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"Arsch Huh" und die Silvesternacht Die Nacht, die Linksaktivisten ins Mark trifft

Die Übergriffe von Köln spielen Populisten in die Karten. Anti-Rechts-Aktivisten laufen wie auf Eierschalen. Zu ihren Demos erscheinen kaum Leute, schlimmer noch: Plötzlich sind sie die "Bösen".

"Arsch huh, Zäng ussenander": Dieser Schlachtruf ist in Köln legendär. Seit in Rostock-Lichtenhagen 1992 die Asylbewerberheime brannten, der grölende Mob davor, steht "Arsch hoch, Zähne auseinander" für Zivilcourage und den Aufstand der Anständigen. Von BAP über Bläck Fööss und Brings bis Zeltinger versammelte sich am 9. November 1992 alles, was Rang und Namen hat in der Kölner Musikszene, am Kölner Chlodwigplatz und rockte gegen rechts.

Seitdem steht der Arsch Huh e. V. für Toleranz und gegen Rassismus und Neonazis. Zuletzt konnten sie im Oktober als Teil des Bündnisses Köln stellt sich quer in einer großen Demonstration mit 15.000 Menschen eine Kundgebung der rechtsextremen Hogesa im Keim ersticken. Einmal mehr konnte sich Köln als tolerante, bunte und weltoffene Metropole mit Herz feiern.

Doch seit der Silvesternacht am Kölner Bahnhof ist etwas durcheinandergeraten im Koordinatensystem der Stadt. Dass es mitten in der Dommetropole zu Jagdszenen auf Frauen und Mädchen kommen konnte, nach übereinstimmenden Zeugenberichten massenhaft ausgeübt von enthemmten Männergruppen aus dem arabischen Raum, hat die Kölner schockiert.

Facebook-Post wurde nicht aktualisiert

Auch jetzt müsste es wieder heißen: "Arsch huh, Zäng ussenander". Doch offenbar sorgt die Tatsache, dass die Gewalttäter diesmal nicht stiernackige Neonazis, sondern randalierende Migranten waren, für Klebstoff im Kiefer.

Die Vorgänge in der Silvesternacht kommentierte Arsch Huh, sonst um klare Worte nicht verlegen, seltsam zahm. "Die reißerische Berichterstattung der Presse suggeriert eine Massendemonstration sexueller Gewalt", heißt es auf der Facebook-Seite des Vereins. "Fakt ist jedoch, dass es sich um Kleingruppen von Kriminellen handelte, die nach Auflösung einer Menschenansammlung durch die Polizei um den Bahnhof herum aktiv waren und neben den sexuellen Übergriffen vor allem für Diebstähle verantwortlich waren!"

Die Täterbeschreibungen der Polizei würden jetzt dazu benutzt, "um eine Gruppe von Menschen, eben Flüchtlinge und Migranten, haftbar zu machen, obwohl schon sehr schnell von der Polizei verlautbart wurde, dass es sich bei den Tätern eben nicht um Flüchtlinge gehandelt habe", heißt es in dem Posting vom Dienstag. Es wurde auch dann nicht aktualisiert, als nach und nach das ganze Ausmaß der Katastrophe der Silvesternacht herauskam – und auch die anfängliche Beschwichtigungsstrategie der Kölner Polizei.

Arsch Huh ruft, und kaum einer kommt

Stattdessen rief der Verein zur Demonstration gegen eine Kundgebung der rechtsextremen Vereinigung Pro NRW auf, die die Silvestervorgänge unter dem Motto "Zuwanderergewalt lässt uns nicht kalt!" für ihre Zwecke instrumentalisieren wollte. Dem "rassistischen Mob" müsse man sich "unüberhörbar und unübersehbar" entgegenstellen.

Die Demonstration fand dann auch statt. Doch diesmal wollten viele Kölner, die sonst im Kampf gegen rechts dabei sind, nicht mittun. Nur 100 Teilnehmer protestierten. "Ich finde eure Aktion dieses Mal leider fehl am Platz und sendet für mein Geschmack das falsche Signal", schreibt Christoph Braem, der sonst schon mehrfach bei Arsch-Huh-Aktionen dabei war. Gabriele Esser beklagt "unerträgliche Scheinheiligkeit gepaart mit Doppelmoral": "Warum müsst Ihr die geschädigten Frauen jetzt noch zusätzlich verhöhnen, indem so getan wird, als habe das alles nichts mit Asylanten und Migranten zu tun? Gibt es für Euch nur schwarz oder weiß, links oder rechts? Das ist gewiss nicht Köln!"

Und Lena Buerger kritisiert: "Ich hätte mir von euch mal nach sechs Tagen klare und deutliche Äußerungen zu den Vorkommnissen erhofft. Das diese immer noch nicht gekommen ist, ist erschreckend und beschämend", kritisiert sie. "Denkt mal drüber nach und bekommt endlich euren Arsch hoch und die Zähne auseinander!"

"Was da passiert ist, ist grauenhaft"

Diese Kritik allerdings will der Verein nicht auf sich sitzen lassen. Schon am Samstag soll es wieder eine Demo des Bündnisses Köln stellt sich quer geben, zeitgleich mit der Demo der rechtsextremen Pegida. Das Motto: "Pegida NRW stoppen! Nein zu rassistischer Hetze! Nein zu sexueller Gewalt!". Hermann Rheindorf, Vorstandssprecher von Arsch Huh, ist sich bewusst, dass dem Verein in der noch immer unklaren Faktenlage derzeit wenig übrig bleibt, als einen Eiertanz zu vollführen. "Was da passiert ist, ist grauenhaft und absolut schändlich und muss mit aller Härte geahndet werden", sagte er der "Welt". "Wenn unter den Tätern tatsächlich auch Flüchtlinge sind, erweisen sie unserer Arbeit einen Bärendienst und treten unsere jahrelangen Bemühungen um Ausgleich mit Füßen."

Dennoch wehre man sich dagegen, dass die Situation politisch von Rechten ausgeschlachtet und rhetorisch eskaliert werden kann. "Unser Ziel ist es, zivilgesellschaftliches Engagement zu zeigen", sagt Rheindorf. "Wer uns unterstellt, dass wir das Problem aus falsch verstandener Toleranz ignorieren, ist selbst ignorant."

Das allerdings sieht die Facebook-Gemeinde von Arsch Huh ein bisschen anders. "Ihr seid gegen Pegida und gegen Vergewaltigungen? Ich glaube, Ihr solltet Euch entscheiden", fordert etwa Franz Michael Moser.

Der Kabarettist Jürgen Becker hat für die Vorgänge in seiner Heimatstadt inzwischen nur noch Spott übrig. "Köln kann keine Oper, keine Wahl, keinen Hubschrauberlandeplatz, keine U-Bahn und auch keine Polizei. Köln kann nur Karneval", sagte er der "Welt". Immerhin habe man jetzt ja die Polizeipräsenz erhöht. Davon habe er sich selbst am Hauptbahnhof überzeugt. "Es saßen sieben Polizisten in einem VW-Bus und tranken Kaffee. Im Bahnhof selbst sah ich niemanden. Wenn ich ein Sexuell-Übergriffiger oder gar ein Vergewaltiger wäre, hätte ich dafür sogar unbehelligt eine Luftmatratze aufblasen können."

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