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Kölns Polizeichef Wolfgang Albers Widersprüche könnten ihn den Job kosten

Die Berichte von Polizeibeamten und Kölns Polizeipräsident zu den Übergriffen in der Silvesternacht sind widersprüchlich. Jetzt werden Rücktrittsforderungen an Wolfgang Albers immer lauter.

Die Fragen nach dem Rücktritt verfolgen Wolfgang Albers. Am Mittwochmorgen antwortete er auf die Frage "Bleiben Sie Polizeipräsident in Köln?" im WDR-Radio: "Aber natürlich. Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt." Der Karneval stehe bevor, und da sei auch er gefordert. "Ich bin hier bei meiner Polizei." Einen halben Tag später klang er schon vorsichtiger. Abends entgegnete der 60-Jährige auf die Frage in der ARD-"Tagesschau", ob Rücktritt eine Option sei: "Ich trage Verantwortung an dieser Stelle. Und wir haben den Karneval vor uns. Eine schwierige Situation, glaube ich, gerade unter den jetzigen Bedingungen. Da ist mein Platz."

Womöglich bleibt dem seit Längerem stark kritisierten Behördenchef nicht mehr viel Zeit. Zu krass sind die Widersprüche zwischen seiner offiziellen Darstellung, was in der Silvesternacht vor dem Hauptbahnhof in Köln passiert ist, und den Schilderungen betroffener Frauen sowie von Polizisten, die in der Chaosnacht im Einsatz waren. Laut Angaben der Beamten waren die meisten der kontrollierten Personen syrische Asylbewerber.

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Albers hingegen hatte noch am Dienstag gesagt, über die Täter sei nichts bekannt. Zudem erklärte er, die Polizei sei "nicht überfordert gewesen", und der Einsatz sei "mustergültig" verlaufen. Ganz zu schweigen von der Kölner Pressemeldung vom Neujahrstag, in der noch von einer "entspannten" Einsatzlage die Rede war – "auch weil die Polizei sich an neuralgischen Orten gut aufgestellt und präsent zeigte".

Polizeiberichte sprechen eine andere Sprache

Inzwischen ist klar, dass Albers sehr lange an einer geschönten Darstellung der Lage festhielt. Das belegt unter anderem das erschreckende Protokoll eines leitenden Bundespolizisten. Demnach herrschten chaotische Zustände, und die Polizisten waren in der Menschenmasse überfordert. Bezeichnend ist der Satz: Die Einsatzkräfte seien "von aufgeregten Bürgern mit weinenden und unter Schock stehenden Kindern über die Zustände im und um den Bahnhof informiert" worden.

Gegen Kölns Polizeipräsidenten Wolfgang Albers werden nach der sexuellen Gewalt in der Silvesternacht Rücktrittsforderungen laut. (Foto: dpa)

Das ist zunächst einmal die Sicht der Bundespolizei, die für das Innere des Bahnhofs zuständig ist. Doch ihre Schilderungen erstrecken sich auch auf das Umfeld, für das wiederum die Polizei Köln verantwortlich ist. Doch auch die widerspricht ihrem Präsidenten.

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Der "Welt am Sonntag" liegt inzwischen ein interner Einsatzbericht der Kölner Polizei vom 2. Januar vor, der Albers' Darstellung ebenfalls konterkariert. Demnach hätte die Polizei viel früher als ein Uhr an Neujahr von den sexuellen Übergriffen wissen müssen. So hatte Albers' Vertrauter, der Leitende Polizeidirektor Michael Temme, die Lage noch am Dienstag dargestellt. Sicher, Polizeichef Albers hat eingestanden, dass die Auskunft in der ersten Pressemitteilung "falsch" gewesen sei. Es habe einen "Kommunikationsfehler" gegeben. Doch der Druck auf ihn wächst und wächst. 

Polizeiberichte sind die gefilterte Wahrheit

Inzwischen ist kaum mehr vorstellbar, dass Albers die Aussage aufrechterhalten kann, die Kölner Polizei habe erst gegen ein Uhr nach der Räumung des Bahnhofsvorplatzes von den Übergriffen auf Frauen erfahren. Ebenso problematisch sind Albers' Angaben vom Mittwochmorgen, es gebe keine Tatverdächtigen. Nur wenig später erzählte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Rande einer Pressekonferenz in Düsseldorf, dass doch drei Tatverdächtige bekannt seien.

Der Umgang mit den Vorfällen in Köln offenbart wieder einmal, wie zurückhaltend mit Berichten von Polizisten im Behördenapparat umgegangen wird. Ihre Schilderungen über tatsächliches Geschehen wird intern bewertet, in Berichte gefasst und dann für die Kommunikation aufbereitet. Was dabei herauskommt, könnte man auch als für die Selbstdarstellung der Behörde opportun bezeichnen.

Man muss dabei auch berücksichtigen: Das Amt des Polizeipräsidenten ist ein politischer Posten. Dass Albers 2011 die Leitung der landesweit größten Behörde mit etwa 5000 Mitarbeitern übernahm, hängt auch maßgeblich mit seinem SPD-Parteibuch zusammen. Sein Vorgänger war ebenfalls Sozialdemokrat. Die rot-grüne Landesregierung – vor allem im Haus von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) – achtet auf Parteizugehörigkeiten, denn es geht auch darum, die große Linie in der Innenpolitik möglichst weit in die Kommunen durchzusetzen.

Ein Verwaltungsexperte – kein Polizist

Polizeibehörden sind weisungsabhängig und müssen die Vorgaben umsetzen, mit dem zugewiesenen Personal zurechtkommen. Es kommt dabei weniger darauf an, ob der Behördenchef selbst früher auf Streife war oder ausgebildeter Polizist ist. Der gebürtige Münchner Albers ist von Hause aus Jurist und hat keine Polizeiuniform getragen – nur einmal auf einer Rundfahrt mit Motorradpolizisten zog er eine Polizei-Lederkluft an, wie er mal nach der Amtsübernahme 2011 im Interview mit Radio Köln erzählte. Albers hat sich für die Leitungsaufgabe in Köln qualifiziert, weil er zuvor im NRW-Innenministerium gedient und neun Jahre lang die Polizei Bonn geleitet hatte.

Albers ist Verwaltungsmensch und kennt das Behördenleben exzellent. Für Details bei der Gefahrenabwehr – insbesondere bei Vorfällen wie den Übergriffen in der Silvesternacht – steht ihm Polizeidirektor Temme zurseite. Die Übernahme der Kölner Polizeibehörde bedeutete für Albers 2011 einen Aufstieg, weil es sich um die größte in NRW handelt. Aber längst zeigt sich auch, dass es eben auch die schwierigste ist.

Polizeibehörden sollen vor allem täglich beweisen, dass der Rechtsstaat vor Ort vernünftig funktioniert und die landesweite innenpolitische Linie trägt, doch da bestehen gerade mit Blick auf die bundesweit viertgrößte Stadt Köln einige Zweifel. Deshalb ist die aktuelle Situation für NRW-Innenminister Jäger durchaus brisant.

Probleme in Köln sind auch brisant für den NRW-Innenminister

Immer wieder entwickeln Ereignisse und Probleme in der Domstadt eine solche Wucht, dass sie bis ins Büro des Innenministers im benachbarten Düsseldorf schwappen. Im Oktober 2014 kam es bei einer Demonstration der rechten "Hooligans gegen Salafisten" (Hogesa) zu Ausschreitungen, wobei auch Polizisten verletzt wurden. Ein umgestürzter Polizeiwagen wurde zum Symbolbild der überforderten Beamten.

Damals verteidigte Albers das Einsatzkonzept, unterstützt von Landesinnenminister Jäger; Monate später wurde dann in einem Ministeriumsbericht eingestanden, dass künftig bei vergleichbaren Anlässen ein höherer Kräfteeinsatz notwendig sei.

Wenig später geriet dann das Sondereinsatzkommando SEK 3 der Kölner Polizei in die Schlagzeilen, weil es Neulinge harten Aufnahmeriten unterworfen haben sollen. Albers kündigte an, die Einheit aufzulösen – doch der Personalrat sprach sich dagegen aus. Der Umgang mit den SEK-Beamten sorgte zudem intern für großen Unmut unter Kollegen.

Die Opposition hält den Verwaltungschef nach den Übergriffen für überfordert und verlangt seinen Rücktritt. Der Innenminister hat bisher seine schützende Hand über Albers gehalten. Doch mittlerweile klingt Jäger ungewohnt distanziert: Er verlangt schnellstmöglich einen Bericht des Polizeipräsidenten über die Silvesternacht. Eine entscheidende Frage sei, wann die Polizei tatsächlich Kenntnis von den sexuellen Übergriffen hatte.

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