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Amimour, El Mouadan und Bouabout Die Geschichte von drei Freunden

Amimour, El Mouadan und Bouabout wachsen gemeinsam auf. Sie lieben Fußball. Sie werden IS-Kämpfer und richten ein Blutbad an. Zwei sind tot, der dritte ist verschwunden. Eine Spurensuche. 

Im Verhör machte Samy Amimour kein Geheimnis aus seiner Abneigung gegen Frankreich, aus seinem Wunsch wegzugehen und seiner Überzeugung, dass die Apokalypse nahe sei. Aber er sagte den Ermittlern, dass er nicht töten werde: "Ich bin gegen die Ermordung von Unschuldigen, egal wer sie sind."

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Drei Jahre später kehrte er aus Syrien zurück. Er erschoss Dutzende Menschen bei einem Konzert und starb dann selbst im Pariser Musikklub "Bataclan" mit einem Sprengstoffgürtel um den Körper.

Von der Pariser Vorstadt Drancy in die Kampfgebiete Syriens

Gerichtsdokumente, Mitschriften von Verhören, Telefonaufzeichnungen und Bankauszüge, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen, zeichnen die Spur von Amimour und zwei seiner engsten Freunde nach - von der Pariser Vorstadt Drancy in die Kampfgebiete Syriens. Amimour und Charaffe El Mouadan, der charismatische Kopf des Trios, der den Kriegsnamen Souleymane annahm, sind tot. Der Dritte, Samir Bouabout, wird noch immer in Syrien vermutet.

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Drancy liegt nicht weit von Paris entfernt. Unzuverlässige Vorortzüge verbinden es mit dem Zentrum der Metropole. Der Ort ist ethnisch gemischt, solide Mittelschicht, Einfamilienhäuser, dazu ein paar Wohnkomplexe, die zwar nicht schön, aber durchaus erträglich sind.

Amimour, El Mouadan und Bouabout verband die Liebe zum Fußball

Dort wuchsen Amimour, El Mouadan und Bouabout auf, nicht weit voneinander entfernt. Zunächst verband sie die Liebe zum Fußball, später war es der Islam, der sie in der gleichen Umlaufbahn hielt. Im Jahr 2012, damals waren sie alle Mitte 20 und lebten noch bei ihren Eltern, berichtete El Mouadan Ermittlern, seine Arbeitslosigkeit komme ihm gelegen, weil er so regelmäßig beten könne. "Als ich gearbeitet habe, konnte ich meine Religion nicht korrekt praktizieren. Deswegen will ich weg und in einem muslimischen Land leben", sagte er.

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Amimour war der einzige, der regelmäßig arbeitete - zunächst als Briefsortierer, bei der Modehauskette H&M und für die Supermarktkette Carrefour, bis er 2011 schließlich einen Job als Busfahrer annahm. Unter zahlreichen Gesichtspunkten war das ein guter Job. Er hasste ihn.

"Ich will nicht mit 35 Jahren völlig kaputt sein"

Am 5. Oktober 2012 reichte er seine Kündigung persönlich ein. Zehn Tage später, er war gerade wegen des Verdachts festgenommen worden, dass er sich einer terroristischen Vereinigung anschließen wolle, erklärte er einem verblüfften Polizeibeamten: "Es gab eine Menge Dinge bei dem Job, die nicht zu meiner Persönlichkeit passten. Die häufigen Aggressionen und Provokationen - auch körperlich - haben mich wütend gemacht. Seit ich aufgehört habe, habe ich viel weniger Rückenschmerzen. Ich will nicht mit 35 Jahren völlig kaputt sein."

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Aber seine Kündigung hing auch damit zusammen, dass er mit seinen beiden Freunden Frankreich verlassen wollte. El Mouadan erledigte den Großteil der Vorbereitungen, knüpfte Kontakte in den Jemen, nach Pakistan, Afghanistan und Tadschikistan und stellte via Facebook auch einen Kontakt nach Mali her. Er war auch der erste, der sich Anfang 2012 für einen Schießkurs in einem Schützenverein anmeldete, der eng mit der Polizei verbunden war. Seine beiden Freunde folgten im April.

Seiner Frau schickte er Links zu dschihadistischen Videos

Im Spätfrühling 2012 reiste El Mouadan - obwohl frisch verheiratet - allein nach Nordafrika. Seiner Frau schickte er Links zu dschihadistischen Videos: "Wenn wir die Dinge geklärt haben und Du diese Videos gesehen hast, wirst Du alles verstehen. Du wirst Deine Art zu Denken ändern", sagte er. Im Mai kündigte er an, er werde in den Krieg ziehen.

Im Sommer geriet das Trio zunehmend ins Visier der französischen Ermittler. Im Oktober wurde die Überwachung nochmals verschärft mit GPS-Ortung und Überprüfung der Telefon- und Bankdaten. Bei Animour wurden sogar Arbeits- und Ferienzeiten genau erfasst. Am 15. Oktober wurden die drei Männer dann festgenommen und mehrere Tage lang vernommen über ihre Pläne. Schließlich wurden sie jedoch wieder freigelassen.

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In den Verhören sprach Amimour über seine Abneigung gegen Frankreich, seine empfundene Diskriminierung der muslimischen Gemeinschaft, die Stigmatisierung durch die Medien. "Bei der Arbeit kannst du zum Beispiel nicht beten. Wenn eine Frau einen Schleier tragen will, ist das ein Problem. Wenn du dir einen Bart wachsen lassen willst auch. Es existiert eine Umwelt, die nicht mit dem Islam zusammenpasst", sagte er.

Amimour sprach über die Apokalypse

Er sprach auch über die Apokalypse. Er spüre, dass sie nahe sei - ein zentrales Dogma der Terrormiliz Islamischer Staat, der er sich später anschließen sollte. Sein Ziel sei es, noch religiöser zu werden, sich selbst geografisch zu schützen, von großen Städten und dem Bösen dort fernzuhalten.

Alle drei jungen Männer stritten ab, dass sie irgendjemandem schaden wollten. Alle drei gingen weniger als ein Jahr später nach Syrien.

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Wann genau Amimour nach Frankreich zurückkehrte, ist nicht öffentlich bekannt. Seine Familie erfuhr von seiner Rückkehr erst, nachdem er als einer der Selbstmordattentäter vom 13. November 2015 im Rockclub "Bataclan" identifiziert worden war.

"Wir machen das auf unsere Art"

Überlebende der Horrornacht berichten, dass zwei der Schützen - einer wahrscheinlich Amimour - das Blutbad begutachteten und überlegten, was sie als nächstes tun sollten. "Sollen wir Souleymane anrufen?", fragte der eine. "Wir machen das auf unsere Art", lautete die Antwort.

130 Menschen starben an jenem 13. November, die meisten von ihnen im "Bataclan". El Mouadan wurde am 24. Dezember bei Luftangriffen getötet, wie das Militär mitteilte. Er sei einer der IS-Führer mit direkten Verbindungen zu den Anschlägen von Paris gewesen und habe aktiv weitere Angriffe gegen den Westen geplant.

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