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Übergriffe auf weibliche Flüchtlinge "Sie schlagen sogar kleine Kinder"

Menschenrechtsaktivisten, Polizei, Helfer und Minister: Sie mahnen seit langem mehr Schutz für weibliche Flüchtlinge an. Die Lage ist dringlich, wie ein Bericht von Amnesty International zeigt.

Halas Freundin ist in der Türkei geblieben. Die beiden jungen Frauen hatten Syrien gemeinsam verlassen, in der Türkei wurde das Geld knapp. "Der Assistent des Schleusers bot ihr an, Sex mit ihm zu haben", erzählt Hala - im Austausch für einen Platz auf einem Flüchtlingsboot. Die Freundin lehnte ab; bis heute konnte sie das Land nicht verlassen.

Laut einem am Montag vorgestellten Bericht von Amnesty International ist dies kein Einzelfall. Die Menschenrechtsorganisation hat 40 Frauen und Mädchen befragt, die in den vergangenen Monaten von der Türkei über Griechenland und den Balkan nach Nordeuropa geflüchtet sind. "Alle fühlten sich unterwegs unsicher und bedroht", heißt es. Viele Frauen hätten von Misshandlungen berichtet. In Griechenland und auf dem Balkan häufen sich demnach gewalttätige Übergriffe von Polizisten. "Sie schlagen sogar kleine Kinder", sagte die 16-jährige Maryam.

"In den Camps sind wir ständig gefährdet"

Auch andere Flüchtlinge und Wachleute werden demnach übergriffig. Mehrere Frauen berichteten von Erpressungsversuchen. Eine 22-jährige Irakerin erzählte von einem Deutschen in Sicherheitsuniform, der ihr Kleidungsstücke angeboten habe, wenn sie "Zeit mit ihm allein" verbringe.

In Griechenland, Ungarn oder Kroatien hätten sie teils im Freien geschlafen, berichteten mehrere Frauen, weil sie sich in den Unterkünften unter Hunderten Männern unsicher gefühlt hätten. "In den Camps sind wir ständig gefährdet, berührt zu werden", erklärte die Syrerin Reem. Die Frauen wollten keine Probleme verursachen, um ihre Weiterreise nicht zu gefährden - also beklagten sie sich nicht. Sie habe ihre Augen nur im Bus geschlossen.

Auch unter organisatorischen und baulichen Missständen leiden weibliche Flüchtlinge besonders. So fehlt es laut Amnesty für schwangere Frauen oder Mütter mit Kindern teils an medizinischer Versorgung, teils sind die Hygienestandards untragbar. "Ich hatte das Gefühl, sie lassen die Toiletten in diesem Zustand, damit wir leiden", sagte die schwangere Syrerin Rania, 19 Jahre alt. In Deutschland sind etwa 30 Prozent der Asylbewerber weiblich.

Verantwortung für geflüchtete Frauen in Deutschland

Das Deutsche Institut für Menschenrechte erklärte bereits im August, die Unterkünfte seien männlich dominiert. Rückzugsräume für alleinreisende Frauen und Mütter mit Kindern fehlten ebenso wie abschließbare Duschen und Waschräume. Zudem kritisierte das Institut damals, es gebe kaum ein Bewusstsein für das Problem. Zumindest letzteres hat sich verändert: Auf einer Tagung des Instituts in der vergangenen Woche betonten Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, beide SPD, die Verantwortung Deutschland für geflüchtete Frauen und Kinder.

Konkrete Abhilfe ist geplant: In Integrationskursen sollten Frauenrechte zum Schwerpunktthema werden, sagte Schwesig am Montag bei n-tv. Im Asylpaket II, das in dieser Woche verabschiedet wird, soll festgelegt werden, dass alle Mitarbeiter in Unterkünften ein polizeiliches Führungszeugnis brauchen. Auch können Kommunen ab März Gelder der staatlichen Förderbank KfW erhalten, wenn sie Flüchtlingsunterkünfte besonders auf die Bedürfnisse von Frauen und Kindern abstimmen.

Mehr zu dem Thema: "Einfach mal die Klappe halten"

Viele Helfer möchten einen Schritt weiter gehen. So forderte die Menschenrechtsorganisation Solwodi kurz vor Weihnachten eigene Unterkünfte nur für weibliche Flüchtlinge und deren Kinder. Die Einschätzung von Solwodi-Gründerin Lea Ackermann passt zum aktuellen Amnesty-Bericht: In den Beratungsstellen berichteten viele geflüchtete Frauen von Vergewaltigungen und Menschenhandel, sagte sie.

"Eine Schande", betonte Amnesty-Mitarbeiterin Tirana Hassan. Regierungen und Hilfsorganisationen gelinge es nicht, die grundlegende Sicherheit zu gewährleisten. Das Mindeste wären nach Geschlechtern getrennte, gut beleuchtete Sanitärräume sowie separate Schlafplätze. Missbrauch und Erpressung von Schleppern lasse sich durch sichere und legale Einreisewege unterbinden, so Hassan. "Für diejenigen, die keine andere Wahl haben, ist es inakzeptabel, auf dem Weg durch Europa weiterer Erniedrigung und Unsicherheit ausgesetzt zu sein."

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