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Im Leitstrahl der russischen Luftabwehr Tornado-Piloten erfüllen einen gefährlichen Auftrag

Sie liefern Bilder, die den Kriegsverlauf entscheiden. Durch die Aufklärungsflüge deutscher Soldaten werden Ziele definiert, Bombengrößen bestimmt. Im Cockpit stets dabei: ein mulmiges Gefühl.

Der kürzeste Weg ins Kriegsgebiet dauert gut zehn Minuten: So lange braucht ein Tornado-Jet für die 150 Kilometer vom türkischen Stützpunkt Incirlik zur syrischen Grenze. Wenn die deutschen Piloten nach zweieinhalb bis vier Stunden von ihren Erkundungsflügen über Syrien und dem Irak auf die Basis nahe der Stadt Adana zurückkehren, sind die Auswerter in ihren grünen Containern dort gewöhnlich schon bei der Arbeit: Sie analysieren die hochauflösenden Bilder, die die Jets teils noch im Flug an die Bodenstation schicken, und machen sie damit überhaupt erst nutzbar.

Die Luftaufklärung ist zur Bekämpfung der IS-Ziele extrem wichtig. (Foto: dpa)

Im Fall eines syrischen Dorfes etwa wollte das Hauptquartier der Anti-IS-Koalition in Katar wissen, ob die Durchgangsstraße nahe dem Ort noch befahrbar ist. Ist sie nicht, wie die Auswerter herausfanden. Mit zwei weißen Kästchen haben sie die Straßensperren vor und hinter dem Abzweig zum Dorf markiert, denn der Sandwall und das Tor sind für Ungeübte als solche kaum zu erkennen.

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Ein drittes Kästchen dient der Warnung: Es umschließt eine Moschee mit türkisfarbener Kuppel, die nicht zum Bombenziel werden soll. Noch deutlicher tritt das Gebetshaus auf einer dreidimensionalen Aufnahme hervor: Klar ragt hier das Minarett aus dem Bild heraus. Um solche dreidimensionalen Fotos zu erhalten, lösen die Kameras an den Jets mehrfach kurz hintereinander aus, die unterschiedlichen Aufnahmewinkel lassen dann den räumlichen Eindruck entstehen.

"Wir sind hier nicht auf einem Pfadfinderlager"

Andere Bilder, die die deutschen Soldaten aus Incirlik ins Hauptquartier nach Katar schicken, könnten dagegen durchaus als Grundlage für Luftangriffe dienen. "Wir sind hier nicht auf einem Pfadfinderlager. Das ist ein Kriegseinsatz", sagt ein Soldat trocken. Falls Bilder von Gebäuden und der Dicke ihrer Mauern angefordert werden sollten, dann könne man daraus natürlich berechnen, "welche Bombe man nehmen muss".

In einem anderen Fall sollten die deutschen Piloten nach Aussage ihres Kommodore, Oberst Michael Krah, eine Raffinerie fotografieren, bei der der Verdacht bestand, dass die Extremistenmiliz IS sie betrieb. Die Tornado-Piloten mit ihren Kameras sollten klären, ob die Anlage noch in Betrieb ist. Immerhin erwirtschaftet der IS einen großen Teil seiner Einnahmen aus Ölverkäufen.

Um die sechs Jets beherbergt der Stützpunkt in Incirlik. (Foto: dpa)

Rund 220 deutsche Soldaten sind auf dem riesigen Militärstützpunkt in der Türkei stationiert, um die sechs Jets und ein Tankflugzeug zu betreiben. Insgesamt beherbergt Incirlik rund 7000 Soldaten aus mehreren Ländern. Viele von ihnen kommen aus den USA, die von hier aus Drohnen und A-10-Bodenkampfflugzeuge in der Region einsetzen.

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emb

Die Türken selbst seien bei den Luftangriffen von Incirlik aus dagegen "nur sehr vereinzelt dabei", heißt es vor Ort. Der Westen wirft der Türkei seit längerem vor, sich zu sehr mit dem Kampf gegen die PKK zu befassen und zu wenig Engagement im Einsatz gegen den IS zu zeigen. Insgesamt hat die Koalition nach Angaben aus Militärkreisen rund 160 Luftfahrzeuge pro Tag im Einsatz. Etwa die Hälfte davon seien an den Angriffen beteiligt.

Bei einem Gedanken kommt den Piloten ein mulmiges Gefühl

Probleme mit russischen oder syrischen Kampfjets hat es nach Aussage von Krah bisher nicht gegeben, obwohl alle den gleichen Luftraum nutzten und die unterschiedlichen Länder nicht auf speziellen Korridoren flögen. Die Bundeswehr beobachte die russische Flugabwehr. Ab und zu hörten die Piloten ihre russischen Kollegen über Funk, aber man gehe sich aus dem Weg. "Beide Seiten stellen sicher, dass man sich nicht zu nahe kommt", beschreibt der Oberst den Umgang miteinander. "Jeder weiß, wie man sich im Einsatzgebiet zu begegnen hat, und dass der andere nicht der Feind ist".

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Ein mulmiges Gefühl überkommt die deutschen Piloten eher, wenn sie an ihren jordanischen Kollegen denken, den der IS gefangennahm und in einem Käfig verbrannte. "Solche Bilder gehen natürlich nicht aus den Köpfen hinaus", sagt Krah. Die deutschen Piloten bauten auf ihre Ausbildung und im Notfall auf die amerikanischen Truppen: Sie stünden an zwei Standorten bereit, um abgestürzte Soldaten in maximal drei Stunden aus dem IS-Gebiet zu retten.

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