Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Vorwahlkampf der Demokraten Beim Thema Waffen fliegen die Fetzen

Beim letzten TV-Duell der demokratischen Präsidentschaftsbewerber attackierten sich Hillary Clinton und Bernie Sanders heftig. Nicht nur Waffen erhitzten die Gemüter – auch die Kankenversicherung.

Nach Ansicht der Politik-Analysten hätte das Rennen bei den Demokraten längst für Hillary Clinton entschieden sein sollen. Doch in einer Wahlperiode, die sehr viele alte Gewissheiten über Bord geworfen hat, scheint auch die zu wackeln, wonach ein selbst erklärter Sozialist wie Bernie Sanders nicht Kandidat einer der großen Parteien sein kann.

Im ersten Vorwahlstaat Iowa liegt Clinton nur knapp vor Sanders, in New Hampshire führt der Altrevoluzzer sogar. Clinton musste also zum Angriff übergehen bei der letzten TV-Debatte vor dem Beginn der Vorwahlen.

Clinton punktet bei Waffengesetzen

Und der Abend begann gut für Hillary, weil die Moderatoren von NBC ihr mundgerecht eine Frage zu schärferen Waffengesetzen servierten. Clinton warf Sanders vor, immer wieder für Gesetze gestimmt zu haben, die der Waffenlobby genutzt haben. Eine weiche Flanke von Sanders, der aus dem ländlichen Vermont stammt und bei dieser Frage auf seine Wählerschaft Rücksicht nehmen muss.

Sanders konterte damit, dass die Waffenlobby NRA ihm eine sehr schlechte, also waffenfeindliche Abstimmungsbilanz bescheinigt hatte und warf Clinton Unehrlichkeit vor bei der Darstellung seiner Positionen. Aber dieser Punkt ging eindeutig an Clinton.

Gesundheitsreform: ideologische Reinheit gegen Pragmatismus

Nach einem stolpernden Anfang kam Sanders jedoch richtig in Fahrt, etwa beim Thema Gesundheitsreform. Er pries zwar das von Präsident Barack Obama erreichte Versicherungsgesetz, plädierte aber für eine weit umwälzendere Reform, die Abschaffung der privaten Krankenversicherung und die Einführung eines universellen, staatlich regulierten Versicherungssystems für alle Bürger.

Clinton hingegen verteidigte das bisher erreichte und warnte scharf davor, noch einmal von Null anzufangen und wieder in eine "kontroverse Debatte" einzusteigen. Sanders wies aber darauf hin, dass immer noch 29 Millionen Amerikaner nicht und zahlreiche weitere unterversichert seien. Clinton jedoch wollte schrittweise auf dem schon Erreichten aufbauen. Es war der klassische linke Streit zwischen ideologischer Reinheit und Pragmatismus.

Geld kauft Politik

Sanders schloss das Ganze ab mit seinem Lieblingsthema. "Wir haben einfach nicht den Mut, die Pharmaindustrie anzugreifen, die Geld in politische Kampagnen schleust." Das sei das eigentliche Thema, dass nämlich der US-Kongress vom Geld beherrscht werde und nicht die Interessen der Bürger vertrete.

Laut, gestikulierend und mit rauer Stimme intonierte Sanders das Kernthema seiner Kampagne. "Ich nehme kein Geld von großen Banken und ich bekomme keine persönlichen Redehonorare von Goldmann Sachs", griff er Clinton an und warf ihr vor, in einem Jahr 600.000 Dollar Redehonorare von den Investmentbankern bekommen zu haben. Clintons Verteidigungsversuche fielen wenig überzeugend aus.

Clinton nähert sich Obama an

Die Debatte fand in Charleston in South Carolina statt, einem Staat, in dem Schwarze einen wichtigen Teil der demokratischen Wählerschaft stellen. Bei ihnen kommt Sanders bisher nicht so gut an, und Clinton wollte ihren Vorsprung bei dieser Wählergruppe weiter ausbauen. Weshalb sie sich immer wieder demonstrativ hinter die Politik Obamas stellte, den Helden der amerikanischen Schwarzen.

Sie verteidigte Obamas Krankenversicherungsreform genauso wie seine Außenpolitik und warf Sanders vor, den Präsidenten mehrfach kritisiert zu haben – als hätte Clinton 2008 nicht selbst einst einen harten Wahlkampf gegen Obama geführt. Sie stellte sich genauso hinter Obamas Entscheidung, seine rote Linie in Sachen syrischem Chemiewaffeneinsatz nicht verteidigt zu haben, wie hinter den Irandeal.

Hillary bleibt in der Außenpolitik hart

Der Erfolg von Sanders hat Clinton gezwungen, immer weiter nach links zu schwenken, um die demokratische Basis zufriedenzustellen. In der Außenpolitik jedoch besteht sie noch am ehesten auf zentristische Akzente. Was die Entspannung mit dem Iran anbelangt, gab sie sich skeptischer als Sanders oder der selten zu Wort kommende Dritte im Bunde, Marylands Ex-Gouverneur Martin O'Malley. "Wir hatten einen guten Tag in 36 Jahren", sagte sie über Teheran, "aber wir brauchen mehr gute Tage, bevor wir schnell zu einer Normalisierung der Beziehungen übergehen".

Sie wandte sich auch gegen Sanders' Position, mit dem Iran gegen den IS zu kämpfen und sich danach erst mit Syriens brutalem Diktator Baschar al-Assad zu beschäftigen. Auf ihr Verhältnis zu Russlands Präsident Wladimir Putin angesprochen meinte Clinton ausweichend, es sei "interessant". Putin sei ein brutaler Kerl, dem man ständig Grenzen aufzeigen müsse. Und man müsse Europa drängen, sich stärker gegen Putin zu behaupten.

Was tun mit Bill?

Auf die Frage, welche Rolle ihr Mann im Weißen Haus spielen würde, ob er sie nur am Küchentisch beraten oder mehr tun werde, reagierte Hillary souverän. "Wir fangen erst mal am Küchentisch an und sehen dann, wo das hinführt", meinte sie und hatte die Lacher auf ihrer Seite. Sie könne sich aber vorstellen, ihren Mann durch das Land zu schicken, um die besten Ideen für ihre Politik zu sammeln.

Die Moderatoren wollten dann von Sanders wissen, wie er denn die sexuellen Eskapaden von Bill beurteile, die er in einem Interview als "bedauernswert" bezeichnet hatte. "Diese Frage ärgert mich", antwortete Sanders. Er habe das damals gesagt, weil er direkt danach gefragt worden sei, wolle aber nicht mit solchen Dingen Wahlkampf führen, sondern über Themen reden. Im Hintergrund sah man nur eine eifrig nickende Hillary, die erleichtert darüber schien, dass Sanders das Thema einfach abbügelte.

Gewinner und Verlierer

Hillary Clinton konnte bei den Waffengesetzen und in der Außenpolitik einige Punkte machen, aber insgesamt wirkte Bernie Sanders energiegeladener und authentischer. "Bestimmt, emphatisch, mit heiser werdender Stimme: Sanders debattiert wie ein Mann, der gerade erst zu sich selbst gesagt hat: warte mal, vielleicht kann ich das ja tatsächlich gewinnen" – so sah etwa "New York Times"-Kolumnist Frank Bruni den Auftritt des Herausforderers.

Hillary sei zwar unheimlich gut informiert, twitterte Brunis Kollege Nicholas Kristof, ebenfalls vom Hausblatt der Linksliberalen in den USA. Das Problem sei nur, dass sie für Kontinuität plädiere zu einer Zeit, in der sehr viele Leute sich nach Umwälzung sehnten. Sanders jedenfalls hat alles getan, um seine Chancen in Iowa und New Hampshire zu wahren. Der eindeutige Verlierer hingegen war Martin O'Malley, der auf nur die Hälfte der Redezeit der anderen beiden Kandidaten kam und von den NBC-Moderatoren wie ein ungebetener Gast behandelt wurde.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.
 
Donald Trump ist in der Forbes-Liste der Superreichen auf Rang 505 abgerutscht.
Neues Forbes-Ranking
Donald Trump verliert in einem Jahr 800 Millionen Dollar
An der Marienbrücke in Dresden ist eine Sprengsatz-Attrappe entdeckt worden.
Nach Bombenanschlägen in Dresden
Sprengsatz-Attrappe an Brücke entdeckt
Flüchtlinge im französischen Calais. Die Regierung will sie nun auf das ganze Land verteilen.
Flüchtlingsverteilung in Frankreich
"Wir wissen sehr gut, dass es Probleme mit solchen Leuten gibt"
Gedenkt der Nazi-Verbrechen in der Ukraine: Bundespräsident Joachim Gauck.
Gauck in Babi Jar
"Wir Deutschen sprechen von unermesslicher Schuld"
Jürgen Todenhöfer will in Syrien einen Kommandeur der Nusra-Front interviewt haben.
"Das alles ist ein Witz"
Große Zweifel an spektakulärem Todenhöfer-Interview
Ahmed al-Assiri berät den saudischen Verteidigungsminister.
Saudi-Arabien fordert Kurswechsel in Syrien
"Die Ursache für den IS sind die Gräuel des Regimes"
In Singapur leben mehrere Kulturen miteinander. Damit das so bleibt, sollen alle Bürger gemeinsam mit der Polizei gegen Terror kämpfen.
Angst vor Anschlag
Singapur bildet Bürger zu Antiterror-Kriegern aus
Flüchtlinge sollen in der Unterkunft in der Berliner Zobeltitschstraße in der Nacht zu Donnerstag rebelliert haben.
Aufstand in Flüchtlingsunterkunft
Asylbewerber stürmen Büro von Berliner Wachdienst
Teure Gesundheit: Privat Krankenversicherte müssen zum Jahreswechsel mit zum Teil zweistelligen Tariferhöhungen rechnen. Foto: Armin Weigel/Symbol
Auswirkungen der Niedrigzinsen
Zweistellige Tariferhöhung bei privaten Krankenversicherern
Beate Zschäpe wird in München der Prozess gemacht.
NSU-Prozess
Beate Zschäpe bricht ihr Schweigen
Die im vergangenen Jahr eingeführte bundesweite Maut-Erweiterung soll nach Aussage des Verkehrsministeriums rund 380 Millionen Euro Mehreinnahmen im Jahr einbringen.
"Gute Nachrichten"
EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Pkw-Maut
Eine schwedische Soldatin bei einer gemeinsamen Übung mit Russland. Die Wehrpflicht soll auch für Frauen gelten.
Comeback der Wehrpflicht
Schweden müssen wieder antreten - auch Frauen
Syriens UN-Botschafter Baschar al-Dschaafari.
Entsetzen über Video
Und der syrische UN-Botschafter lacht nur
Innerkoreanische Grenze bei Panmunjom: Einem Soldaten der nordkoreanischen Volksarmee soll die Flucht nach Südkorea gelungen sein. Foto: Song Kyeong-Seok/Archiv
Ungehindert durch Pufferzone
Südkorea: Nordkoreanischer Soldat schafft Flucht
Im Wagen des Angeklagten lagen Handgranaten, Schusswaffen, Munition sowie TNT-Sprengstoff samt Zünder. Foto: Polizeipräsidium Oberbayern Süd/Archiv
Mit Kalaschnikows nach Paris
Vier Jahre Haft für Waffenkurier
Feinstaub-Alarm in Stuttgart. Foto: Bernd Weißbrod/Archiv
"Raus aus der Dieselfalle"
Grüne wollen 2030 Ende für Verbrennungsmotoren
Beate Zschäpe meldet sich erstmals zu Wort
Nach drei Jahren
Zschäpe spricht zum ersten Mal im NSU-Prozess
In Darfur im Westsudan herrscht seit 13 Jahren Bürgerkrieg. Foto: Khales el Fiqi
Bürgerkrieg in Darfur
Amnesty: Sudan setzt Chemiewaffen gegen Bevölkerung ein
Israels Ehrengarde bringt den Sarg von Schimon Peres zum Parlament in Jerusalem.
Weißes Haus zum Tod des israelischen Altpräsidenten
Obama reist zu Beisetzung von Schimon Peres nach Jerusalem
Während der deutschen Besatzung von September 1941 bis November 1943 wurden in der «Weiberschlucht» bis zu 200.000 Menschen erschossen. Foto: Andreas Stein
Massaker in Babi Jar
Gauck sieht Nazi-Gräuel als Verpflichtung