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Protest gegen Arbeitslosigkeit In Tunesien braut sich neuer Zorn zusammen

Tunesien erlebt die schwersten Unruhen seit dem Arabischen Frühling. Autos brennen, Läden werden geplündert, ein Polizist stirbt. Die Regierung verspricht Reformen und verhängt eine Ausgangssperre.

Tunesien erlebt die schlimmsten sozialen Unruhen seit Beginn der arabischen Aufstände vor fünf Jahren. Die gewaltsamen Proteste dehnten sich in der Nacht zum Freitag auf mehrere Regionen des nordafrikanischen Landes aus. Die Regierung verhängte eine nächtliche Ausgangssperre. Sie gelte für alle Regionen des Landes, erklärte das tunesische Innenministerium.

Demonstranten hatten zuvor unter anderem in der Hauptstadt Tunis sowie in den Städten Jendouba und Bizerte Polizeiposten angegriffen, wie ein Sprecher des Innenministeriums erklärte. Auch Wagen der Sicherheitskräfte seien angezündet worden. Medien berichteten, in einem ärmere Viertel von Tunis seien Läden und zwei Banken geplündert worden.

Die Bundesregierung mahnte alle Seiten zu Besonnenheit. Das Auswärtige Amt äußerte "große Sorge" über die Unruhen. "Wir rufen deshalb alle Beteiligten zu umsichtigen Verhalten und Besonnenheit auf, auch die tunesischen Sicherheitskräfte", sagte Ministeriumssprecher Martin Schäfer in Berlin. "Es wäre schlimm, wenn durch unbedachte Handlungen sich die Lage weiter verschärfen würde."

Die Proteste gegen die schlechte wirtschaftliche Lage und die Arbeitslosigkeit hatten am vergangenen Wochenende in der Provinz Kassérine im Westen Tunesiens begonnen. Bei Zusammenstößen wurde dort am Mittwochabend ein Polizist getötet. 

2010 hatten in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid die als "Arabischer Frühling" bekanntgewordenen Aufstände begonnen, nachdem sich dort ein Gemüsehändler aus Verzweiflung selbst angezündet hatte. Die Proteste führten zum Sturz von Staatschef Ben Ali und schwappten auch auf andere arabische Staaten über. Tunesien ist das einzige arabische Land, dem seitdem der Übergang in die Demokratie gelungen ist. Allerdings leidet es unter der schlechten Wirtschaftslage, es kommt immer wieder zu Protesten.

Auslöser ist der Tod eines Arbeitslosen

Auch diese Proteste flammten nach einem Todesfall auf. Diesmal starb in der 80.000-Einwohner-Stadt Kassérine ein 28-jähriger Arbeitsloser durch einen Stromschlag. Der Mann war vor dem Gouverneurssitz auf einen Mast geklettert, um gegen seine Streichung von einer Einstellungsliste für den öffentlichen Dienst zu protestieren. Seit Sonntag brannten in der Stadt immer wieder Autoreifen. Seit Dienstag demonstrierten Hunderte Menschen in Kassérine, die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein.

Seit Mittwoch werden auch aus anderen Orten Proteste gemeldet. In Tunis gingen knapp 150 Menschen auf die Straße, auch in Sousse im östlichen Zentrum Tunesiens und in El Fahs südwestlich von Tunis gab es laut örtlichen Medien Demonstrationen. 

Derzeit liegt die Arbeitslosigkeit in Tunesien bei mehr als 15 Prozent. Bei Menschen mit einem Universitätsabschluss liegt die Quote sogar bei 32 Prozent. 

Staatschef Beji Caid Essebsi erklärteh, die Regierung habe das Land in einer sehr schwierigen Lage übernommen. Die Bevölkerung müsse ihr nun Zeit für Verbesserungen lassen. Als Reaktion auf die Unzufriedenheit auf die anhaltend schlechte wirtschaftliche Lage in Tunesien hatte Regierungschef Habib Essid Anfang dieses Monats bereits eine größere Kabinettsumbildung verkündet.

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