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Aufbegehren im Terror-Kalifat Lehrer streiken gegen die IS-Lehrpläne

In den vom IS beherrschten Gebieten weigern sich offenbar Dutzende Lehrer, in der Schule die Ideologie der Extremisten zu vermitteln. Ziviler Ungehorsam zeigt sich inzwischen auch woanders.

Erste Anzeichen von zivilem Ungehorsam im "Kalifat" der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS): Mehr als 30 Lehrer in der nordirakischen Provinz Ninive sind, so berichten Einwohner den lokalen kurdischen Medien, verhaftet worden. Ihr "Vergehen": Sie weigern sich, nach den Vorgaben des IS zu unterrichten. Den Pädagogen drohe jetzt ein Verfahren vor einem Tribunal des selbst ernannten Kalifats, das fair zu nennen sich wohl verbieten dürfte. Und die Extremistengruppe suche nun nach "engagierterem Personal".

Nach der Eroberung Mossuls strich die islamistische Terrormiliz Fächer wie Philosophie, Chemie, Biologie aus den Lehrplänen und führte stattdessen Kurse über das Religionsrecht der Scharia und den "Heiligen Krieg" ein. Der Mathematikunterricht wird seither mit neuen Schulbüchern bestritten, die eine martialische Mengenlehre vermitteln: Die Erstklässler müssen nicht nur Früchte und Tiere zählen, sondern auch Kalaschnikows, Panzer und Patronen.

Schulen mit christlichen Namen mussten sich umbenennen; der Unterricht der syrisch-aramäischen Sprache, die von Christen im Gottesdienst benutzt wird, wurde ebenso verboten wie christlicher Religionsunterricht.

In den neuen Schulbüchern der IS-Ideologen sind Männer in afghanischer Kleidung abgebildet. Mathematik wird mit Rechnungen über die Anzahl der IS-Helden im Kampf gegen die Ungläubigen gelehrt. Schon Sechsjährigen wird "Bleiben und Expandieren" eingebläut. Das ist das Motto der extremistischen Terrorgruppe.

Viele Eltern lassen ihre Kinder zu Hause

Seit vergangenem Oktober gilt ein neues islamistisches Curriculum, wonach in Mossul rund 400.000 Schüler aller Altersstufen unterrichtet werden. Viele Eltern aber schicken ihre Kinder nicht mehr in die Schule aus Angst vor islamistischer Indoktrination. "Ich lasse doch meine Kinder nicht in die Schule, auf dass ihnen Mord und Extremismus beigebracht wird", bringt ein zorniger Vater seine Sorgen auf den Punkt. "Die Ausbildung an einer IS-Schule wird ja auch von niemandem anerkannt."

Tatsächlich hat die irakische Schulbehörde erklärt, Abschlüsse, die Schüler und Studenten im IS-Gebiet absolviert haben, anerkennen zu wollen.

Martialische Mengenlehre nach dem Geschmack der Terrormiliz Islamischer Staat. (Foto: Screenshot Die Welt)

Der Protest der Lehrer ist ein wagemutiger Schritt, den sie mit dem Leben bezahlen könnten. Im Dezember war ein Kollege erschossen worden, weil er nicht gemäß den IS-Richtlinien unterrichten wollte. Drei Imame wurden am selben Tag hingerichtet, weil sie sich weigerten, in ihren Moscheen junge Männer zur Teilnahme am Dschihad aufzufordern.

"Es geht nur darum, die Schüler zu ideologisieren und sie zu Anhängern des vermeintlichen Kalifats zu machen", gab ein Lehrer zu Protokoll. Ihr Protest sei der erste, wichtige Schritt gegen die diktatorische Herrschaft des IS über die Bevölkerung in den von den Islamisten eroberten Gebieten.

Der Streik der Lehrer ist nicht das erste Anzeichen des Widerstands gegen den IS, der sich offenbar aus dem Gebiet des Kalifats heraus formiert. Offenbar unterstützen immer mehr Bewohner Mossuls den Widerstand. Er könnte dem IS mehr zu schaffen machen als die vereinzelten Hinterhalte auf seine Mitglieder.

Am Neujahrstag wurde ein ermordeter IS-Kämpfer aufgefunden. Auf seinem Leichnam lag ein Zettel mit folgendem Text: "Das erwartet jeden, der für den IS arbeitet. Wir vergeben jedem, der bereut. Ansonsten wird der Tod euer Schicksal sein."

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