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So sieht das Kalifat des Islamischen Staat wirklich aus In Rakka herrscht das Gesetz der Peitsche

Mit großen Versprechen rief der IS sein Kalifat aus. Manch einer glaubte daran. Flüchtlinge berichten nun, wie es wirklich ist. Einer von ihnen ist Mohammed. Bericht aus dem Innenleben des Kalifats.

Sie hängten ihn an den Armen auf und schlugen ihn. Immer wieder. Eines Tages unterbrachen sie die Prozedur in aller Hektik, hängten ihn ab und scheuchten ihn und andere Gefangene in den Waschraum. Von dort aus verfolgte der Syrer Mohammed Saad, wie ein hochrangiger muslimischer Geistlicher seine Peiniger von der Terrormiliz Islamischer Staat nach dem Wohlergehen der Gefangenen fragte.

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Kaum war der Kleriker gegangen, fing auch die Folter wieder an. Die Worte des Geistlichen waren den Terrorgehilfen nichts wert. Ebenso wenig wie die Verheißungen, mit denen der IS seine Herrschaft begründete. Noch vor zwei Jahren knüpfte so mancher Sunnit trotz aller Gräueltaten der Miliz die Hoffnung an den IS, dass mit ihm die Unterdrückung seitens des Regimes ein glückliches Ende finden würde.

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Die Propaganda der Dschihadisten versprach Gerechtigkeit durch die Scharia, Gleichheit, Almosen für die Armen, Wasser und Strom. Stattdessen haben die Islamisten in ihrem Kalifat Angst und Schrecken verbreitet. Viele Syrer, die wie Mohammed Saad vor kurzem dem IS entkamen, berichten von zunehmender Desillusionierung in der Bevölkerung.

"Sie haben sich fast alle zum Feind gemacht"

"Sie haben sich fast alle zum Feind gemacht", sagt der Aktivist Abu Salem aus der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur, der sich in die Türkei geflüchtet hat, im Gespräch mit einem AP-Reporter. 

"Sie sind eine kriminelle Bande, die tut, als ob sie einen Staat bilde", erklärt Mohammed Saad. "Das ganze Gerede über die Anwendung der Scharia und islamische Werte ist nur Propaganda. Bei Daisch geht es um Folter und Mord", sagt er und nutzt dabei wie viele seiner Landsleute die arabische Abkürzung für die sunnitische Terrorgruppe.

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Und wie die meisten Flüchtlinge, die der AP von Leid und Terror in Syrien berichten, will er nicht, dass mehr von ihm preisgegeben wird - aus Angst, der IS könnte sich an ihm oder seiner Familie rächen. In Palmyra traute sich Fatima kaum, den Mund aufzumachen. Der IS habe überall seine Spitzel gehabt, sagt die 33-Jährige. Wie unter dem Regime von Präsident Baschar al-Assad habe sie bei keinem, dem sie nicht voll vertraute, irgendwelche kritischen Töne anklingen lassen.

Kluft zwischen Propaganda und Wirklichkeit

Ein Schlaglicht auf die Kluft zwischen Propaganda und Wirklichkeit wirft ein zwölfseitiges Manifest des IS über sein Justizsystem. Darin werden Gerechtigkeit und Toleranz betont. Auch für die Religionspolizei Hisba gibt es genaue Vorgaben: Sie müsse ihre Aufgabe auf "behutsame und freundliche" Weise wahrnehmen, heißt es da. Die Flüchtlinge haben die Wahrer der Moral aber ganz anders erlebt.

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Wenn eine Frau in den Augen der Hisba nicht passend angezogen war, werde ihr Mann ausgepeitscht, sagt eine Frau aus Rakka. Selbst als ihre Nachbarin einmal den Müll hinausgestellt habe, ohne ihn richtig zu bedecken, sei ebenfalls der Mann mit Peitschenhieben bestraft worden.

"Gemäßigte Geistliche verschwinden oder werden getötet"

Abu Manaf aus Dair as-Sur hat mitbekommen, dass einige muslimische Geistliche innerhalb der Gruppe die Justizpraxis kritisierten. Sie hätten beispielsweise vorgebracht, dass Enthauptungen oder Steinigungen nur unter bestimmten Bedingungen angeordnet werden sollten. "Viele dieser gemäßigten Geistlichen verschwinden, werden getötet oder kommen für Verbrechen, die sie nicht begingen, ins Gefängnis", sagt Abu Manaf.

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Wer nicht aufbegehrt, kann nach den Erfahrungen der Flüchtlinge hingegen zumindest momentan mit attraktiven Anreizen rechnen. Häufig schlössen sicso-ist-der-islamische-staat-entstandenh junge Männer dem IS keineswegs aus Überzeugung an, sondern um der Armut zu entkommen oder um sich vor Anfeindungen der Terrormiliz zu schützen.

"IS-Mitglieder fahren Luxusautos" 

"Wer IS-Mitglied wird, steigt auf der gesellschaftlichen Leiter auf", sagt Hossam aus Rakka. "Daisch-Männer fahren Luxusautos und essen in den besten Restaurants." Und sie nehmen sich Frauen aus den von ihnen besetzten Ortschaften.

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Die Dschihadisten hätten immer wieder an die Tür ihres Elternhauses in Rakka geklopft und nach den Töchtern des Hauses gefragt, berichtet die 26-jährige Chatar, die zwei jüngere Schwestern in Syrien zurückgelassen hat. Ihr Vater sage immer, er habe keine unverheirateten Töchter. "Aber sie kommen immer wieder."

Video -So ist der Islamische Staat entstanden

 

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