Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Nordkorea Schauprozess gegen Teenager erhitzt die Gemüter

Wer in Nordkorea ausländische TV-Sendungen sieht, riskiert drakonische Strafen. 15 Teenager wurden deswegen nun öffentlich verurteilt. Der Schauprozess stößt im Volk auf Kritik.

Kim Jong-un lässt Jugendliche öffentlich verurteilen: 15 Teenager, keiner älter als 17 Jahre, wurden als Verräter gebrandmarkt, "verdorben durch nicht sozialistische Ideologie". Ihr Vergehen: Westfernsehen. Die jungen Kerle waren dabei erwischt worden, amerikanische Filme geschaut zu haben.

Vor aller Augen wurde ihnen nun der Prozess gemacht, an einem kalten Januarsamstag vor dem Kino in der Stadt Hyesan in Nordkoreas Provinz Yanggang. Das berichten Augenzeugen gegenüber der Nachrichtenseite "Daily NK". Und die Öffentlichkeit wurde gezwungen, sich zu versammeln und dabei zuzusehen, zur Abschreckung und um Angst zu erzeugen.

Die Schüler haben die Filme offenbar gemeinsam angeschaut und ausgetauscht. Dabei wurden sie wohl von einer Informantin in der Nachbarschaft auf frischer Tat ertappt. Die hat sie daraufhin beim Ministerium für Volkssicherheit – dem nordkoreanischen Äquivalent einer Polizei – verraten.

In dem isolierten Land ist es bei Strafe verboten, Medien aus dem Ausland zu konsumieren – egal, ob es sich dabei um Nachrichten, Musik oder Seifenopern handelt. Zu groß ist die Sorge des Regimes, dass seinem gehirngewaschenen Volk auffallen könnte, dass das Gras jenseits der abgeschotteten Grenzen tatsächlich grüner ist als in dem von der Propaganda so gepriesenen Reich Kim Jong-uns.

Menschen sterben wegen der falschen Sendung

In jüngster Zeit geht Pjöngjang noch strenger als zuvor gegen angeblich verbrecherischen Medienkonsum vor. Im vergangenen September erst wurden drei Hausfrauen hingerichtet, weil sie auf ihren Handys eine südkoreanische Fernsehserie angeschaut, diese kopiert und für umgerechnet knapp 30 Euro verkauft hatten. Die Serie war über USB-Sticks aus China ins Land geschmuggelt worden, so berichtete Radio Free Asia.

Auch diese drei Frauen stammten aus Hyesan. Sie hatten die Miniserie "Until the Azaleas Bloom" (Bis die Azaleen blühen) gesehen, die auf einer wahren Geschichte beruht: Eine Tänzerin, die in den frühen 90er-Jahren mit ihrem Mann aus Nordkorea flüchtete und sich in den Süden abgesetzt hat. In der Serie werden die Missstände in Nordkorea offen dargestellt. Sie anzuschauen oder gar zu verbreiten ist in Pjöngjangs Augen Hochverrat.

Damals hatten die Behörden die Exekutionen verschwiegen – wohl um in der Bevölkerung nicht noch mehr Neugier auf die Serie zu wecken. Als die Nachricht dann durchsickerte, waren die Menschen in Hyesan schockiert.

Diesmal aber geht Pjöngjangs harte Abschreckungspolitik womöglich nach hinten los: Die anonyme Bürgerin aus Hyesan selbst, so "Daily NK", war empört. "Das waren doch nur Kinder, die ihrer natürlichen Neugier nachgegeben haben!", sagt sie und beschreibt dann, wie die Zuschauer sich verstohlen mitleidige und entsetzte Blicke zuwarfen – obwohl die Atmosphäre während des Schauprozesses "kälter als der Winter" gewesen sei.

Kinder sind den Nordkoreanern am wichtigsten

Kim wollte ein Exempel statuieren, doch die Menschen, das bestätigen offenbar mehrere Zeugen, wurden eher wütend und regten sich über die Heuchelei der Kader auf, die hinter verschlossenen Türen selbst ausländische Unterhaltungskultur genießen: "Zeig mir einen der Ankläger, der nicht wenigstens einmal selbst einen ausländischen Film geschaut hat", zitiert die Webseite Eltern der zu einem nicht bekannten Strafmaß verurteilten Jugendlichen.

Mit solch hartem Vorgehen, meint Nordkorea-Experte Chung Min-lee von der südkoreanischen Yonsei-Universität, sägt Kim an dem Ast, auf dem er sitzt. "Die Gehirnwäsche hält irgendwann nicht mehr. Der Vorhang der Angst muss sich heben, Der Abstand zwischen dem Regime und dem Volk wird immer größer." Und wenn es dann um ihre Kinder geht, werde das Murren im Volk anschwellen.

"Koreanische Eltern tun fast alles, bis hin zum Selbstmord, für ihre Kinder. Das ist unsere Hoffnung, das ist der Ansatz, um Veränderungen in Nordkorea zu bewirken. Wenn wir sie überzeugen können, dass ihre Kinder mit einem anderen politischen System in einer besseren Welt leben werden und dass sie diese auch verdienen, egal, was passiert, dann werden bald selbst die Eliten einsehen, dass das Leben unter Kim nicht mehr haltbar ist."

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
 
CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel.
Flüchtlingspolitik
CDU-General weist Österreichs Kritik an Merkel zurück
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Deutschen Bundestag.
Streit um Pkw-Maut
Dobrindt verlangt von Österreich mehr Gelassenheit
Die EU-Kommission hat nach jahrelangem Streit grünes Licht für eine abgeänderte Version der Pkw-Maut gegeben. Foto: Stephanie Lecocq
Kein Verständnis
Dobrindt: Klage Österreichs gegen Maut wäre unverständlich
Nach dem Konzept des baden-württembergischen Innenministers sollen die Abschiebehaft ausgeweitet, Sozialleistungen für abgelehnte Asylbewerber gekürzt und ein Rückführungszentrum in Ägypten eingerichtet werden. Foto: Lino Mirgeler/Archiv
Vor CDU-Parteitag
Unterstützung für Strobls Abschiebe-Konzept
Der rheinland-pfälzische AfD-Chef Uwe Junge (hier mit Frauke Petry) will viele Flüchtlinge dulden.
Asylkrise
AfD-Zoff über Abschiebungen nach Afghanistan
Der Ministerpräsident Italiens spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung zum bevorstehenden Referendum in Florenz. Foto: Iberio Barchielli
Kampagnen beendet
Italien bangt Verfassungsreferendum entgegen
Als erster neugewählter US-Präsident seit Jahrzehnten telefonierte Trump mit der Präsidentin Taiwans. Foto: Shawn Thew/Archiv
Diplomatisches "No-go"
Ärger mit China? Trump telefoniert mit Taiwans Präsidentin
CDU-Generalsekretär Peter Tauber.
Flüchtlingspolitik
CDU-General Tauber für schärfere Abschiebepraxis
Führte ein diplomatisch unübliches Telefonat mit Taiwan: Donald Trump.
Diplomatie
Trump telefoniert mit Taiwan und riskiert den Zorn Chinas
Sirwan Barsani.
Kurdische Peschmerga
"Wir reden mit Bagdad über eine Teilung des Irak"
Trump provoziert China.
Weißes Haus distanziert sich von Bruch jahrzehntelanger US-Diplomatie
Trump telefoniert mit Taiwans Präsidentin und riskiert den Zorn Pekings
In den vergangenen Tagen hat der Trauerkonvoi mit der Urne von Fidel Castro, begleitet von der Anteilnahme hunderttausender Menschen, zahlreiche Städte des sozialistischen Karibikstaates passiert.
Ende einer Ära
Abschied von Fidel Castro in Santiago de Cuba
Gilles de Kerchove, Anti-Terror-Koordinator der EU, fordert Gegenbotschaften gegen die IS-Ideologie.
Terrormiliz IS
Anti-Terror-Kämpfer sieht "steigendes Risiko für Anschläge"
CDU-Vorsitzende Angela Merkel bei der Regionalkonferenz in Jena.
Basisbesuch der Kanzlerin
Merkel rechtfertigt sich für Händeschütteln mit Flüchtlingen
Aufbruch zu rot-rot-grün? Die beiden Berliner Grünen-Vorsitzenden Bettina Jarasch und Daniel Wesener bei einer Landesdelegiertenkonferenz. Foto: Gregor Fischer/ARCHIV
Rot-Rot-Grün vor dem Start
Berliner Grüne stimmen über Koalitionsvertrag ab
Volker Beck, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen.
Grünen-Politiker
Volker Beck verliert Kampf um aussichtsreichen Bundestags-Platz
Kulturstaatsekretärin Monika Grütters.
Monika Grütters
Merkel-Freundin soll Berliner Krisen-CDU retten
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auf der Integrationskonferenz des Deutschen Landkreistages.
Appell an Zuwanderer
De Maizière fordert "Bekenntnis zu Gewaltfreiheit"
Zwischen 15 und 17 Jahre alt waren die Jungen, die in die Obhut von bekannten Pädophilen übergeben wurden.
Makabres Experiment
Berliner Senat schickte Straßenjungen zu Pädophilen
Die Hamburger Polizei bereitet sich auf Proteste vor.
G-20 Gipfel
Hamburg rechnet mit größten Protesten seiner Geschichte