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Drohendes Einreiseverbot Für die Briten wird Donald Trump zur Unperson

Donald Trump droht ein Einreiseverbot in Großbritannien. Der US-Präsidentschaftsbewerber drohte nun mit einem Investitionsstopp. Doch darüber lachen selbst die Schotten.

Donald Trump, der Top-Favorit unter den US-republikanischen Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur, ist nicht bekannt dafür, einem Streit aus dem Wege zu gehen. Im Gegenteil: Man könnte nach all seinen Anfeindungen, Beleidigungen und Fehltritten der letzten Zeit meinen, er suche geradezu die Konfrontation.

Nicht gesucht hat er allerdings den Streit mit den Briten, die auch nicht dafür bekannt sind, gern klein beizugeben. Fast 600.000 Bürger im Königreich hat der polternde Trump so in Rage gebracht, dass sie seit Anfang Dezember eine Petition unterschrieben haben, Trump wegen Volksverhetzung mit einem Einreise-Bann zu belegen.

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Vorausgegangen war die Forderung des Populisten, Muslime generell an einer Einreise in die USA zu hindern, sowie die Äußerung, dass Teile Londons "so radikalisiert sind, dass die Polizei dort um ihr Leben fürchten muss". Mitte Januar muss nun das Unterhaus in London darüber debattieren, ob über den US-Milliardär und Präsidentschaftsbewerber ein Einreiseverbot verhängt wird.

Drohungen gen London

Auf den Liebesentzug der Briten folgte jetzt die prompte Strafe in Form von möglichen Finanzsanktionen des Investors. Sein Firmenkonglomerat Trump Organization veröffentlichte ein Statement, dass "jede Einschränkung der Reisefreiheit" die Firma dazu zwingen werde, "alle jetzigen und künftig geplanten Investitionen in Großbritannien einzustellen". Das würde vor allem geplante Investitionen in Schottland im Umfang von umgerechnet fast einer Milliarde Euro betreffen.

Um Trumps Rolle als vermeintlicher Vorreiter des freien Wortes noch zu unterstreichen, fügte das Unternehmen hinzu: "Westminster würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen und eine schreckliche Botschaft an die Welt richten, dass Großbritannien sich der Meinungsfreiheit entgegenstellt und kein Interesse an ausländischen Investitionen hat." Ein Reisebann für Trump wäre auch eine Kriegserklärung an Millionen US-Bürger, "die Trump mit vollem Herzen unterstützen".

Topinvestor im Golfsport

Trump investiert seit Jahren in den Golfsport, seine Firma betreibt weltweit zwölf Golfanlagen, davon zwei in Schottland: Aberdeen an der Nordostküste und Turnberry an der Westküste. "Lange Jahre habe ich nach einem Gelände in Europa gesucht, und natürlich war meine Präferenz Schottland, weil ich Halb-Schotte bin", erklärt Trump auf seiner Website und erinnert auch daran, dass seine Mutter Mary MacLeod mit 20 Jahren von einem armen Bauernhof auf der Isle of Lewis nach Manhattan gekommen war.

Die Liebe für den geschäftstüchtigen Nostalgiker in seiner mütterlichen Heimat ist hingegen nicht sonderlich groß. Denn Trumps Bauvorhaben in Aberdeenshire stoßen seit Jahren auf wütenden Protest der Anwohner, von denen bis heute einige den Bulldozern des Amerikaners nicht weichen wollen. Auch halten seine Jobversprechen mit der Realität offenbar nicht mit. 6000 Arbeitsplätze hatte er versprochen, doch nach Recherchen der Zeitung "The Independent" sind es bisher gerade einmal 150. Zudem machte die Golfanlage nahe Aberdeen in den vergangenen drei Jahren umgerechnet fast zehn Millionen Euro Verlust.

2017 sollten die Scottish Open auf Trumps Platz in Aberdeenshire stattfinden, weshalb der Investor dort im Rekordtempo einen zweiten Golfplatz, ein Hotel und 2000 Ferienhäuser bauen wollte. Rund 700 Millionen Euro sollten in den Ausbau fließen. Doch nach Trumps rassistischen Äußerungen hat die European Tour, der Dachverband der europäischen Profi-Golfer, Abstand von einer Vergabe an den US-Amerikaner genommen. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Viel Lärm um wenig Investition?

Und die Stimmung gegen Trump kippt weiter. Schottlands Erste Ministerin Nicola Sturgeon erklärte diese Woche, "Trump ist nicht länger geeignet, ein Botschafter der schottischen Wirtschaft zu sein". Schon zuvor hatte die Chefin der schottischen Nationalisten-Partei SNP Trump die Mitgliedschaft im Schottischen Wirtschaftsklub entzogen. Auch die Universität von Aberdeen entzog Trump die Ehrendoktorwürde, um gegen dessen rassistische Kommentare zu protestieren.

Ohnehin stellen manche nicht nur Trumps politische Zurechnungsfähigkeit, sondern auch seine Geschäftszahlen infrage. Nach Recherchen des schottischen Kommentators Gerry Hassan belaufen sich Trumps Investitionen auf gerade einmal 100 Millionen Euro, mithin ein Zehntel dessen, was er dem Land zu entziehen droht.

Die bevorstehende Debatte im Unterhaus wirft in jedem Fall ihre Schatten voraus: "Es gibt keine dümmere Reaktion, als Trump aus Großbritannien zu verbannen", schreibt Londons ehemaliger US-Botschafter Christopher Meyer. Zwar obliegt die Entscheidung ohnehin allein der Regierung, und die wird wohl kein Verbot verhängen. Es lohnt sich aber in jedem Fall, eine Auseinandersetzung darüber zu führen, was Demokratien in Zeiten des Terrorismus aushalten müssen.

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