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Islamische Republik Iran Wie der Buhmann zur Regionalmacht aufsteigt

Die Sanktionen sind gefallen und der Iran atmet auf. Israel fühlt sich weiterhin gefährdet, doch die Welt hat hohe Erwartungen an das persische Mullah-Regime.

Mit der Aufhebung der internationalen Sanktionen ist der Iran auf dem Weg zu einer anerkannten Regionalmacht. Das Ende der Isolation markiert auch eine neue Ära in den Beziehungen zu den USA, möglicherweise auf Kosten Saudi-Arabiens, dem anderen politischen und militärischen Schwergewicht und wichtigsten US-Verbündeten in der Region. Sowohl Feinde als auch Freunde des Iran werden sich darauf einstellen müssen, dass sich die Islamische Republik zu einem Machtfaktor im Nahen Osten entwickelt, der immer selbstbewusster auftritt.

Annäherung zu USA gefährdet Rolle Saudi-Arabiens

Die rasche Freilassung der in iranischen Gewässern festgenommenen US-Marinesoldaten vergangene Woche symbolisiert nach Ansicht des Nahostexperten Fawaz Gerges von der London School of Economics geradezu das neue Verhältnis zu den USA. Nach der islamischen Revolution 1979 versuchte der Iran wiederholt Gefangene einzusetzen, um Zugeständnisse des Westens zu erreichen. In Erinnerung ist vor allem die 444 Tage dauernde Festsetzung von 52 Geiseln aus der US-Botschaft in Teheran. Zugleich unterstützte der Iran Selbstmordanschläge auf westliche Botschaften und Soldaten im Libanon sowie die Entführung von Flugzeugen und von Ausländern aus dem Westen. All dies hat dem Iran viele Feinde in der Region und der Welt eingebracht.

Video: Ende der Iran-Sanktionen

 

Der Iran ist sehr "sexy"

Zwar ist die US-Regierung auch weiterhin alles andere als entzückt von den herrschenden Mullahs in Teheran und bekennt sich zur Allianz mit Saudi-Arabien. Aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich verfügt der Iran Gerges zufolge über eine große Anziehungskraft. Für Washington sei der Iran nicht mehr der Störenfried, sondern ein Staat, der eine positive Rolle bei der Stabilisierung der Region und der Krisenbewältigung spielen könne - insbesondere im Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS.

Der US-Verbündete Saudi-Arabien hingegen rückt von seinem Konfrontationskurs mit dem schiitischen Iran nicht ab. Die herrschenden sunnitischen Geistlichen der ultra-konservativen wahhabitischen Schule sehen in den Schiiten Ketzer - ähnlich wie der IS, der Schiiten als Götzendiener bezeichnet und vernichten will. Sorgen bereitet der saudiarabischen Führung die vom Iran gebildete schiitische Achse, die vom Irak über Syrien bis in den Libanon reicht. Der Iran stehe zudem hinter den Unruhen in Bahrain, wo die Schiiten die Bevölkerungsmehrheit stellen. Außerdem unterstütze Teheran den Aufstand der Schiiten-Miliz der Huthis im Jemen und stachele die schiitische Minderheit Saudi-Arabiens im Osten gegen die Regierung an.

Der libanesische Wissenschaftler Ali al-Amin vermutet hinter der Konfrontation Saudi-Arabiens mit dem Iran vor allem innenpolitische Motive in der Auseinandersetzung mit anderen sunnitischen Rivalen. Ziel sei der Schutz des Regimes und die Sammlung aller Sunniten hinter dem Königshaus.

Aufstrebender Iran sieht sich als Ordnungsfaktor

Doch erscheint Saudi-Arabien Gerges zufolge nach dem Führungswechsel in der Defensive und unberechenbar in seiner Politik. "Saudi-Arabien wird weitgehend als Land wahrgenommen, das eine chaotische, kontraproduktive Politik verfolgt", sagt der Wissenschaftler. Zudem werde der Wahhabismus als Ursache für die Erfolge von Al-Kaida und dem Islamischen Staat verantwortlich gemacht. Der Iran dagegen "sieht sich als aufstrebende Macht, die die Welt braucht".

Eine Macht, die jedoch ebenfalls vor noch ungelösten Problemen steht. Unklar ist, wie stark eine international wieder eingebundene Wirtschaft liberalisiert werden soll und was für politische Folgen eine solche Liberalisierung mit sich bringt. Vor allem aber muss sich Teheran Wertschätzung bei den Ländern im Nahen Osten erwerben. Die Erfolge in Staaten wie dem Libanon, dem Irak und Syrien hätten sich immer auf Konflikte und Brüche in den betroffenen Gesellschaften gegründet und seien nicht über Regierungsinstitutionen erreicht worden, sagt al-Amin. "Das iranische Projekt ist ohne Krise nicht überlebensfähig, eine Option für Stabilität durch zwischenstaatliche Bindungen gibt es nicht."

Iran muss sich Akzeptanz seiner Nachbarn sichern

Um von den arabischen Ländern als Regionalmacht anerkannt zu werden, wird vom Iran also Kompromissbereitschaft gefordert sein. Insbesondere wird er darauf verzichten müssen, sich so massiv wie bisher in die inneren Angelegenheit insbesondere im Irak, dem Libanon und in Syrien einzumischen.

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