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Image-Offensive Übergriffe? Kölns Polizei redet lieber über Diebe

Nach ihrem Versagen an Silvester kämpft Kölns Polizei um ein besseres Image: Sie informiert über Erfolge im Kampf gegen Taschendiebe. Doch das Thema sexuelle Übergriffe bleibt präsent.

Köln und die Folgen: Vor einer Woche wurde Polizeipräsident Wolfgang Albers (SPD) in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Die Leiterin der Pressestelle räumte etwas später ebenfalls ihren Posten. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat der Führung öffentlich ein desaströses Zeugnis ausgestellt. Er kritisierte Fehler bei Einsatzverhalten und Kommunikation.

Von alldem ist an diesem Freitag keine Rede auf der Pressekonferenz der Kölner Polizei. Man denkt natürlich an die massenhaften sexuellen Übergriffe und Diebstähle am Hauptbahnhof in der Nacht auf Neujahr. Doch ein Sprecher betont zu Beginn, dass keine Fragen dazu beantwortet würden. Stattdessen informiert die Kölner Polizei über Diebstähle und dabei speziell über nordafrikanische Tatverdächtige.

Der Versuch ein positives Bild zu verbreiten

Albers ist also weg. Michael Temme ist noch da. Er ist der Leitende Polizeidirektor für Gefahrenabwehr bei der Polizei Köln. Man erkennt den Mann mit dem eisgrauen Schnurrbart und der Brille mittlerweile sofort. Er ist neben Albers das zweite Gesicht der Kölner Polizei. Temme hatte in der ersten Woche nach den Silvester-Übergriffen in Pressekonferenzen neben Albers gesessen und ihm als Fachmann für Details geholfen. Er hat die gleiche Sichtweise vertreten, die Albers zum Verhängnis wurde. Doch Temme darf bleiben.

Man erlebt an diesem Tag, wie die Polizeiführung versucht, nach dem Silvester-Desaster ein positives Bild von sich zu verbreiten. Der Leitende Kriminaldirektor Norbert Wagner ist besonders fleißig. Im März ist eine große Pressekonferenz zum Thema Kriminalität geplant. An diesem Freitag bietet Wagner schon einen Vorgeschmack darauf: Vielleicht habe seine Behörde eine "Trendwende" erreicht. "Im März werde ich darstellen, dass ein deutlicher Rückgang bei Taschendiebstählen feststellbar ist."

Nordafrikaner oft Wiederholungstäter

Offenbar will die Kölner Polizei, dass sich die international beachtete Generalkritik von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und NRW-Innenminister Ralf Jäger an ihr nicht festsetzt. So erlebt man, wie fünf führende Beamte eine schwierige Lage bei der Kleinkriminalität wie Laden- und Taschendiebstahl sowie Straßenraub skizzieren – und dennoch den Eindruck vermitteln, man habe die Lage unter Kontrolle. Dabei können allein die Gesamtzahlen Sorgen wecke – zumal es noch eine Dunkelziffer geben dürfte, weil viele Delikte gar nicht zur Anzeige gebracht werden.

Einen konkreten Fahndungserfolg stellt Wagner vor: Die Zahl der in Köln ermittelten tatverdächtigen Taschendiebe ist 2015 auf etwa 50.000 gestiegen; das sind 3000 mehr als noch 2014. 60 Prozent sind Deutsche. Von den 40 Prozent Ausländern stammen 1800 Personen aus nordafrikanischen Staaten. Wagner nennt Ägypten, den Libanon, Libyen, Marokko und Tunesien. Die Polizei kann beziffern, wer innerhalb eines Jahres wieder straffällig wird: Syrer sind mit nur 0,58 Prozent vertreten, während Tatverdächtige aus Nordafrika mit 8,8 Prozent im Jahr 2014 und sogar mit mehr als zehn Prozent 2015 vertreten seien.

"Dort hat sich ganz erheblich etwas verändert", sagt Wagner. Die Entwicklung sei gerade im vergangenen Jahr "besonders rasant" gewesen. Seit zwei Jahren befassen sich Ermittler in einem "Analyseprojekt" intensiv mit der Entwicklung der Kleinkriminalität.

Keine "mafiose" Struktur – aber ein Diebesnetzwerk

Offenbar kann man nicht von festen Bandenstrukturen sprechen. Günther Korn, Leiter des Kommissariats Taschendiebstahl, betont, dass Täter sich immer wieder zusammentelefonierten. Man dürfe sich dahinter gleichwohl keine "mafiose" Struktur vorstellen, sagt Polizeidirektor Wagner. Alle Großstädte hätten solche Probleme.

Köln habe die bundesweit "stärkste Fachdienststelle" für den Bereich Taschendiebstahl, die über "beachtliches Renommee" verfüge. Wagner will auch hier ein positives Signal setzen: Man habe für den Bereich "genügend Personal". Er widerspricht auch der Darstellung eines Journalisten, der ihn damit konfrontiert, dass sich der einfache Streifenpolizist überfordert fühle.

Polizeidirektor Temme erklärt, dass die Belastung vor allem in Spätdiensten und Nächten "exorbitant" hoch sei. Nach einem solchen Einsatztag könne das Gefühl entstehen, dass es zu wenig Personal gebe. "Wenn man sich aber das Ganze anguckt, dann kann ich Ihnen sagen, dass meine Kollegen im Jahr um die 270.000 Einsätze insgesamt fahren im Stadtgebiet Köln und Leverkusen und dass wir, wenn ein Täter am Ort ist, unterhalb von 5.45 Minuten vor Ort sind. Das ist eine Superzahl." Zumindest im Bereich der Gefahrenabwehr zeige das, dass die Polizeistärke "ein Garant dafür ist, dass wir die öffentliche Sicherheit unter Kontrolle halten".

Mehr Polizeipräsenz auf dem Kölner Karneval

Diese Einschätzung bildet in Anbetracht des Silvester-Desasters einen Kontrast, zumal der NRW-Innenminister noch betont hatte, dass die Polizei beim Einsatz zur Jahreswende zu schwach aufgestellt gewesen sei. Temme kündigt noch an, man werde an Karneval "deutlich mehr machen als in den vergangenen Jahren. Wir werden unsererseits alles tun, dass die Jecken in Köln einen friedlichen und schönen Karneval feiern können."

Und als Temme gefragt wird, wie selbstkritisch er sein müsse, weil er ja die Silvester-Übergriffe ähnlich wie der geschasste Polizeichef dargestellt habe, entgegnet er unverdrossen. "Dann ist für mich wie alle damals im Einsatz befindlichen Kollegen vollständig klar, dass wir sehr unzufrieden mit dem sind, weil wir nicht haben helfen können." Er versichere, dass alle Einsatzbereiche "sehr selbstkritisch" angesehen würden. "Es wird keine dunklen Flecken geben, die nicht betrachtet werden. Wir werden alles ansehen und unsere Lehren daraus ziehen."

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