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Flüchtlinge in Villingen-Schwenningen "Eine Handgranate? Hier bei uns?"

Die Politik sieht eine neue Dimension der Gewalt, die SoKo "Container" ermittelt nach dem Handgranaten-Wurf auf eine Flüchtlingsunterkunft. Was aber denken die Menschen in Villingen-Schwenningen?

Die Frau auf der Straße ist schockiert. "Ich kann das gar nicht glauben", sagt sie. "Eine Handgranate? Hier in unserer Stadt?" Unbekannte haben den Sprengsatz in der Nacht auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar) geworfen. Der Sicherungssplint ist offenbar gezogen, doch die Granate explodiert nicht.

Die Frau, die ihren Namen nicht sagen will, steht in einer Seitenstraße in Villingen-Schwenningen, nur wenige hundert Meter von der betroffenen Asylbewerberunterkunft entfernt. Die Polizei hat die Straßen weiträumig abgesperrt, außer den rot-weißen Bändern, den zahlreichen Beamten und ganz vereinzelt Experten in weißen Schutzanzügen deutet nichts darauf hin, was hier in der Nacht passiert ist.

Es ist gegen 1.00 Uhr, als die Handgranate über einen Zaun auf das Gelände der sogenannten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle geworfen wird. Sie prallt an einem Sicherheitszaun ab und bleibt neben einem Container des Sicherheitsdienstes liegen. Darin hielten sich zu dem Zeitpunkt drei Sicherheitsleute auf. Weil sie nicht explodiert, wird niemand verletzt. Am frühen Morgen können Experten die Granate kontrolliert sprengen.

Anwohner fühlen sich übergangen

Schlimm sei das trotzdem, sagt die Passantin. Sie zeigt hohe Metallzäune, die rund um die Flüchtlingsunterkunft mit 100 Bewohnern stehen. "Die Menschen werden hier angefeindet, mit den Zäunen muss man sie vor uns schützen", sagt sie. "Dabei verlässt doch niemand freiwillig sein Land."

Ein Modell der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien: Unbekannte hatten eine Handgranate dieser Bauart über den Zaun einer Flüchtlingsunterkunft geworfen. (Foto: DPA)

Am frühen Freitagmorgen sind kaum Menschen auf der Straße zu sehen. "Erbsenlachen" heiße die Ecke in der Stadt mit rund 84.000 Einwohnern, nur zehn Gehminuten vom Zentrum entfernt, sagt ein Polizist. Die Sonne scheint auf die Straßen, auf denen letzte Reste von Schnee liegen. Einfamilienhaus reiht sich an Einfamilienhaus, dazwischen stehen auf mehrere Straßen verteilt ehemalige Kasernengebäude, in denen jetzt die Flüchtlinge untergebracht sind. 

Er wundere sich nicht über den Anschlag, sagt ein Anwohner in einer Nachbarstraße. Unzufriedenheit und Ärger über die Flüchtlingskrise stiegen in der Bevölkerung, aber die Politik unternehme nichts dagegen. "Keiner macht was", sagt der Mann. In seinem Viertel in Villingen-Schwenningen seien die Flüchtlinge in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Bussen angekommen, niemand sei vorher darüber informiert worden, sagt der Mann. "Wir haben nicht gewusst, wie viele kommen. Wie lange bleiben sie, woher kommen sie?"

Inzwischen habe sich das Zusammenleben aber eingespielt, es gebe keine größeren Reibereien zwischen Anwohnern und Asylbewerbern. "Wir müssen ja alle miteinander klarkommen", sagt der Mann.

"Die Polizei ist ja da"

Im Sommer habe es ein paar kleinere Probleme gegeben, erzählt eine Frau, die direkt gegenüber einer der Flüchtlingsunterkünfte wohnt. Sie lehnt sich aus ihrem Fenster und zeigt auf die Bäume in ihrem Garten. "Da haben die Flüchtlinge oft bis spät in die Nacht gesessen. Das war einfach zu laut." Nachdem sie das bei der Stadt gemeldet habe, sei jetzt aber alles in Ordnung. "Es ist alles friedlich." Trotzdem habe auch sie mit Ärger gerechnet: "Ich habe mir schon gedacht, dass sie irgendwann mal aufeinander losgehen", sagt sie. "Bei so vielen Nationen auf einem Haufen."

Nur ein paar Meter weiter laufen Ahmad und sein Freund Ghadi an einer der Unterkünfte vorbei. Die Sonne scheint, und die beiden Flüchtlinge wollen ein bisschen frische Luft schnappen. Sie sind seit fast zwei Monaten in Villingen-Schwenningen. "Aber heute Nacht haben wir gar nichts mitbekommen", sagt der Syrer auf Englisch. "Wir wissen nur, dass es ein Problem gegeben hat. Mehr nicht." Machen sie sich Sorgen? "Nein", sagt Ahmad. "Die Polizei ist ja da."

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