Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Übergriffe auf weibliche Flüchtlinge "Sie schlagen sogar kleine Kinder"

Menschenrechtsaktivisten, Polizei, Helfer und Minister: Sie mahnen seit langem mehr Schutz für weibliche Flüchtlinge an. Die Lage ist dringlich, wie ein Bericht von Amnesty International zeigt.

Halas Freundin ist in der Türkei geblieben. Die beiden jungen Frauen hatten Syrien gemeinsam verlassen, in der Türkei wurde das Geld knapp. "Der Assistent des Schleusers bot ihr an, Sex mit ihm zu haben", erzählt Hala - im Austausch für einen Platz auf einem Flüchtlingsboot. Die Freundin lehnte ab; bis heute konnte sie das Land nicht verlassen.

Laut einem am Montag vorgestellten Bericht von Amnesty International ist dies kein Einzelfall. Die Menschenrechtsorganisation hat 40 Frauen und Mädchen befragt, die in den vergangenen Monaten von der Türkei über Griechenland und den Balkan nach Nordeuropa geflüchtet sind. "Alle fühlten sich unterwegs unsicher und bedroht", heißt es. Viele Frauen hätten von Misshandlungen berichtet. In Griechenland und auf dem Balkan häufen sich demnach gewalttätige Übergriffe von Polizisten. "Sie schlagen sogar kleine Kinder", sagte die 16-jährige Maryam.

"In den Camps sind wir ständig gefährdet"

Auch andere Flüchtlinge und Wachleute werden demnach übergriffig. Mehrere Frauen berichteten von Erpressungsversuchen. Eine 22-jährige Irakerin erzählte von einem Deutschen in Sicherheitsuniform, der ihr Kleidungsstücke angeboten habe, wenn sie "Zeit mit ihm allein" verbringe.

In Griechenland, Ungarn oder Kroatien hätten sie teils im Freien geschlafen, berichteten mehrere Frauen, weil sie sich in den Unterkünften unter Hunderten Männern unsicher gefühlt hätten. "In den Camps sind wir ständig gefährdet, berührt zu werden", erklärte die Syrerin Reem. Die Frauen wollten keine Probleme verursachen, um ihre Weiterreise nicht zu gefährden - also beklagten sie sich nicht. Sie habe ihre Augen nur im Bus geschlossen.

Auch unter organisatorischen und baulichen Missständen leiden weibliche Flüchtlinge besonders. So fehlt es laut Amnesty für schwangere Frauen oder Mütter mit Kindern teils an medizinischer Versorgung, teils sind die Hygienestandards untragbar. "Ich hatte das Gefühl, sie lassen die Toiletten in diesem Zustand, damit wir leiden", sagte die schwangere Syrerin Rania, 19 Jahre alt. In Deutschland sind etwa 30 Prozent der Asylbewerber weiblich.

Verantwortung für geflüchtete Frauen in Deutschland

Das Deutsche Institut für Menschenrechte erklärte bereits im August, die Unterkünfte seien männlich dominiert. Rückzugsräume für alleinreisende Frauen und Mütter mit Kindern fehlten ebenso wie abschließbare Duschen und Waschräume. Zudem kritisierte das Institut damals, es gebe kaum ein Bewusstsein für das Problem. Zumindest letzteres hat sich verändert: Auf einer Tagung des Instituts in der vergangenen Woche betonten Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, beide SPD, die Verantwortung Deutschland für geflüchtete Frauen und Kinder.

Konkrete Abhilfe ist geplant: In Integrationskursen sollten Frauenrechte zum Schwerpunktthema werden, sagte Schwesig am Montag bei n-tv. Im Asylpaket II, das in dieser Woche verabschiedet wird, soll festgelegt werden, dass alle Mitarbeiter in Unterkünften ein polizeiliches Führungszeugnis brauchen. Auch können Kommunen ab März Gelder der staatlichen Förderbank KfW erhalten, wenn sie Flüchtlingsunterkünfte besonders auf die Bedürfnisse von Frauen und Kindern abstimmen.

Mehr zu dem Thema: "Einfach mal die Klappe halten"

Viele Helfer möchten einen Schritt weiter gehen. So forderte die Menschenrechtsorganisation Solwodi kurz vor Weihnachten eigene Unterkünfte nur für weibliche Flüchtlinge und deren Kinder. Die Einschätzung von Solwodi-Gründerin Lea Ackermann passt zum aktuellen Amnesty-Bericht: In den Beratungsstellen berichteten viele geflüchtete Frauen von Vergewaltigungen und Menschenhandel, sagte sie.

"Eine Schande", betonte Amnesty-Mitarbeiterin Tirana Hassan. Regierungen und Hilfsorganisationen gelinge es nicht, die grundlegende Sicherheit zu gewährleisten. Das Mindeste wären nach Geschlechtern getrennte, gut beleuchtete Sanitärräume sowie separate Schlafplätze. Missbrauch und Erpressung von Schleppern lasse sich durch sichere und legale Einreisewege unterbinden, so Hassan. "Für diejenigen, die keine andere Wahl haben, ist es inakzeptabel, auf dem Weg durch Europa weiterer Erniedrigung und Unsicherheit ausgesetzt zu sein."

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Hier kann nicht mehr kommentiert werden.
 
Daniel Günther, CDU-Fraktions- und Landeschef gilt als designierter Albig-Herausforderer in Schleswig-Holstein.
Schleswig-Holstein-Umfrage
CDU baut Vorsprung auf SPD aus, AfD nur bei sechs Prozent
Andrej Holm ist ein gefragter Experte für Stadtentwicklung – hier in der ARD-Talkshow "Günther Jauch" im März 2014.
Berliner Senat
Stasi-Offiziersschüler soll Staatssekretär werden
Barack Obama will noch vor dem Ende seiner Amtszeit Aufschluss über die Hackerangriffe im US-Wahlkampf haben. Foto: Aude Guerrucci
Russland unter Verdacht
Obama ordnet Untersuchung von Hackerattacken im Wahlkampf an
Nach einer inoffiziellen Auswertung regionaler Medien lag Akufo-Addo bei einem Zwischenergebnis von knapp 54 Prozent der Stimmen. Foto: Christian Thompson
Friedlicher Machtwechsel
Oppositionschef Akufo-Addo gewinnt Präsidentenwahl in Ghana
New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph «Rudy» Giuliani galt lange als Favorit für das Amt des US-Außenministers. Foto: Sophia Kembowski
Loyaler Trump-Fan
Rudy Giuliani als künftiger US-Außenminister aus dem Rennen
Barack Obama und Wladimir Putin im September 2015.
Russland im Visier
Obama ordnet Untersuchung von Hackerangriffen an
Zunehmende Empörung: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (l., SPD) im Landtags-Untersuchungsausschuss zu islamistischen Gefahren.
Niedersachsen
Opposition hält Innenminister für ein Sicherheitsrisiko
Der Journalist Aydin Engin hat zwölf Jahre in Deutschland im Exil gelebt.
Inhaftierter Kolumnist
"Schickt eure Minister nach Ankara"
Fahnen der Türkei werden geschwenkt während der türkische Ministerpräsident Recep Tayip Erdogan am 24.05.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) in der Lanxess-Arena spricht.
Integration & Doppelpass
Worüber in einer Demokratie geredet werden muss
In Syrien gehen die Gefechte weiter.
Große Mehrheit
UN-Vollversammlung fordert sofortige Waffenruhe in Syrien
Stopschild vor dem abgeschalteten Atomkraftwerk in Biblis. Foto: Fredrik von Erichsen
Verzicht auf Schadenersatz
Atomkonzerne ziehen Teil ihrer Klagen gegen den Bund zurück
Dschaber al-Bakr kam als syrischer Flüchtling 2013 nach Deutschland.
Syrer in Leipzig
Warum die al-Bakr-Überwältiger kein Verdienstkreuz erhalten
Islamunterricht an einer Bonner Realschule.
Integration
Migrantenkinder holen in deutschen Schulen kräftig auf
"Burger-Baron" Andrew Puzder bei einer Diskussion in Beverly Hills, Kalifornien.
Trumps Arbeitsminister
Er mag "Frauen in Bikinis", aber keinen Mindestlohn
Ein Spezialkommando nahm den Mann in Rotterdam fest.
Rotterdam
Terrorverdächtiger mit geladener Kalaschnikow gefasst
Hildegard Hamm-Brücher galt als Grande Dame der Liberalen.
Hildegard Hamm-Brücher ✝
Diese Liberale verstand Politik als moralische Übung
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek.
Aiman Mazyek
Zentralrat fordert mehr muslimische Vertreter in Rundfunkräten
Wird wohl im kommenden Jahr nicht wieder für die Hamburger CDU in den Bundestag einziehen: Herlind Gundelach.
Keine Frau aufgestellt
"In Hamburgs CDU zählt Kompetenz, nicht Geschlecht"
Abgelehnte Asylbewerber steigen am Baden-Airport in Rheinmünster (Baden-Württemberg) in ein Flugzeug (Archivfoto).
Bis September
Deutschland hat nur 281 Nordafrikaner abgeschoben
Rund ein Fünftel der Menschen in Deutschland, 17,1 Millionen, hat einen Migrationshintergrund. Das geht aus dem Integrationsbericht der Bundesregierung hervor. Die Großteil der Zuwanderer (45 Prozent) kommt aus dem EU-Raum.
ZDF-Politbarometer
Mehrheit der Deutschen fürchtet kriminelle Flüchtlinge