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Studie zu Christenverfolgung Kim Jong-un hängt selbst den IS ab

Nordkorea steht in der Liste der Länder, in denen Christen brutal unterdrückt werden, ganz oben. Weltweit ist der autoritäre Islam die größte Gefahr. Manche Regime wenden hinterhältige Tricks an.

Unter kaum einer Religion und Ideologie haben so viele Christen zu leiden wie unter einem autoritären und gewaltbereiten Islam. Dieser dominiert in neun der zehn Länder, in denen Christen den meisten und heftigsten Repressionen ausgesetzt sind. Das geht aus dem Weltverfolgungsindex 2016 hervor, den das christlich-evangelikale Hilfswerk Open Doors nun anhand von Daten des vergangenen Jahres veröffentlichte.

Zwar gibt es Ausnahmen. Die schlimmste ist die nordkoreanische Diktatur. Sie nimmt wie schon in den vergangenen Jahren den Spitzenplatz in diesem Länder-Ranking ein. Denn in Nordkorea mache es die Mischung aus kommunistischer Unterdrückung und quasireligiösem Führerkult gegenüber Kim Jong-un "nahezu menschenunmöglich, abweichende Ideen religiöser oder anderer Art zu entwickeln", wie es in dem Bericht heißt.

Schwere Repressionen gegenüber Christen werden auch aus Indien gemeldet. Dort schaue der von Hindu-Nationalisten dominierte Staat "einer weiter angestiegenen Zahl von Übergriffen gegen Kirchen und Pastoren" weitgehend tatenlos zu. Deshalb erhielt Indien im Open-Doors-Punktesystem, bei dem Repressionen in verschiedenen gesellschaftlichen und privaten Bereichen erfasst werden, eine so hohe Bewertung, dass Indien erstmals unter die 20 Staaten mit der heftigsten Christenverfolgung gelange. Zu den Top 20 zählt ebenfalls das mehrheitlich buddhistische Vietnam.

Hauptbedrohung sind islamistische Kalifate

Doch ansonsten ist es ein staatlich vorgeschriebener oder von Milizen und Terrorbanden propagierter Islam, unter dem Christen am meisten zu leiden haben. Die aktuell größte Bedrohung gehe dabei von "islamisch-extremistischen Kalifaten" nach Art des sogenannten Islamischen Staates (IS) aus, deren Gewaltexzesse nach Syrien und dem Irak nun auch Libyen erfassen.

Dem IS-Modell zuzurechnen seien weiterhin afrikanische Terrormilizen in Nigeria, Niger, dem Tschad und Somalia. Bedroht werde von ihnen zudem Kenia, das noch zwar mehrheitlich christlich ist, aber von Open Doors wegen zahlreicher islamistischer Gewalttaten ebenfalls zu den 20 Ländern mit der stärksten Christenverfolgung gezählt wird. Extremstes Beispiel in Kenia sei der Überfall bewaffneter Islamisten auf rund 700 Studenten im April 2015 gewesen, wo "Muslime und Christen sorgfältig voneinander getrennt" und dann 148 Christen ermordet worden seien.

(Foto: Infografik Die Welt)

Ähnlich bedrohlich seien für Christen ein islamisch geprägtes "Stammesdenken" wie in Afghanistan und Pakistan, wo Christen überdies einer ausufernden organisierten Kriminalität völlig schutzlos ausgeliefert seien. Zu leiden hätten in diesen Ländern vor allem jene, die vom Islam enttäuscht sind und deshalb zum Christentum übertreten.

Solche Konvertiten würden auch vom staatlichen Islamismus des Iran und vom antichristlichen Gewaltregime Eritreas besonders bedroht. Die Regierung dieses ostafrikanischen Landes sei dabei "auch ein Komplize der Christenverfolger außerhalb Eritreas", weil das Regime "Mittel und Methoden der Verfolgung" an Extremisten jenseits der Grenzen weitergebe.

Der Trick mit Geschenken für den Pastor

Über ein vergleichsweise neues Repressionsverfahren gegenüber Christen berichtet Open Doors aus zentralasiatischen Ländern wie Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan. Die autoritären Regierungen dieser Länder hätten "die Überwachung in allen Bereichen des kirchlichen Lebens ausgeweitet". Und zwar paradoxerweise deshalb, weil sie "angesichts des islamischen Extremismus besorgt" seien und deshalb alle Religionen unter Kuratel stellen.

Hierbei würden hinterhältige Tricks angewandt: "So kann es vorkommen, dass ein bekannter Pastor plötzlich und ohne jede Erklärung ein Haus oder ein Luxusauto geschenkt bekommt. Er selbst weiß nicht, woher das Geschenk kommt. Dabei ist eine Gabe des Staates mit dem Ziel verbunden, Verdächtigungen und Misstrauen in seiner Gemeinde zu säen, der Pastor könne korrumpiert worden sein."

Das Beispiel zeigt, dass Open Doors in dem Index nicht nur direkte Gewalt ("smash") erfasst, sondern auch sozialen, politischen und wirtschaftlichen Druck ("squeeze"), durch den christliches Leben erschwert und verhindert werde. Hierzu gehören Enteignungen christlicher Gemeinden, die systematische Ausgrenzung von Konvertiten, das Verbot von öffentlichen Bekenntnissen oder auch Vertreibungen von Christen aus bestimmten Gebieten wie etwa in Nigeria und dem Sudan.

Das Ausmaß der Gewalt und des Drucks versucht die Organisation anhand eines Punktesystems auf einer Skala von null bis 100 zu klassifizieren. Die Organisation stützt sich dabei sowohl auf allgemein zugängliche Berichte als auch auf eigene Recherchen bei Gemeinden und Gewährsleuten, wobei auch standardisierte Fragebögen genutzt werden.

Die Auswertung ergab laut Open Doors, dass sich "die Verfolgung von Christen auf allen Kontinenten verstärkt" und die Durchschnittszahl der Punkte insgesamt erhöht habe. "Weit mehr als 100 Millionen Christen", so der Bericht, "werden aufgrund ihres Glaubens verfolgt."

Die Studie hat Schwachstellen

Wegen solcher Zahlenangaben ist der Weltverfolgungsindex in den vergangenen Jahren mehrfach kritisiert worden. So haben auch die beiden großen Kirchen angemerkt, dass sich die Daten von Open Doors in dieser Konkretheit nicht verifizieren lassen.

Zu den Schwachstellen gehört weiterhin, dass es auch in diesem Jahr unter "Christenverfolgung" subsumiert wird, wenn in Kolumbien und Mexiko Kirchengemeinden von Drogenkartellen bedrängt oder erpresst werden. Gewalt gegen den Glauben als solchen dürfte dies in der Regel nicht sein, sondern Gewalt gegen alle, die sich der Macht der Kartelle widersetzen.

Da solchen Widerstand in Lateinamerika aber auch Nichtchristen leisten, müsste man hier von einer Verfolgung aller Gegner der organisierten Kriminalität sprechen. Kritisch anzumerken ist zudem, dass der Index auch innerchristliche Auseinandersetzungen erfasst, also von Christenverfolgung spricht, wenn es etwa in Afrika Konflikte zwischen traditionellen koptischen Kirchen und freikirchlichen Pfingstlern gibt.

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