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"Global Risk Report" des Weltwirtschaftsforums Nichts fürchtet die Wirtschaft mehr als Flüchtlinge

Die Millionen Flüchtlinge sind derzeit laut dem "Global Risk Report" des Weltwirtschaftsforums die derzeit größte Gefahr für die Welt. Langfristig dürfte ein anderes Problem noch drängender werden.

Fast 60 Millionen Menschen befinden sich weltweit auf der Flucht vor Kriegen, Terror oder Verfolgung. Die Folgen dieser massenhaften Migration von Flüchtlingen insbesondere aus dem arabischen Raum und Teilen Afrikas bekommen Europa und Deutschland derzeit besonders zu spüren. Entsprechend groß ist die Sorge, dass die Folgen von Massenflucht und Massenzuwanderung die Weltgemeinschaft in den kommenden eineinhalb Jahren so stark herausfordern werden wie kein anderes globales Problem. Das geht aus dem aktuellen "Global Risk Report" hervor, den das Schweizer Weltwirtschaftsforum (WEF) jetzt vorgelegt hat.

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Demnach halten die 750 befragten WEF-Mitglieder die massenhafte, unfreiwillige Migration für das größte Risiko weltweit: Kein anderes Ereignis, von möglichen Naturkatastrophen bis hin zu einem weiteren schweren Schock bei den Energiepreisen, halten sie für wahrscheinlicher als die Fortsetzung des Massenexodus. Kaum einem anderen Ereignis trauen sie zudem einen so großen Einfluss auf das Weltgeschehen zu.

Danach gefragt, welches globale Risiko ihnen mit Blick auf die kommenden 18 Monate die größten Sorgen bereite, wählten 52 Prozent der Befragten die weltweiten Flüchtlingsbewegungen. Mit weitem Abstand dahinter folgen die Gefahr von Staatskrisen und Staatszusammenbrüchen (27,9 Prozent) sowie drohende Konflikte zwischen Staaten (26,3 Prozent).

(Foto: Infografik Die Welt)

Konflikte dauern länger

An Brisanz gewinnt das Problem Massenflucht noch dadurch, dass sich aus Sicht des WEF in den vergangenen Jahren drei entscheidende Faktoren verändert haben, die das Risiko sogar noch verstärken. So dauerten die geopolitischen Konflikte mittlerweile länger als in der Vergangenheit, was dazu führe, dass die Menschen deutlich länger in anderen Staaten Zuflucht suchten als zuvor.

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Das Video ist ab So, 4.9.2016, 20:05 Uhr verfügbar.

 

Mehr als 80 Prozent der Konflikte hielten bereits seit mehr als zehn Jahren an. Gleichzeitig sei die durchschnittliche Verweildauer von Flüchtlingen in Zufluchtsländern seit den Achtzigerjahren von neun auf mittlerweile 20 Jahre gestiegen: "Je länger die Menschen ihrer Heimat fernbleiben, desto schwieriger wird es zurückzukehren", heißt es in dem Report.

Wenn gleichzeitig die Integration versage, vergrößere sich die Gefahr einer Gettoisierung der Migranten in den Zufluchtsländern. "In Europa hat der rasante Zustrom von Migranten im Jahr 2015 die finanziellen und bürokratischen Aufnahmekapazitäten herausgefordert und die Polarisierung der Gesellschaft verschärft", warnen die Experten.

Zudem sei die Weltgemeinschaft auch humanitär schlecht auf die Herausforderung durch die millionenfache Flucht vorbereitet. Viele Nachbarstaaten Syriens etwa hätten bisher nicht einmal die Genfer Flüchtlingskonventionen unterzeichnet, was die Situation der Flüchtlinge erschwere. Darüber hinaus habe die Mehrzahl der Flüchtlinge in anderen Schwellen- und Entwicklungsländern Zuflucht gefunden, die für diese Aufgabe denkbar schlecht gerüstet seien.

Nach Schätzungen der UN summieren sich allein die Kosten für die Unterbringung der syrischen Flüchtlinge in Jordanien auf sieben Prozent des dortigen Bruttoinlandsprodukts. Der drohende Rückgang beim weltweiten Wirtschaftswachstum könnte die Aufnahmekapazitäten vieler Länder noch weiter begrenzen oder erschweren.

(Foto: Infografik Die Welt)

Problem Klimawandel

Während die Massenflucht und ihre Ursachen und Folgen die Risikorangliste für die nächsten ein bis zwei Jahre anführen, rücken für die Befragten des WEF auf die lange Frist – also bezogen auf einen Zeithorizont von zehn Jahren – vor allem Umweltprobleme in den Vordergrund. Demnach machen sich fast 40 Prozent der Teilnehmer große Sorgen über das Risiko möglicher Wasserkrisen in zehn Jahren, dicht gefolgt von dem Risiko, dass die Welt sich nicht schnell genug an den Klimawandel anpassen kann (36,7 Prozent), oder dem Risiko extremer Wetterphänomene (26,5 Prozent).

Für die Mehrzahl der Befragten ist der Klimawandel sogar das Risiko mit dem potenziell größten negativen Einfluss auf die Weltgemeinschaft, noch vor den Gefahren, die von den Massenvernichtungswaffen weltweit ausgehen. Auffällig ist dabei auch: Anders als in den vorangegangenen Jahren hat sich die Risikowahrnehmung der Teilnehmer deutlich verschoben.

Während in den Jahren 2007 bis 2014 vor allem Vermögenspreisblasen und Finanzkrisen die Rangliste der globalen Risiken anführten, sind mit der Gefahr einer Wasserknappheit in Teilen der Welt und der Gefahr, den Klimawandel nicht in den Griff zu bekommen, gleich zwei Umweltthemen an die Spitze gerückt.

Auftakt zu Davos

Aufschlussreich ist auch das Umfrageergebnis zu den größten Risiken speziell für die Wirtschaftswelt. Demnach stellen aus Sicht der Teilnehmer Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in etwa der Hälfte der insgesamt 140 betrachteten Länder das größte Risiko für das wirtschaftliche Wohlergehen in der Zukunft dar, dicht gefolgt von der Gefahr eines weiteren Energiepreisschocks. In Europa bleiben vor allem Finanzkrisen und Arbeitslosigkeit aus Sicht der Befragten die beiden dominierenden Risiken für die Wirtschaftswelt und die Geschäftsmöglichkeiten der Zukunft.

Der "Global Risk Report" wird seit 2006 einmal jährlich vom WEF veröffentlicht. Der Bericht bildet so etwas wie den Auftakt zu dem traditionellen Gipfeltreffen des von WEF-Gründer Klaus Schwab seit 1971 veranstalteten Weltwirtschaftsforums in den Schweizer Alpen. Ab der kommenden Woche wollen mehr als 40 Staats- und Regierungschefs in Davos nach Auswegen aus der Flüchtlingskrise, der terroristischen Bedrohung und weiteren globalen Problemen suchen.

Insgesamt werden diesmal mehr als 2500 Teilnehmer aus über 100 Ländern erwartet. Höchster Repräsentant Deutschlands wird Bundespräsident Joachim Gauck sein. Zur Regierungsdelegation aus Berlin gehören unter anderen Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).An der Grenze - 24 Stunden an den Brennpunkten der Flüchtlingskrise

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