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Berliner Lageso Ein toter Flüchtling mit vielen Fragezeichen

Ein Flüchtling soll gestorben sein, nachdem er tagelang vor dem Versorgungsamt Lageso warten musste. Der Berliner Senat kann das nicht bestätigen. Und der wichtigste Zeuge macht die Tür nicht auf.

Die Berliner Behörden können den Todesfall am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin zunächst nicht bestätigten. Ein 24-jährige Syrer soll Helfern zufolge nach tagelangem Warten einem Herzstillstand erlegen sein. Der Mann sei in der Nacht zu Mittwoch im Rettungswagen verstorben, sagte die Sprecherin des Netzwerks "Moabit hilft", Diana Henniges.

"Seit 7.00 Uhr morgens telefonieren wir mit 30, 40 Mann alle Rettungsstellen und Krankenhäuser ab", sagte Sascha Langenbach, Sprecher des zuständigen Senats für Gesundheit und Soziales. Demnach ist den Behörden weder die Identität des Mannes bekannt, noch liege eine Meldung über einen Toten vor.

"Wir wollen auch wissen, was los ist"

Die Berliner Polizei prüft nach eigenen Angaben ebenfalls bislang ergebnislos die Berichte. "Wir wollen auch wissen, was los ist", sagte ein Polizeisprecher.

Die Sprecherin von "Moabit hilft", Henniges, wollte zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Verstorbenen weder dessen Namen noch das behandelnde Krankenhaus veröffentlichen. Der Verstorbene habe mehrere Tage vor dem Lageso angestanden und sich dabei mutmaßlich erkältet, sagte Henniges. "Wenn man tagelang im Schneematsch herumsteht, wird aus einem Schnupfen schnell eine Lungenentzündung."

Wie "Spiegel online" berichtet, soll der verstorbene Syrer seit Wochen immer wieder vorstellig geworden sein, um Krankenscheine und andere Leistungen abzuholen. Der Flüchtling habe zudem nichts zu essen gehabt, weil er kein Geld erhalten habe. Der Mann sei ohne Unterkunft, Geld und Krankenschein gewesen. Deshalb habe er sich auch nicht behandeln lassen können. Den Helfern sei er bereits bekannt gewesen, er sei unter anderem mit Kleidung versorgt worden.

Protokoll eines Sterbenden

Der Flüchtlingshelfer Dirk V. lud den erschöpften Syrer in der Nacht zu Mittwoch zu sich nach Hause ein, wie die Sprecherin weiter sagte. Dort habe sich der unter Fieber leidende Mann hingelegt und später ein auffälliges Verhalten gezeigt. Schließlich sei der Mann noch im herbeigerufenen Rettungswagen einem Herzstillstand erlegen.

Im Internet-Netzwerk Facebook veröffentlichte V. eine Nachricht unter dem Titel "Protokoll eines sterbenden Menschen". Darin ist der Nachrichten-Dialog von V. mit einer Bekannten zu lesen. V. schrieb demnach um kurz nach 02.00 Uhr: "Hab grad einen kranken Mann hier liegen, überlege, ob ich einen Krankenwagen rufen muss." Die Rückfrage nach dessen Symptomen beantwortet V. mit: "Ich weiß es nicht, er hat 39,4 Fieber, Schüttelfrost und kann nicht mehr sprechen." Später löschte V. den Facebook-Eintrag.

Mittlerweile will der Flüchtlingshelfer sich nicht mehr äußern. Das teilte "Moabit hilft" am Mittwoch mit. Er habe das in einer SMS mitgeteilt und darin auch erklärt, sich noch früh genug an die zuständigen Behörden wenden zu wollen. Sein Telefon sei ausgeschaltet, und auch die Tür öffne er nicht. Die Polizei klingelte nach eigenen Angaben ebenfalls vergeblich.

Andauerndes Chaos beim Lageso

Wenn sich die Nachricht vom Tod des Flüchtlings so bestätigen sollte, "finde ich das schrecklich", sagte Christine Lambrecht, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, in Berlin. Der Bund habe viel Geld in die Hand genommen zur Unterstützung der Länder. Sie gehe davon aus, dass dieses auch an die Kommunen weitergeleitet werde.

Am Dienstag hatte der zuständige Sozialsenator Mario Czaja (CDU) Medienberichte bestätigt, wonach wegen eines Bearbeitungsstaus beim Lageso Flüchtlinge über viele Tage kein Geld ausbezahlt bekamen. Den Berichten zufolge konnten sich die Betroffenen zeitweise keine Lebensmittel kaufen und waren auf Spenden angewiesen.

Wegen des andauernden Chaos beim Lageso steht Czaja seit Monaten in der Kritik. "Die Zustände sind untragbar", sagte Henniges. Sie forderte Czajas Rücktritt. "Moabit hilft" und die Lageso-Führung streiten sich weit Monaten wegen der Missstände beim Flüchtlingsmanagement in Berlin.

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