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Flüchtlingsbus in Berlin Am Ende bezahlt der Protest-Landrat die Pension

Aus Protest fährt ein bayrischer Landrat mit 31 Flüchtlingen bis vors Kanzleramt. Doch in Berlin empfangen ihn Zustände, die er so nicht erwartet hat. Es gibt nicht einmal Betten für die Reisenden.

Als der Reisebus aus Niederbayern am Reichstag vorbeifährt und Richtung Kanzleramt abbiegt, setzt der Protestchor ein. "Merkel muss weg!", rufen sie. Es sind nur eine Hand voll Berliner Bürger, die sich am Donnerstagabend zwischen die Reporter gemischt haben, aber sie sind laut. Neben dem Kanzleramt warten sie auf 31 Flüchtlinge und einen aufmüpfigen Landrat.

Peter Dreier aus Landshut ist gekommen, um der Kanzlerin Grenzen zu setzen. Ganz pragmatisch. Er bringt ihr Syrer, die er in seinem Landkreis nicht mehr anständig unterbringen kann. Direkt vor die Amtstore.

Der 49-jährige Kommunalpolitiker ist Mitglied der Freien Wähler. Er trägt Trachtenjanker und rote Krawatte. Als er aus dem Bus steigt, wird er von Kameraleuten bestürmt und vom Protestchor bejubelt. "Dreier, Dreier", rufen sie, und "Landshut, Landshut".

Fahnen von Deutschland und Israel hatten Demonstranten in den Händen, um die Flüchtlinge am Kanzleramt zu "empfangen". (Foto: DPA)

Unterwegs habe er mit dem Bundeskanzleramt telefoniert, sagt Dreier. Man habe ihm versichert, dass eine menschenwürdige Unterkunft organisiert werde. Doch jetzt müsse er feststellen, dass Berlin seinen Syrern nur eine "Not-Not-Unterkunft" angeboten werde. "Das zeigt doch: Diese Flüchtlingspolitik ist gescheitert."

Im Oktober hatte er die Aktion bereits angekündigt, Angela Merkel rief ihn daraufhin sogar an. Doch abbringen ließ er sich nicht. Am Donnerstagvormittag fuhr der Bus in Landshut los. Und er mit dem Auto hinterher.

Aus dem Kanzleramt lässt sich niemand blicken

Vor dem Kanzleramt wartet der Bus nun mit laufendem Motor neben einem zweiten. Der ist leer und trägt die Werbeaufschrift "Welcome in Berlin". Doch einsteigen will offenbar niemand. Im Bus nebenan wird telefoniert und diskutiert. Mehr als anderthalb Stunden lang. Manche der Flüchtlinge schauen mit großen Augen durch die Windschutzscheibe. Einer kommt zwischendurch raus, um eine Zigarette zu rauchen. Abgeschirmt durch Polizisten, im schmalen Korridor zwischen den beiden Bussen.

Es ist kalt und die wartenden Protestbürger geben den wartenden Reportern Interviews. "Ich habe nichts mit Pegida zu tun, ich bin kein Nazi", sagt einer von ihnen. Der Mann hält eine Israel-Flagge in der Hand. "Wenn es so weitergeht, werden wir Juden und Christen in 20 Jahren selbst Flüchtlinge sein. Davor habe ich Angst. Ich habe einfach nur Angst." Ein Kamerateam von "Russia Today" interessiert sich für ihn. Also wiederholt er das ganze nochmal auf Englisch.

Vertreter des Berliner Senats sind im Bus, versuchen mit dem Landrat und seinen Mitarbeitern eine Lösung zu finden. Aus dem Kanzleramt lässt sich niemand blicken. Peter Dreier ärgert sich darüber und wirft der Bundesregierung vor, sie versuche das Flüchtlingsproblem durch Ignoranz zu lösen. Wobei eben auch in Berlin nicht der Bund sondern das Land für die Unterbringung zuständig ist - und damit ziemlich überfordert. Als "Entsolidarisierung" kritisiert der Regierende Bürgermeister Michael Müller das Vorgehen des Landrates.

Nach zwei Stunden scheint eine Lösung gefunden zu sein. Zumindest für eine Nacht. Die Syrer aus Landshut kommen erstmal in eine Pension. Peter Dreier verspricht, dies privat zu finanzieren. Danach sehe man weiter. Am Mittwochmorgen dann rollte der Bus wieder - zurück nach Bayern. An Bord sind diesmal 29 Flüchtlinge. Einer hatte sich entschieden, in Berlin zu bleiben, einer wollte weiter nach Bremen. Und die Stimmung? "Maßlos enttäuscht", so Dreie im SWRinfo.

 

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