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Deutsche Augenzeugin beim Anschlag in Istanbul "Es war wirklich furchterregend"

Bei einem Anschlag in Istanbul sind mehrere Deutsche getötet worden. Der Attentäter soll dem IS angehört haben. Eine deutsche Touristin und ihre Tochter waren dabei. So erlebten sie die Attacke.

"Der Boden bebte", sagt die deutsche Touristin Caroline kurz nach der schweren Explosion, die am Dienstagmorgen die Altstadt der türkischen Metropole Istanbul erschütterte. Ein scharfer Brandgeruch zieht nach dem Selbstmordanschlag über den Platz vor der Blauen Moschee, auf dem Todesopfer und auch deutsche Verletzte liegen.

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Caroline bringt sich und ihre Tochter in Sicherheit. In einem nahegelegenen Gebäude harren sie eine halbe Stunde aus, bevor sie sich wieder nach draußen wagen. "Es war wirklich furchterregend."

Nicht nur die deutsche Touristin, die Menschen in Istanbul und in der ganzen Türkei sind an diesem Dienstag geschockt. Auch in Deutschland ist das Entsetzen groß. Sie sei "in großer Sorge", dass "unter den Opfern und Verletzten auch Deutsche sein könnten und wahrscheinlich auch sein werden", sagt eine sichtlich erschütterte Kanzlerin in Berlin.

Police secure the area after an explosion in central Istanbul. (Foto: REUTERS)

Inzwischen hieß es aus türkischen Regierungskreisen, dass mindestens neun Deutsche getötet wurden. Das teilte ein Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

130 Tote bei IS-Anschlag im vergangenen Jahr

Die Türkei ist an Gewalt und an schwere Anschläge gewohnt; im vergangenen Jahr tötete die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bei mehreren Anschlägen mehr als 130 Menschen. Zudem wird im Kurdengebiet im Südosten des Landes seit Monaten erbittert gekämpft.

Dass die Extremisten aber so weit gehen würden, unbeteiligte Touristen im Herzen der größten Stadt des Landes zu ermorden, hätte niemand für möglich gehalten. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagt, der Anschlag sei das Werk eines syrischen Selbstmordattentäters gewesen.

Erste Informationen über den Täter

Der Täter soll 28 Jahre alt gewesen sein, berichtet die Regierung. Niemand zweifelt daran, dass er einer von möglicherweise mehreren Selbstmordattentätern der IS-Organisation war, die in den vergangenen Monaten in die Türkei geschleust worden sein sollen. Kurz vor dem Jahreswechsel waren in Ankara zwei mutmaßliche IS-Mitglieder festgenommen worden; damit habe man einen schweren Anschlag vereitelt, hieß es damals.

Für die IS-Dschihadisten ist die säkulär verfasste Türkei ein erklärtes Angriffsziel; mehrmals wurden Erdogan und sein islamisch-konservativer Ministerpräsident Ahmet Davutoglu von der Miliz als "Teufel" beschimpft, die gestürzt werden müssten.

Zudem hatte der IS angekündigt, nach Vollendung seiner Eroberungen in Syrien und im Irak bis nach Istanbul zu marschieren. Im vergangenen Januar hatte sich eine mutmaßliche Islamistin aus Tschetschenien in einer Polizeiwache in der Nähe der Blauen Moschee in die Luft gesprengt.

Attentat auf dem Platz, den fast nur Touristen besuchen

Der Attentäter vom Dienstag ging noch einen Schritt weiter. Er suchte sich einen Platz aus, an dem sich fast nur Ausländer aufhalten und der für die milliardenschwere türkische Tourismusindustrie von entscheidender Bedeutung ist. Türkische Medien berichteten bereits wenige Stunden nach der Explosion von zahlreichen Stornierungen. "Das Jahr 2016 können wir wohl vergessen", wurde ein Fremdenverkehrsunternehmer zitiert.

Der Anschlag ereignete sich auf dem so genannten "Pferdeplatz", der ehemaligen Arena für Wagenrennen im alten Konstantinopel. Zwei Obeliske markieren die Mittelachse der damaligen Rennbahn. Hier zündete der Attentäter seinen Sprengsatz, offenbar inmitten einer Reisegruppe aus deutschen, norwegischen und peruanischen Touristen.

Die große Frage ist nun, wie die Türkei auf die Bedrohung des IS reagieren wird. Erdogan kündigte an, die Dschihadisten würden weiter unbarmherzig bekämpft. Doch Kritiker meinen, dass Anschläge wie der vom Dienstag auch eine Folge der bisherigen Politik Ankaras ist.

Insbesondere in der Anfangsphase des Syrien-Konflikts hatte die türkische Regierung nach Einschätzung westlicher Diplomaten islamistische Gruppen im Nachbarland in der Hoffnung unterstützt, dass diese mit ihren Kämpfern das Ende des verhassten Regimes des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad beschleunigen könnten. "Das rächt sich jetzt", schrieb der regierungskritische Journalist Abdullah Bozkurt auf Twitter.

Seit dem vergangenen Sommer beteiligt sich die Türkei an der von den USA geführten Anti-IS-Allianz, wenn auch nicht so umfassend wie andere Partner. Nach dem Schock vom Dienstag wird die Türkei möglicherweise jetzt stärker gegen die IS-Miliz vorgehen. Die Angst vor neuen Anschlägen wird dadurch weiter wachsen.

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