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Explosion in Istanbul Bombenanschlag trifft deutsche Reisegruppe

Mitten im touristischen Herz von Istanbul hat sich ein IS-Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Am frühen Nachmittag bestätigt die Türkei: Die meisten der zehn Todesopfer sind Deutsche.

Acht der mindestens zehn Todesopfer des Anschlags in Istanbul sind nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen deutsche Staatsangehörige. Dies habe Ministerpräsident Ahmet Davutoglu Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Telefonat mitgeteilt, hieß es im Büro des Regierungschefs. Am frühen Abend bestätigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin, dass achte Deutsche bei dem Anschlag in Istanbul getötet wurden.

Davutoglu habe Merkel auch zugesichert, dass alle Ergebnisse der laufenden Untersuchungen an die deutschen Behörden weitergeleitet würden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor in einer Pressekonferenz Gerüchte bestätigt, dass eine deutsche Reisegruppe betroffen ist.

Die Bombenexplosion vor der Blauen Moschee wurde nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von einem Selbstmordattentäter aus Syrien verübt. Bei dem Anschlag im Altstadtviertel Sultanahmet kamen mindestens zehn Menschen ums Leben, 15 wurden verletzt. Laut Davutoglu war der mann IS-Mitglied.

"Wir müssen leider davon ausgehen, dass Deutsche unter den Verletzten sind", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf einer Pressekonferenz, und fuhr fort: "Wir können auch nicht ausschließen, dass Deutsche unter den Todesopfern sind." Der Krisenstab des Ministeriums und das deutsche Generalkonsulat in Istanbul bemühten sich "mit Hochdruck" um Aufklärung. Das Auswärtige Amt empfahl deutschen Urlaubern "dringend", alle Menschenansammlungen in der Millionenstadt zu meiden. 

Die türkische Regierung hatte zuvor bekanntgegeben, dass die meisten der Todesopfer bei der Explosion vor der berühmten Blauen Moschee Ausländer wären. Laut einem Bericht von CNN Türk wurden mindestens sechs Deutsche verletzt. Der Sender berichtete, in zwei Krankenhäuser in Istanbul würden jeweils drei verletzte Deutsche behandelt. Aus anderen Krankenhäusern gebe es noch keine Informationen. 

Entwarnung bei Tui, Alltours und Studiosus

Urlauber von Deutschlands größtem Reiseveranstalter Tui sind nicht betroffen. Derzeit seien nur zehn Gäste in Istanbul, sagte eine Sprecherin. Diese seien aber nicht zusammen als Reisegruppe unterwegs und wohlauf. Auch der Reiseveranstalter Alltours ist nach Angaben seines Sprechers nicht betroffen. Das Unternehmen habe bereits seit Wochen Ausflüge nach Istanbul aus Sicherheitsgründen aus dem Programm gestrichen. Auch Reisende von Studiosus sind nach Angaben des Veranstalters nicht betroffen.

"Ein Selbstmordattentäter syrischer Herkunft hat diesen Terrorakt verübt", sagte Erdogan in Ankara. Der Täter wurde nach Regierungsangaben als ein 1988 geborener Syrer identifiziert. Später bestätigte Ministerpräsident Davutoglu, dass die Terrormiliz hinter dem Anschlag stecke. Von der Türkei aus fliegt eine von den USA angeführte Koalition Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und im Irak. Auch die Bundeswehr unterstützt mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen von Incirlik aus diesen Einsatz.

Krisenmaßnahmen in der Türkei

Die türkische Regierung verhängte eine Nachrichtensperre. Zur Begründung teilte die Medienaufsicht RTÜK mit, ein solcher Schritt sei laut Gesetz möglich, wenn er der "nationalen Sicherheit" diene. Eine dpa-Reporterin wurde an der Absperrung daran gehindert, Fotos vom Ort der Detonation zu machen. Die Polizisten verlangten ihren Presseausweis, um ihn zu überprüfen. Eine Moderatorin von CNN Türk sagte, wegen der Nachrichtensperre könne der Sender nur noch eingeschränkt berichten.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu berief ein Krisentreffen ein. An der Sicherheitsberatung in Ankara nehmen Innenminister Efkan Ala, Außenminister Feridun Sinirlioglu sowie die Chefs von Geheimdienst und Polizei, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu weiter berichtete.

Augenzeugen beschreiben Feuerball

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie zahlreiche Rettungs- und Polizeiwagen in das bei Touristen beliebte Altstadtviertel Sultanahmet eilten. Das Viertel liegt im europäischen Teil Istanbuls. Dort befinden sich neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten auch viele Bars und Restaurants.

Eine Reporterin von CNN Türk berichtete von schockierten Touristen, die nach der Explosion auf dem Pflaster gesessen hätten. Augenzeugen hätten gesagt, sie hätten einen Feuerball aufsteigen sehen. Die Explosion um 10.20 Uhr (Ortszeit/09.20 MEZ) war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören. 

Der Augenzeuge Murat Manaz berichtete: "Ja, es war ein Selbstmordanschlag. Ich lief dort hin und dann schnell zurück zum Hotel. Es war das reinste Chaos. Alle Menschen liefen durcheinander. Die Polizei war vollkommen überrascht. Sie waren geschockt und versuchten dann den Platz schnell zu räumen – aus Angst vor einer möglichen zweiten Bombe. Der Platz wurde komplett evakuiert."

Immer wieder Anschläge in der Türkei

Im Januar 2015 waren im Viertel Sultanahmet zwei Polizisten bei einem Anschlag verletzt worden, welcher der linksextremen Gruppe DHKP-C zugeschrieben wurde.

In der Türkei wurden in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge verübt. Im Oktober wurden bei einem doppelten Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Ankara 103 Menschen getötet. Der bislang blutigste Anschlag auf türkischem Boden wurde der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zugeschrieben.

Am 23. Dezember wurde auf dem Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen bei einem Attentat ein Mensch getötet, zu der Tat bekannte sich die Kurdengruppe TAK. Die Türkei hat seit dem Sommer ihr Vorgehen gegen kurdische Aktivisten deutlich verschärft.  

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