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Villingen-Schwenningen Scharfe Handgranate auf Flüchtlingsheim geworfen

Unbekannte haben in der Nacht zu Freitag eine scharfe Handgranate auf eine Asylunterkunft in Baden-Württemberg geworfen. Der Fall schockiert Justiz und Politik gleichermaßen.

Unbekannte haben in der Nacht zum Freitag einen Handgranaten-Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen verübt. Die Granate sei mit Sprengstoff gefüllt gewesen, aber nicht explodiert, erklärte die Polizei in Tuttlingen. Ermittler untersuchen derzeit, ob die Granate einen Zünder hatte und damit tatsächlich scharf war.

"Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war", sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz, auf einer Pressekonferenz in Villingen-Schwenningen. "Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt. Das ist die entscheidende Weichenstellung." Auch Berichte, wonach der Sicherungsstift gezogen war, konnten die Behörden nicht bestätigten. Dies werde noch geprüft, so ein Sprecher.

Mitarbeiter eines Wachdienstes entdeckten den Sprengsatz gegen 1:15 Uhr, wie die Polizei mitteilte. Experten des Entschärfungsdienstes beim Landeskriminalamt Stuttgart hätten die Handgranate dann am frühen Morgen noch auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft gesprengt. 20 Bewohner hätten dafür kurzzeitig ihre Wohnungen verlassen müssen. Derzeit seien in den Gebäuden in einer ehemaligen französischen Kaserne 104 Menschen untergebracht.

Unbekannte haben in der Nacht zum Freitag einen Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen verübt. (Foto: dpa)

Bisher keine heiße Spur

Spezialisten nähmen momentan die Überbleibsel der Granate unter die Lupe, sagte ein Polizeisprecher. Auch die Umgebung des Tatortes werde abgesucht. Angriffe auf Ausländer habe es in der Stadt in der Vergangenheit nicht gegeben." Diese Anschläge kennen wir eigentlich nicht", erklärte der Sprecher. Hinweise auf die Täter gebe es bisher nicht. Zur Aufklärung des Falles habe die Kriminalpolizei in Rottweil eine Sonderkommission mit dem Namen "Container" eingerichtet.

Am Mittwoch hatte es im Zusammenhang mit einer Razzia gegen die Betreiber des rechtsextremistischen Internet-Portals "Altermedia Deutschland" auch Durchsuchungen in dem Schwarzwald-Ort St. Georgen gegeben, der nur 15 Kilometer von Villingen-Schwenningen entfernt liegt. Der Polizei-Sprecher konnte nicht sagen, ob hier möglicherweise ein Zusammenhang besteht.

De Maizière will Verantwortliche vor Gericht sehen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilte den Angriff gegenüber N24 aufs Schärfste. "Das ist inakzeptabel, was da heute Nacht passiert ist. Es ist infam, feige - und deswegen setze ich sehr auf schnelle Ermittlungen und auf eine Anklage der Verantwortlichen. Wir wollen weder, dass Asylbewerber strafbar sind, noch dass gegen Asylbewerber Straftaten begangen werden. Ich verstehe Sorgen, ich verstehe Ängste, ich verstehe Kritik - aber bei Gewalt hört es dann auf."

 

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas verurteilte die Tat scharf. "Das Ausmaß der Gewalt ist erschreckend", erklärte der SPD-Politiker in Berlin. "Wir können alle nur dankbar sein, dass dieses Mal niemand verletzt wurde. Die Täter dürfen nicht ungestraft davonkommen. Sie müssen konsequent ermittelt und bestraft werden", forderte er. Die Zunahme der Angriffe auf Flüchtlinge sei dramatisch. Die neue Qualität der Hetze und Gewalt muss allen Demokraten ein Ansporn sein, noch entschiedener für unsere offene und tolerante Gesellschaft einzutreten", mahnte Maas. "Sprengkörper auf Flüchtlingsheime fliegen heute schon, wir dürfen nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt."

Ähnlich äußerte sich der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. "Dieser feige Anschlag zeigt, dass gewaltbereite Rechtsextremisten durch ihre Taten den Frieden in unserer Gesellschaft gefährden und uns auseinanderdividieren wollen", erklärte sein Vorsitzender Romani Rose. Umso mehr gelte es, für die Demokratie und den Rechtsstaat einzustehen. Besonders Politiker trügen hierbei eine große Verantwortung. "Die populistische Rhetorik in der Asyldebatte führt dazu, dass Ängste bei der Bevölkerung geschürt werden", kritisierte Rose.

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