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TV-Spot über Mülltrennung Polens Regierung wittert schwule Verschwörung

Ein TV-Spot, in dem zwei Männer und ein Kind auftreten, aber keine Frau? Das darf im polnischen Fernsehen nicht sein. Die Regierung wittert eine "Gender-Verschwörung".

Der Werbesport, der für Anstoß im Umweltministerium sorgte, war noch unter der Vorgängerregierung produziert worden: "So trenne ich den Müll", sagt darin der polnische Starkoch Wojciech Amaro zu einem Jungen, der offenbar seinen Sohn darstellt: "Die Reste hier rein", sagt er und wirft mit einer schwungvollen Bewegung Eier- und Apfelschalen in den Müll. "Und Papier?", fragt er. "Da", sagt der Junge vergnügt und zeigt auf den richtigen Eimer, woraufhin ein Haufen Papier darin verschwindet. Auch für Glas und Plastik hat der Kleine die richtige Antwort parat.

Das Problem mit dem Spot: Darin tritt ein zweiter Mann auf, der berühmte homosexuelle Restaurantkritiker Maciej Nowak. Er beobachtet die Szene zwischen Vater und Sohn, hält sich aber im Hintergrund. Es wirkt so, als wäre er bei Koch Amaro und dessen Familie zu Besuch. An diesem scheinbar harmlosen Spot hat nun Polens Umweltminister Jan Szyszko Anstoß genommen. Das Ministerium lässt ihn deshalb nicht mehr ausstrahlen. Vizeminister Slawomir Mazurek erklärte gegenüber der regierungsnahen Zeitung "Nasz Dziennik": "Wir sind nicht damit einverstanden, dass die Genderideologie mit öffentlichem Geld propagiert wird, das für die ökologische Bildung vorgesehen war."

Die Genderforschung hat den gesellschaftlichen Einfluss auf das Selbstverständnis der Geschlechter im Blick. Die Geschlechterrollen seien weniger durch die Natur als vielmehr durch die Gesellschaft bestimmt, so glauben Anhänger der umstrittenen Theorie. In Polen erhitzt das Thema seit einiger Zeit die Gemüter, große Teile der Anhänger der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) betrachten die "Genderideologie" als großes Übel und als eine Gefahr für die traditionelle Familie. Die Kritik daran ging zunächst vor allem von der katholischen Kirche aus: Papst Benedikt XVI. lehnte die Annahmen der Gendertheorie ab.

Schwule Verschwörung gegen die polnische Familie?

Der polnische Episkopat verfasste daraufhin einen Hirtenbrief, in dem er der vor dem "Bösen" warnte, das dieses Gedankengut mit sich bringe. Gender propagiere "einen neuen Typ Familie, aufgebaut beispielsweise auf Beziehungen homosexuellen Charakters". In Polen formierten sich daraufhin die Gendergegner, die darin eine Gefahr für die polnischen Traditionen und christlichen Werte sehen.

Eine dieser Gegnerinnen ist die konservative Familienpsychologin Katarzyna Wieczorek. "Warum gibt es in dem Spot keine Frau, die die Rolle der Mutter spielt? Wenn wir bedenken, dass Herr Maciej Nowak homosexuell ist und seine Orientierung nicht versteckt, sondern im Gegenteil damit in den Medien angibt, wie kann man dann eine solche Kampagne nicht als die Propagierung von Gender verstehen?", sagte sie der Tageszeitung "Nasz Dziennik." "Ich denke nicht, dass die Drehbücher der Spots zufällig entstanden sind."

Autor spricht von "Groteske"

Nowak, der geschmähte Darsteller des Spots, weist die Kritik zurück: "Man muss wirklich merkwürdige Dinge im Kopf haben, um das so zu verstehen." Er verweist darauf, dass in anderen Spots der Kampagne auch eine Frau auftritt. Seine Rolle darin ist eindeutig die eines Gastes der Familie, die aus Vater, Mutter und Kind besteht. Damit argumentiert auch der Autor der Spots, Cezary Harasimowicz, und spricht von einer "Groteske". Die Darsteller – im echten Leben ein Koch und ein Restaurantkritiker – seien deshalb ausgewählt worden, weil man sie mit der Küche in Verbindung bringe, nicht mit "Gender".

Die Polen reagierten mit Humor und Ironie. Eine Zeichnung, die als Kommentar zu dem Vorfall über Twitter verbreitet wurde, zeigt einen schlecht gelaunten Mann, der seinen Abfall rausbringt und sagt: "Ich werde doch nicht meinen Müll trennen wie ein Schwuler!"

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