gekappt. Vor einer Woche eroberten die SDF den Tischrin-Damm am Euphrat. Nun rücken sie auf die vom IS kontrollierte Stadt Manbidsch vor. Damit ist Rakka von der türkischen Grenze und von den vom IS gehaltenen Gebieten in der Region Aleppo abgeschnitten. Lokale Rebellenverbände der Freien Syrischen Armee (FSA) werden sich am Angriff auf die hauptsächlich von Sunniten bewohnte IS-Hauptstadt beteiligen.

4. Angriff auf Deir al-Sur

Im Osten Syriens planen arabische Stämme einen Angriff auf Deir al-Sur. Die Stadt mit über 200.000 Einwohnern liegt auf der Verbindungsstraße zur Grenze in den Irak. Eine Rückeroberung würde den Fluchtweg für IS-Kämpfer aus Rakka abschneiden und gleichzeitig die Extremisten im Irak isolieren.

5. Mangelnde Manpower des IS

Als im November Truppen der KRG Sindschar eroberten, verteidigten etwa 250 IS-Kämpfer die Jesidenstadt. In Ramadi waren es vor einer Woche rund 500, die gegen die irakische Armee kämpften. In Syrien stießen die SDF ebenfalls auf wenig Widerstand. Das war vor einem Jahr noch ganz anders. Der IS scheint keine ausreichende Manpower mehr zu besitzen, um strategisch wichtige Orte verteidigen zu können. Der seit über zwei Jahren andauernde Krieg an mehreren Fronten verlangt seinen Blutzoll.

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Viele der Kämpfer der ersten Generation, die nach Syrien kamen, sind getötet oder als Selbstmordattentäter verheizt worden. Hinzu kommen die Verluste durch Luftangriffe der Koalitionsflugzeuge. Sie sollen über 10.000 Dschihadisten getötet haben. Der Nachschub an neuen Rekruten stockt, denn die Zahl der Freiwilligen, die in den Heiligen Krieg ziehen wollen, ist rapide gesunken.

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In Hochzeiten sollen sich rund 3000 Männer im Monat aus dem In- und Ausland gemeldet haben. Heute sollen es nur noch zwischen 50 und 60 sein. Sollte der IS in Mossul und Rakka geschlagen werden, dürfte die Anziehungskraft der Terrorgruppe weiter nachlassen. Denn Verlierer haben keinen Sex-Appeal. Auch für die IS-Filialen in Libyen, im Jemen oder in Afghanistan dürfte ein Überleben schwierig werden, wenn die Mutterorganisation untergeht.

6. Die Bombardierungen wirken

Die Moral der IS-Kämpfer scheint stark nachzulassen. Wie die "Welt" in Gesprächen mit Dschihadisten erfahren konnte, schwächen die anhaltenden Bombardements der Koalition den Kampfgeist.

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Die Kämpfer können sich nicht mehr frei bewegen. An den Einsatz schwerer Artillerie ist nicht zu denken, ohne aus der Luft beschossen zu werden. Selbstmordfahrzeuge werden regelmäßig von den Kampfjets ausgeschaltet, bevor sie ihr Ziel erreichen. Das Leben der Dschihadisten spielt sich in Tunneln ab, in denen sie sich vor Bombenangriffen verkriechen.

7. Entschlossenheit der Gegner

Die internationale Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten scheint endlich entschlossen zu sein, den IS zu vernichten. Politiker hatten zwar mehrfach das Ende des IS in Aussicht gestellt, zumeist unmittelbar nach neuen Gräueltaten der Terrormiliz. Dann wurde die Frequenz der Bombardierungen kurzfristig erhöht. Doch das ließ bald wieder nach. Anscheinend gab es kein ernsthaftes Interesse, den IS konsequent zu bekämpfen.

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Im Vergleich zu anderen Kriegen sind die Zahlen der abgeworfenen Bomben in Syrien und Irak gering. Alle Gruppen, die den IS vor Ort bekämpften, beklagten sich über mangelnde Unterstützung. Nach den Attentaten von Paris scheint sich das geändert zu haben. Die Offensiven der irakischen Armee in Ramadi und die Erfolge des SDF in Syrien wären ohne die massiven Luftangriffe der Koalition nicht möglich gewesen. Das Pentagon ließ Waffen für die SDF in Syrien abwerfen. Amerikanische Militärs berieten Bagdad beim Sturm auf Ramadi. Sie sollen auch die Pläne für Mossul und Rakka entwerfen.

8. Die Türkei hält still

Die Türkei spielt mit, obwohl ihr die Ereignisse in Nordsyrien nicht gefallen. Die Kurdenmiliz YPG ist ein wichtiger Teil der Militärallianz der SDF, die den IS so erfolgreich bekämpft. Für die Türkei gilt die YPG jedoch als Terrororganisation, deren Stellungen sie in den letzten Monaten sogar auf syrischem Boden beschoss. Leicht könnte die Türkei alle anstehenden Operationen gegen den IS torpedieren. Aber sie hält still, und das obwohl ihre "rote Linie" überschritten wurde.

Die SDF überquerte nämlich am vergangenen Wochenende den Euphrat Richtung Westen, was Ankara kategorisch als "inakzeptabel" ausgegeben hatte. Dadurch könnten nämlich die bisher getrennten kurdischen Teile in Nordsyrien entlang der türkischen Grenze vereint werden. Doch der Außenminister Ahmet Davutoglu erfand flink eine Ausrede, um das Gesicht zu wahren. Ihm sei nur bekannt, dass arabische Truppen und keine kurdischen den Euphrat überquert hätten. Die ungewohnte Kompromissbereitschaft der Türkei ist ein gutes Zeichen. Selbst Ankara scheint dem Ende des IS zugestimmt zu haben, obwohl es im Verdacht steht, die Terrorgruppe lange unterstützt zu haben.

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