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Polizei in Berlin "Wir haben keinen toten Flüchtling"

Es wäre der Höhepunkt des Behördenversagens in Berlin gewesen, stattdessen ist es eine Ohrfeige für die Flüchtlingshelfer. Die Nachricht vom ersten "Lageso"-Opfer entpuppt sich als Ente.

Ein Flüchtlingshelfer hat den Fall eines toten Asylbewerbers in Berlin offensichtlich erfunden. "Wir haben keinen toten Flüchtling", sagte eine Sprecherin der Polizei nach einer Befragung des Mannes, der den angeblichen Todesfall im Internet publik gemacht hatte. "Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, dass an dem Sachverhalt, den er veröffentlicht hat, etwas dran ist", sagte die Sprecherin. 

Dirk V. hatte auf Facebook geschrieben, dass ein 24-jähriger Syrer, der vor der Erstaufnahmestelle Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) gewartet haben sollte, in der Nacht auf Mittwoch durch einen Herzstillstand gestorben sei. So verbreitete es auch das Helfer-Netzwerk "Moabit hilft". Doch schnell kamen erste Zweifel an der Geschichte auf.

Denn weder konnten die Krankenhäuser in der Umgebung einen entsprechenden Fall bestätigen, noch konnten die Rettungsstellen Informationen zu einem diesbezüglichen Einsatz in ihren Protokollen finden. 

Dirk V. hatte die Meldung über den angeblich gestorbenen Flüchtling in die Welt gesetzt. (Foto: Daniel Krüger)

Es gab nur einen Mann, der alles restlos aufklären konnte. Doch der war stundenlang nicht auffindbar. Dirk V. hatte auf Facebook geschrieben, dass er einen 24-jährigen Syrer wegen dessen schlechten Gesundheitszustandes vor einigen Tagen bei sich zu Hause aufgenommen habe. Als dieser in der Nacht auf Mittwoch 39,4 Grad Fieber und Schüttelfrost bekommen habe und nicht mehr reden konnte, habe V. einen Rettungswagen gerufen. Auf dem Weg zum Krankenhaus sei der Syrer verstorben.

Den ganzen Mittwoch über versuchten Polizei, Feuerwehr, Behörden und Journalisten, V. zu kontaktieren. Die Polizei berichtete, sie habe mehrfach bei V.s Adresse geklingelt – doch niemand habe geöffnet. Auch an sein Handy ging V. den ganzen Tag über nicht. Gegen Mittag sollte V. schließlich vor dem Lageso vor die Presse treten. Doch als sich die Tür des Gebäudes öffnete, in dem die Helfer ihr Quartier eingerichtet haben, wurden die wartenden Journalisten enttäuscht: Diana Henniges, Sprecherin von "Moabit hilft", trat vor die Mikrofone und stellte klar: "Auch wir wissen im Moment noch nicht, was letztendlich passiert ist."

Eine Lüge mit katastrophaler Wirkung

V. hätte sich in seine Wohnung zurückgezogen und wäre nicht erreichbar. Sie hätte mit V. in Kontakt gestanden. "Er sagt, er werde sich rechtzeitig bei den zuständigen Behörden melden", berichtete Henniges und bat um Verständnis für V.s Rückzug. Wenn seine Geschichte stimmte, hätte er einiges zu verarbeiten.

Und daran wollte "Moabit hilft" bis zum Gegenbeweis weiter glauben. Denn dass die Geschichte offenbar erfunden ist, könnte sich für die Organisation als Katastrophe erweisen. Seit Monaten wirft "Moabit hilft" dem Senat vor, untätig zuzusehen, wie Flüchtlinge in menschenunwürdigen Bedingungen auf ihre Termine im Lageso warten. Der Senat verweist seinerseits auf Verbesserungen vor Ort und sagt, dass die Lage nicht so schlimm ist wie dargestellt.

Eine Lüge derart makaberen Ausmaßes ist Gift für die Außendarstellung und Glaubwürdigkeit von "Moabit hilft", die bislang das Gros der öffentlichen Sympathie auf ihrer Seite wusste. "Es wäre schlimm, wenn wir unseren Helfern nicht mehr vertrauen könnten", sagte auch Henniges. Sie hatte bis zum Gegenbeweis versichert: "Wir kennen Dirk V. seit Monaten und glauben ihm!"

Christiane Beckmann (l) und Diana Henniges von der Initiative "Moabit hilft". (Foto: DPA)

Während Henniges neben der Kleidungsausgabe auf dem Lageso-Gelände mit der Presse sprach, standen vor dem Hauptgebäude wie jeden Tag Hunderte Flüchtlinge im Schlamm und warteten auf ihre Termine. 

Erst am Dienstag hatte der zuständige Sozialsenator Mario Czaja (CDU) Medienberichte bestätigt, wonach wegen eines Bearbeitungsstaus beim Lageso Flüchtlinge über viele Tage kein Geld ausbezahlt bekamen. Die Betroffenen konnten sich zeitweise keine Lebensmittel kaufen und waren auf Spenden angewiesen. "Moabit hilft"-Sprecherin Henniges forderte deshalb: "Czaja muss nun endlich zurücktreten."

Für Dirk V. wird die Falschmeldung übrigens zumindest strafrechtlich keine Konsequenzen haben. Der Flüchtlingshelfer habe zwar "die ganze Republik verrückt gemacht", sagte die Polizei - aber eine Straftat sei sein folgenreicher Internet-Eintrag nicht. 

 

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