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Spanischer Erzbischof "Frauen sind selbst schuld, wenn sie misshandelt werden"

Frauen, die misshandelt werden, seien selbst schuld - mit dieser Aussage sorgt ein spanischer Erzbischof für Entrüstung. In dem Land ist ein Kampf gegen eine tödliche "Machokultur" entbrannt.

Am Mittwoch dieser Woche erschoss ein 59-jähriger Mann in der katalanischen Ortschaft Vila-seca seine ehemalige Lebenspartnerin auf offener Straße. Die 43-Jährige, die sich von ihrem Mann trennen wollte, war bereits das dritte Opfer häuslicher Gewalt in diesem Jahr in Spanien.

Politiker aller Parteien verurteilten das Verbrechen und die anhaltende Gewalt gegen Frauen. Spaniens sozialistischer Oppositionsführer (PSOE), Pedro Sanchez, rief mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen mit der linken Podemos-Partei zu einem "großen Staatspakt" gegen häusliche Gewalt auf.

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Das Thema häusliche Gewalt und ihr mutmaßlicher Ursprung in der spanischen Machokultur beherrscht die öffentliche Debatte seit Wochen. Angeheizt hatte die Diskussion zuletzt eine polemische Äußerungen des Erzbischofs von Toledo, Braulio Rodriguez Plaza. Frauen seien selbst schuld, wenn sie von ihren Männern körperlich misshandelt würden.

Erzbischof Braulio Rodriguez Plaza. (Foto: Conferenzia Episcopal Espanola/www.conferenciaepiscopal.es)

Häusliche Gewalt habe ihren Ursprung darin, dass Frauen ihren Männern nicht gehorchten oder gar um eine Scheidung bäten, erklärte der Erzbischof in einer Predigt. "Frauen können verhindern, dass sie geschlagen werden, indem sie einfach das tun, was die Männer von ihnen verlangen", erklärte der Geistliche und löste damit einen Sturm der Entrüstung in den sozialen Medien aus.

Bereits im Wahlkampf vor den spanischen Parlamentswahlen vom 20. Dezember stand das Problem der Gewalt gegen Frauen auf der Agenda, nachdem im November eine halbe Million Menschen in Madrid gegen häusliche Gewalt protestiert hatten. Die Demonstranten forderten vom Staat mehr Einsatz bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, wirksamere Gesetzen und Maßnahmen zur Unterstützung von Opfern und deren Kindern. Zur Teilnahme an dem "Marsch gegen sexistische Gewalt" hatten Dutzende Frauen-Gruppen aufgerufen.

1300 Todesopfer in den vergangenen 20 Jahren

Ihren Angaben zufolge forderte die Gewalt gegen Frauen in Spanien in den vergangenen 20 Jahren mehr als 1.300 Opfer. Das Problem der von der "Machokultur" geförderten Gewalt werde nicht kleiner. "Machismus tötet! Wir dürfen kein einziges Opfer mehr zulassen. Basta!", forderte damals etwa die Protest-Rednerin Angela Gonzalez, deren Tochter vom Ehemann getötet worden war.

Offiziellen Angaben zufolge starben im vergangenen Jahr 56 Frauen in Spanien durch die Hand ihrer Partner oder Ex-Partner, zwei mehr als im Vorjahr. Die meisten Opfer stammten mit 13 ermordeten Frauen aus dem südlichen Andalusien. Dort kündigte die sozialistische Regierungschefin Susana Diaz bereits in ihrer Neujahrsansprache an, den Kampf gegen Gewalt zu verstärken.

"Wir müssen der sexistischen Gewalt in Spanien endlich ein Ende setzen", forderte vergangene Woche auch Spaniens konservativer Minister für Gesundheit und Soziales, Alfonso Alonso, bei der Vorstellung einer neuen Kampagne gegen häusliche Gewalt mit dem Titel "Es gibt einen Ausweg". Frauen sollen dadurch bestärkt werden, ihre Peiniger anzuzeigen.

Frühere Kampagnen erzielten große Erfolge: Im vergangenen Jahr gingen bei der Notrufnummer für bedrohte Frauen 81.992 Anrufe ein. Ein historischer Rekord seit der Einführung der Servicenummer im Jahr 2007, der zeige, dass die Gesellschaft für das Thema sensibilisiert sei und Frauen sich vermehrt trauten, gegen brutale Männer vorzugehen, so Sozialminister Alonso.

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