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Berlin-Marzahn Warum die Russlanddeutschen der Polizei misstrauen

Viele Russlanddeutsche sind aufgebracht. Sie empören sich über eine angebliche Vergewaltigung eines Mädchens in Berlin. Eine Vergewaltigung, die es offenbar nie gegeben hat. 

Die Mitarbeiter der kleinen russischen Geschäfte im Berliner Shoppingcenter "Carrée Marzahn" sind genervt. "Kein Kommentar", sagt die Verkäuferin eines Miniladens zwischen Besen, Cremedosen und Nippes. Sie habe keine Lust mehr auf Fragen zu der 13-jährigen Russlanddeutschen, die angeblich von Ausländern entführt und vergewaltigt worden sein soll. Der Besitzer der Konditorei "Natalja" wenige Meter weiter stöhnt nur: "Ich kann nichts sagen."

Rund 30.000 Aussiedler mit deutschem Pass leben Schätzungen zufolge in den Plattenbausiedlungen in Marzahn-Hellersdorf. Viele von ihnen seien im Moment sehr wütend auf die Polizei, sagt Alexander Reiser, Sprecher von "Vision", einem Verein der Aussiedler in Berlin. Die Behörde habe viel zu knapp über den Fall informiert, da hätten viele in der Community gedacht, die Ermittlungen seien abgeschlossen.

Das sei "katastrophal" gewesen und habe zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. Die Polizei habe die Leute hochnäsig abgespeist, so der Sprecher. So hätten viele erst recht vermutet, dass die Polizei versucht, die Sache zu vertuschen.

Weder entführt noch vergewaltigt

Die Behörde hatte frühzeitig mitgeteilt, dass die 13-Jährige weder entführt noch vergewaltigt worden sei. Die Russlanddeutsche war rund 30 Stunden verschwunden und zwischenzeitlich als vermisst gemeldet worden.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Männer, die vor dem Verschwinden des Mädchens einvernehmliche sexuelle Kontakte mit ihr gehabt haben sollen. Der Fall hatte auch den russischen Außenminister Sergej Lawrow auf den Plan gerufen, er warf den deutschen Behörden vor, den Fall lange verheimlicht zu haben.

Tausende Russlanddeutsche waren auch auf die Straße gegangen und hatten protestiert. Er verurteile solche Demos, sagte Vereinssprecher Reiser. Aber er könne auch die Unsicherheit der Teilnehmer verstehen. Zu einer Kundgebung des Berliner Ablegers der ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung waren am Samstag vor dem Kanzleramt auch russischsprachige Bürger gekommen. Es seien aber nur "ein paar Idioten" gewesen, die sich angeschlossen hätten.

Misstrauen gegenüber der Polizei

Dass das Misstrauen gegenüber der Polizei ausgerechnet unter den Russlanddeutschen besonders groß ist, sei kein Zufall, meint Reiser. Viele in den 1990er-Jahren nach Deutschland gekommenen Menschen seien bis heute von einem Russland traumatisiert, in dem es keine Rechtsstaatlichkeit gegeben habe und sich jeder habe selbst schützen müssen.

Im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf herrscht die Befürchtung, dass sich die Stimmung weiter aufzuheizen könnte. Viele Einwohner seien derzeit nicht offen für eine sachliche Debatte, meint ein Sprecher. "Alles, was wir jetzt sagen, könnte als weiterer Versuch der Vertuschung wahrgenommen werden. Und das wollen wir natürlich nicht." Die Entwicklung werde aufmerksam beobachtet. Der Sprecher verwies darauf, dass nur eine Minderheit der Berliner Aussiedler so aufgebracht sei.

Im "Carrée Marzahn" kommt eine junge Aussiedlerin gerade aus dem russischen Supermarkt "Mix Markt". Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Die ganze Aufregung um das Mädchen verstehe sie überhaupt nicht, meint sie und räumt ihren Einkauf aus dem Wagen. Bevor sie geht, meint sie entschieden: Auf der ganzen Welt würden Mädchen vergewaltigt. "Man sollte nicht nur bei einem Mädchen schreien, sondern bei allen."

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