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Neuer Nukleartest in Nordkorea Deshalb ließ Kim Jong-un die Bombe platzen

Mit dem angeblichen Test einer Wasserstoffbombe hat Nordkorea weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Zweifel sind angebracht. Mit seinem Gepolter verfolgt Kim Jong-un diese vier Ziele.

Mitte der Woche war es wieder so weit: Pjöngjang präsentierte der Welt einen militärischen Erfolg. Man habe erstmals eine Wasserstoffbombe getestet. Machthaber Kim Jong-un hat sich mit diesem ganz besonderen Feuerwerk zum 33. Geburtstag gratuliert, westliche Experten äußern indes Zweifel. Die Daten deuten eher auf den Test einer herkömmlichen Atombombe hin als auf eine erheblich stärkere Wasserstoffbombe. Warum bauscht der Diktator seinen nuklearen Fimmel trotzdem so auf?

1. Historischer Größenwahn

Aus Sicht Kim Jong-uns beginnt in Nordkorea die Wiedergeburt des alten unabhängigen Koreas. Der erste Satz der Mitteilung nach dem angeblichen Wasserstoffbombentest vom 6. Januar fängt so an: "Ein welterschütterndes Ereignis, das in der 5000 Jahre alten Nationalgeschichte einen Sonderplatz einnimmt."

Das Königreich Korea endete 1910 mit der Annexion durch Japan. Der Zweite Weltkrieg teilte das Gebiet in zwei Besatzungszonen: Aus der sowjetischen ging Nordkorea hervor, aus der amerikanischen Südkorea. Nordkoreas Staatsgründer Kim Il-sung, der Großvater Kim Jong-uns, wollte die Wiedervereinigung militärisch erzwingen. Stalin schickte ihm moderne Waffen und ermutigte Kim 1950 zum Überfall auf Südkorea, ließ ihn aber fallen, als die USA intervenierten. Er verweigerte jede weitere Militärhilfe. Da witterte China seine Chance.

Mao schickte Truppen, rettete Kims Regime, stoppte die Gegenoffensive aber an der Grenze zu Südkorea aus Respekt vor den Amerikanern. Kims nationaler Ehrgeiz war ihm egal.

Kim Il-sung hat sich gemerkt, wie wenig er in Peking und Moskau galt. Er steckte alle Spitzenleute seiner Partei, die vor 1945 bei Mao oder Stalin Unterschlupf gefunden hatten, ins KZ und fing an, sich für Atomtechnik zu interessieren. Sein Misstrauen wuchs, als ihn Maos Rote Garden 1967 zum "Feudalisten" stempelten und eine präzise Liste seiner Paläste publizierten.

Wollte Mao ihn stürzen und Nordkorea wieder zum Tributstaat machen, wie China das seit je mit den Nachbarn praktizierte? Kim schottete sich ab. Als Mao 1972 auch noch Richard Nixon empfing, war China in seinen Augen ein Verbündeter Washingtons geworden. Kim befahl das Bombenprogramm. Zum Chef machte er einen Koreaner, der vor 1945 angeblich in der japanischen Atomforschung tätig gewesen war.

2. Machtsicherung nach innen

Wer die Bombe hat, dem wird nicht widersprochen. Und so gehören absolute Macht, die Konzentrationslager und die Atomrüstung bei Kim zusammen.

Häftlinge sind billig, ihr Tod ist für Diktatoren bedeutungslos. Das Testgelände wurde direkt neben Kims größtem KZ angelegt, dem 540 Quadratkilometer messenden Hochsicherheitslager 16 für politische Gefangene ohne Entlassungschance.

Ein geflohener Wärter, der einzige je von dort entkommene Zeuge, hat ausgesagt, zahlreiche Insassen seien zu Sondereinsätzen auf diesem Gelände transportiert worden, deren wahre Funktion sie natürlich nicht kannten. Keiner sei zurückgekehrt.

3. Suche nach Freunden

Nordkorea grenzt wie die Mongolei, Vietnam, Laos und Birma an China. Einige, wie Vietnam, haben sich jahrhundertelang gegen die Einverleibung durch China gewehrt. Allen gemeinsam ist die Angst vor Pekings neuer Macht.

Der Kim-Clan will diese Länder um sich scharen. Kims Außenminister bereist sie ständig, um ein Bündnis zu schmieden. Pjöngjang hat nach einem früheren Atomtest angemerkt, es wäre doch gut, wenn kleine Länder einen Freund hätten, der wirklich etwas ausrichten könne. Der jüngste Test platzte mitten in die neue Aufregung der Anrainer über Chinas Vordringen im Südchinesischen Meer. Kim weiß, was er tut.

4. Verhandlungsmasse

Kim Jong-un hat Peking am Freitag ausrichten lassen, er werde die Tests einstellen, falls China und die USA ihm einen Friedenspakt anbieten. Das klingt wie eine Finte, um schärfere UN-Sanktionen zu verhindern.

Pjöngjang begründet seine Bombe mit dem Sturz Saddams und Gaddafis, die wehrlos gewesen seien. Es hat als einziges Land den Kernwaffenbesitz in der Verfassung verankert.

"Nichts wäre dümmer, als vor einem Wolfsrudel die Flinte fallen zu lassen", stand in der Mitteilung zum Bombentest. Korea besitze nun eine "Wasserstoffbombe der Gerechtigkeit". Es ist unrealistisch zu glauben, Kim gäbe sie je wieder her.

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