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Unterbringung von Flüchtlingen Deutschland braucht ein Wohnungswunder

In Deutschland herrscht ein Mangel an günstigem Wohnraum. Die Flüchtlingskrise verschärft die Situation nochmals dramatisch. Experten sehen hauptsächlich die Politik in der Pflicht.

Die Mehrzahl der Flüchtlinge lebt zurzeit in provisorischen Erstunterkünften. Doch nach und nach versuchen Städte und Gemeinden, dauerhafte Bleiben zu finden oder neu zu bauen. Reiner Braun, Vorstand des Marktforschungsunternehmens Empirica in Berlin, hält diese Aufgabe für lösbar – zumindest wenn jedes Jahr Zehntausende neue Wohnungen gebaut werden, zusätzlich zum ohnehin bestehenden Neubaubedarf. Und wenn außerdem viele Flüchtlinge aufs Land umsiedeln. Denn die meisten Menschen sind zurzeit in Ballungszentren untergebracht.

Einer aktuellen Empirica-Prognose zufolge werden Ende 2019 rund 1,5 Millionen Flüchtlinge ein Bleiberecht in Deutschland haben. In dieser Zahl seien Rückkehrer, Ausweisungen und ein Abschwellen der Flüchtlingswelle berücksichtigt. Die Wohnungsnachfrage steige bis 2020 damit deutschlandweit um zusätzlich 656.000 Wohnungen.

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Empirica-Vorstand Braun ist dennoch optimistisch. Im Gegensatz zu anderen Wohnungsmarkt-Experten geht er davon aus, dass ein guter Teil der bleibenden Flüchtlinge in bestehenden Wohnungen untergebracht werden kann: "43 Prozent der Zusatznachfrage durch Flüchtlinge kann mit leer stehenden Wohnungen befriedigt werden", sagt Braun.

Und diese leeren Wohnungen befinden sich größtenteils in ländlichen Regionen. Berücksichtige man eine Umsiedlung dorthin, müssten bis einschließlich 2020 jedes Jahr rund 75.000 Wohnungen zusätzlich extra für Flüchtlinge neu gebaut werden. Zusammen mit dem ohnehin bestehenden Bedarf in Deutschland wären das 373.000 Wohneinheiten.

Viel zu wenige günstige Wohnungen

Selbst von dieser niedrigen Annahme, die von optimaler Umsiedlung in leere Wohnungen ausgeht, ist die Bau-Realität jedoch noch weit entfernt. Trifft die Prognose des Deutschen Baugewerbes zu, wurden im vergangenen Jahr lediglich 235.000 Wohnungen neu gebaut. Bleibt die Neubauquote so niedrig, fehlen jedes Jahr 150.000 neue Wohnungen. Vor allem im Niedrigpreissegment entsteht viel zu wenig Wohnraum.

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Die Wohnungsknappheit vor allem in den Ballungszentren dürfte also noch zunehmen. Das prognostizierte vor wenigen Tagen auch die Unternehmensberatung EY. In einer Befragung sagten 80 Prozent der Wohnungsmarkt-Investoren, dass die Preise in den stark nachgefragten, zentralen Lagen in den Top-7-Städten überhitzen werden.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigte sich in einer ähnlichen Prognose im Dezember vergangenen Jahres auch deutlich skeptischer als die Empirica-Forscher. Die Kölner Experten gingen von jährlich 800.000 Zuwanderern aus, ohne nennenswerte Abschiebe- oder Rückkehrer-Quote, und errechneten einen Neubaubedarf von jährlich 430.000 Wohnungen.

Ohnehin geht die Empirica-Prognose nur dann auf, wenn tatsächlich viele Flüchtlinge von den Ballungszentren aufs Land umgesiedelt werden. "Das geht nur mit dem Instrument der Wohnortzuweisung", sagt Braun. Viele Marktexperten sind hier skeptisch. Denn gerade dort, wo der Wohnungsleerstand hoch, ist sei auch die Wirtschaft schwach, und es gebe wenig Jobs für Flüchtlinge.

Bei 800.000 Flüchtlingen fehlen jedes Jahr fast 140.000 Wohnungen. Experten kritisierten die Prognose des IW als zu pessimistisch. (Foto: dpa, Infografik Die Welt)

Hilfsarbeiter auf dem Land stark gefragt?

Braun widerspricht. In einer aktuellen Untersuchung erforscht das Empirica-Institut, wie viele Jobs mit einfacher Qualifikationsvoraussetzung in Gebieten mit hohem Wohnungsleerstand angeboten werden. Noch liegen die Ergebnisse nicht vor, doch es zeichne sich bereits ab: "Es gibt Leerstandsregionen, in denen es viele offene Stellen für sogenannte Helfer gibt. Zum Beispiel in Thüringen", sagt Braun. Würden Flüchtlinge dauerhaft in solchen Gebieten angesiedelt, gehe der Leerstand zurück und gleichzeitig werde die Nachfrage nach niedrig qualifizierten Arbeitskräften befriedigt.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hält das Instrument der Wohnortzuweisung für sinnvoll, allerdings nur eingebettet in ein Gesamtkonzept: "Flüchtlinge sollte man nur dorthin schicken, wo eine entsprechende Qualifikation auch benötigt wird", sagt eine Sprecherin. Das erfordere eine genaue Marktkenntnis bei der Verteilung, aber auch die verbindliche Mithilfe der betreffenden Personen.

"Das ist eine Art Tauschgeschäft: Die Gemeinde und die Jobcenter helfen bei der Arbeitsplatzsuche und Qualifizierung, die Zuwanderer halten sich im Gegenzug an die Residenzpflicht", heißt es. Beides sei allerdings auch nur dann realistisch, wenn der Bund finanzielle Unterstützung leiste, etwa über die Bundesagentur für Arbeit. Die Kommunen allein wären mit dieser Integrationsaufgabe überfordert.

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