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Bloomberg und die US-Wahl Milliardär, Politikprofi und Hoffnungsträger

Das Präsidentschaftsrennen in den USA verspricht, noch spannender zu werden: Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erwägt eine Kandidatur. Dahinter steckt ein cleverer Plan.

Der turbulente Präsidentschaftswahlkampf in den USA wartet mit einer weiteren Überraschung auf: New Yorks früherer Bürgermeister Michael Bloomberg lässt die Medien über seine mögliche Kandidatur als Unabhängiger für das Weiße Haus spekulieren.

Bloomberg gehe davon aus, dass die Republikaner den Immobilienunternehmer Donald Trump oder den Tea-Party-Favoriten Ted Cruz nominieren könnten, während sich bei den Demokraten möglicherweise der selbst erklärte "demokratische Sozialist" Bernie Sanders gegen Hillary Clinton durchsetzen werde. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf nicht genannte Freunde und Berater des 73-jährigen Milliardärs.

Das Kalkül: Sollten die Republikaner tatsächlich Trump oder Senator Cruz nominieren, würden moderate Anhänger der Partei abgeschreckt. Falls zudem der linke Senator Sanders die vormalige Außenministerin Clinton überflügelt, könnten konservative und wirtschaftsfreundliche Demokraten abspringen. Trump, Cruz und Sanders wären außerdem inakzeptabel für die "Unabhängigen" in der Mitte, die inzwischen das größte Wählerpotenzial stellen. Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage stufen sich 26 Prozent der Wähler als Republikaner und 29 Prozent als Demokraten ein, aber 42 Prozent als "independents", also keiner der Großparteien verbunden.

Eine Entscheidung will Bloomberg angeblich im frühen März treffen. Dies sei der späteste Zeitpunkt, um sich noch in sämtlichen 50 Bundesstaaten nominieren zu lassen. Bloombergs Kriterium sei der dann erreichte Zwischenstand bei den Vorwahlen der beiden Parteien. Der förmliche Nominierungsprozess beginnt nächste Woche mit der Abstimmung in Iowa und setzt sich übernächste Woche in New Hampshire fort. Sollte Bloomberg sich zu einer Kandidatur entscheiden, würde er mindestens eine Milliarde Dollar aus seinem Vermögen für den Wahlkampf einzusetzen, heißt es. Der Sohn eines russisch-jüdischen Molkereibuchhalters machte sein Geld mit Finanzdienstleistungen und Wirtschaftsmedien. Mit einem geschätzten Vermögen von 35 Milliarden Dollar belegt er derzeit Platz 15 auf der Forbes-Liste der reichsten Amerikaner.

Es ist schon der zweite Testballon

Bereits im Dezember gab der auf Finanzdaten spezialisierte Medienunternehmer Bloomberg eine Befragung in Auftrag, um herauszufinden, wie er gegen Trump und Clinton abschneiden würde. Dabei gelangte die Firma Morning Consult zu dem – ausgesprochen hypothetischen – Ergebnis, dass Trump und Clinton auf 37 beziehungsweise 36 Prozent kämen und Bloomberg aus dem Stand heraus auf immerhin 13 Prozent, obwohl ihn nur 43 Prozent der Befragten dem Namen nach kannten. Eine Kandidatur von Sanders könnte ihm weitere Wähler zutreiben. Dass nun "Vertraute" von Bloomberg an die Öffentlichkeit gehen, ist als weiterer Testballon zu werten, der die Akzeptanz dieses möglichen dritten Kandidaten ermitteln soll.

Auch wenn sich die Öffentlichkeit nahezu ausschließlich auf Republikaner und Demokraten konzentriert, treten bei US-Präsidentschaftswahlen stets weitere Kandidaten an. 2012 etwa waren dies unter anderem Vertreter der Libertären, der Grünen und der Verfassungspartei. Keiner von ihnen erreichte auch nur ein Prozent der Stimmen.

Immerhin kam in der neueren US-Geschichte der Unternehmer Ross Perot 1992 als unabhängiger Kandidat auf 18,9 Prozent. Da seine Wähler vor allem aus dem republikanischen Milieu stammten, sorgte er ungewollt für den Sieg des Demokraten Bill Clinton über Amtsinhaber George H.W. Bush.

Unabhängige haben immer nur andere verhindert

Dritte Kandidaten seien wie Bienen, die einmal stechen und dadurch sterben, befand 2012 der konservative Publizist Ross Douthat. Bloomberg würde dem Vernehmen nach nur antreten, wenn ihm Umfragen eine echte Siegeschance zumessen würden.

Bloomberg ist ein Wanderer zwischen den Parteiwelten. Ursprünglich als Demokrat registriert, wechselte der gebürtige Bostoner zu den Republikanern, bevor er 2001 für das Amt des New Yorker Bürgermeisters kandidierte. Er siegte am 6. November mit 50,3 Prozent klar über den demokratischen Bewerber Mark Green und wurde Nachfolger des republikanischen Amtsinhabers Rudy Giuliani. 2005 und 2009 wurde Bloomberg wiedergewählt. 2008, kurz vor der zweiten Amtsbestätigung, verließ er die Grand Old Party und trat als Unabhängiger an. Allerdings unterstützten ihn die Republikaner weiterhin. Wegen der Begrenzung auf drei Wahlzeiten konnte Bloomberg 2013 nicht erneut antreten.

Mit seiner unternehmerfreundlichen Wirtschaftspolitik steht er den Republikanern nahe; wie sie plädiert er für ausgeglichene Haushalte und eine Überprüfung der Sozialetats. 2003 unterstützte er den Irakkrieg von Präsident George W. Bush. Andererseits befürwortet der Unternehmer im Einklang mit den Demokraten strengere Waffengesetze und das Recht auf Abtreibung.

Trump könnte schießen, sagt er

Schon im Vorfeld der Präsidentenwahl 2012 wurde über eine mögliche Kandidatur Bloombergs als Unabhängiger spekuliert. Mit seinem Namen verbanden sich vorübergehend gar Hoffnungen, er könne eine dritte Partei etablieren, die den immer tieferen ideologischen Graben zwischen den links gewendeten Demokraten und den nach rechts gedrifteten Republikanern überbrücken würde. Schließlich aber sprach Bloomberg sich für die Wiederwahl Barack Obamas aus. Er begründete seine Unterstützung ausdrücklich mit der Forderung des Präsidenten nach Einschränkungen des liberalen Waffenrechts und nach Reduzierung der CO-Emissionen.

Ob Bloomberg erneut nur den Mund spitzt oder diesmal auch pfeifen will, bleibt abzuwarten. Donald Trump versicherte am Samstag rasch, er würde den Wettbewerb mit seinem einstigen Bürgermeister begrüßen. Und fügte bei einer Wahlveranstaltung in Sioux City in Iowa in gewohnter Lautstärke die Versicherung hinzu, ihm würde Bloomberg keineswegs gefährlich werden. Denn er, Trump, könnte in New York "mitten auf der 5th Avenue stehen und jemanden niederschießen und würde trotzdem keine Wähler verlieren". Bei der Straße handelt es sich zufällig um eine beliebte Spielwiese der Reichen und Superreichen.

 

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