Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Flüchtlinge in Villingen-Schwenningen "Eine Handgranate? Hier bei uns?"

Die Politik sieht eine neue Dimension der Gewalt, die SoKo "Container" ermittelt nach dem Handgranaten-Wurf auf eine Flüchtlingsunterkunft. Was aber denken die Menschen in Villingen-Schwenningen?

Die Frau auf der Straße ist schockiert. "Ich kann das gar nicht glauben", sagt sie. "Eine Handgranate? Hier in unserer Stadt?" Unbekannte haben den Sprengsatz in der Nacht auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar) geworfen. Der Sicherungssplint ist offenbar gezogen, doch die Granate explodiert nicht.

Die Frau, die ihren Namen nicht sagen will, steht in einer Seitenstraße in Villingen-Schwenningen, nur wenige hundert Meter von der betroffenen Asylbewerberunterkunft entfernt. Die Polizei hat die Straßen weiträumig abgesperrt, außer den rot-weißen Bändern, den zahlreichen Beamten und ganz vereinzelt Experten in weißen Schutzanzügen deutet nichts darauf hin, was hier in der Nacht passiert ist.

Es ist gegen 1.00 Uhr, als die Handgranate über einen Zaun auf das Gelände der sogenannten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle geworfen wird. Sie prallt an einem Sicherheitszaun ab und bleibt neben einem Container des Sicherheitsdienstes liegen. Darin hielten sich zu dem Zeitpunkt drei Sicherheitsleute auf. Weil sie nicht explodiert, wird niemand verletzt. Am frühen Morgen können Experten die Granate kontrolliert sprengen.

Anwohner fühlen sich übergangen

Schlimm sei das trotzdem, sagt die Passantin. Sie zeigt hohe Metallzäune, die rund um die Flüchtlingsunterkunft mit 100 Bewohnern stehen. "Die Menschen werden hier angefeindet, mit den Zäunen muss man sie vor uns schützen", sagt sie. "Dabei verlässt doch niemand freiwillig sein Land."

Ein Modell der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien: Unbekannte hatten eine Handgranate dieser Bauart über den Zaun einer Flüchtlingsunterkunft geworfen. (Foto: DPA)

Am frühen Freitagmorgen sind kaum Menschen auf der Straße zu sehen. "Erbsenlachen" heiße die Ecke in der Stadt mit rund 84.000 Einwohnern, nur zehn Gehminuten vom Zentrum entfernt, sagt ein Polizist. Die Sonne scheint auf die Straßen, auf denen letzte Reste von Schnee liegen. Einfamilienhaus reiht sich an Einfamilienhaus, dazwischen stehen auf mehrere Straßen verteilt ehemalige Kasernengebäude, in denen jetzt die Flüchtlinge untergebracht sind. 

Er wundere sich nicht über den Anschlag, sagt ein Anwohner in einer Nachbarstraße. Unzufriedenheit und Ärger über die Flüchtlingskrise stiegen in der Bevölkerung, aber die Politik unternehme nichts dagegen. "Keiner macht was", sagt der Mann. In seinem Viertel in Villingen-Schwenningen seien die Flüchtlinge in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Bussen angekommen, niemand sei vorher darüber informiert worden, sagt der Mann. "Wir haben nicht gewusst, wie viele kommen. Wie lange bleiben sie, woher kommen sie?"

Inzwischen habe sich das Zusammenleben aber eingespielt, es gebe keine größeren Reibereien zwischen Anwohnern und Asylbewerbern. "Wir müssen ja alle miteinander klarkommen", sagt der Mann.

"Die Polizei ist ja da"

Im Sommer habe es ein paar kleinere Probleme gegeben, erzählt eine Frau, die direkt gegenüber einer der Flüchtlingsunterkünfte wohnt. Sie lehnt sich aus ihrem Fenster und zeigt auf die Bäume in ihrem Garten. "Da haben die Flüchtlinge oft bis spät in die Nacht gesessen. Das war einfach zu laut." Nachdem sie das bei der Stadt gemeldet habe, sei jetzt aber alles in Ordnung. "Es ist alles friedlich." Trotzdem habe auch sie mit Ärger gerechnet: "Ich habe mir schon gedacht, dass sie irgendwann mal aufeinander losgehen", sagt sie. "Bei so vielen Nationen auf einem Haufen."

Nur ein paar Meter weiter laufen Ahmad und sein Freund Ghadi an einer der Unterkünfte vorbei. Die Sonne scheint, und die beiden Flüchtlinge wollen ein bisschen frische Luft schnappen. Sie sind seit fast zwei Monaten in Villingen-Schwenningen. "Aber heute Nacht haben wir gar nichts mitbekommen", sagt der Syrer auf Englisch. "Wir wissen nur, dass es ein Problem gegeben hat. Mehr nicht." Machen sie sich Sorgen? "Nein", sagt Ahmad. "Die Polizei ist ja da."

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.
 
Bundeskanzlerin Merkel und der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, bei der Veranstaltung in Schwerin.
Bundeskanzlerin Angela Merkel
AfD-Wähler zurückgewinnen
Einheiten der irakischen Perschmerga auf dem Vormarsch in Richtung der IS-Hochburg Mossul.
Schlacht um Mossul
Die Landkarte des Nordirak wird neu gezeichnet
London veröffentlichte ein Foto von der Bombardierung
Luftangriffe
Anti-IS-Koalition greift Trainingslager der Dschihadisten in Mossul an
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will die Beziehungen zu Russland verbessern.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
"Wir können uns Russland nicht einfach wegwünschen"
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Die Bundesregierung will sich von Ankara nicht unter Druck setzen lassen.
Incirlik-Streit
Steinmeier weist türkische Bedingung zurück
Gegenspieler: Horst Seehofer und Angela Merkel. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv
Machtkampf in der Union
Merkels Kanzlerkandidatur von Seehofers Gnaden?
«Ich bin für eine weitere Legislaturperiode, weil Angela Merkel die Richtige ist», sagt hessische Ministerpräsident und CDU-Vize Volker Bouffier. Foto: Alexander Heinl/Archiv
Unterstützung aus den eigenen Reihen
Führende CDU-Politiker für Merkel als Kanzlerkandidatin
Die 28-jährige Fang Hui nach einer Organtransplantation. Sie hat die Leber ihrer Schwester eingepflanzt bekommen. Vergleichsweise wenig Chinesen spenden Organe.
Schlimmer Verdacht in China
Werden Todeskandidaten wieder als Organspender missbraucht?
Afghanistan hat die zweithöchste Kindersterblichkeitsrate der Welt. Von 1000 Kinder sterben 55 vor ihrem fünften Geburtstag.
Kindersterblichkeit in Afghanistan
Eine Million Kinder unterernährt
Vor sechs Monaten hatte eine Jugendliche einen Polizisten bei einer Kontrolle am Hauptbahnhof in Hannover mit einem Messer angegriffen und ihn lebensgefährlich verletzt. Foto: Holger Hollemann/Archiv
Angriff auf Polizisten
IS-Sympathisantin angeklagt
Kanzlerin Merkel empfängt und der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow. Human Rights Watch fordert, dass Merkel Berdimuhamedow bei ihrem Gespräch wegen Menschenrechtsverstößen ermahnt.
Human Rights Watch fordert Merkel auf
Turkmenistan will Haftbedingungen überprüfen lassen
Gabriel hatte der Union vorgehalten, wesentliche Fortschritte in der Flüchtlingspolitik zu blockieren.
SPD-Chef Sigmar Gabriel
CDU und CSU attackieren scharf
Traum von Rot-Rot-Grün? Gregor Gysi glaubt zumindest an eine "Verständigung mit Steinmeier".
Gregor Gysi im Interview
"Der Westen hat im Umgang mit Russland schwere Fehler begangen"
Panzer der syrischen Armee fährt durch einen zerstörten Stadtteil von Homs. (Archiv)
Der Westen ist in Syrien ein Hampelmann
Türkei, Russland und Iran betreiben eiskalte Machtpolitik
Wahlplakate mit Berlins Regierendem Bürgermeister und SPD-Spitzendandidaten der SPD, Müller (2.v.r, SPD) und dem Innensenator und CDU-Spitzenkandidaten, Frank Henkel (l), stehen am in Berlin.
Wahlumfrage für Berlin
Große Hauptstadt-Koalition steht vor Desaster
Milionen Kinder in Deutschland leben in einem Haushalt, der sich keinen Urlaub leisten kann. Foto: Arne Dedert/Archiv
Zu arm für den Urlaub
Millionen Kinder und Jugendliche sind betroffen
Türkische Panzer rücken in Syrien vor.
Türkei nimmt Kurden ins Visier
Syrische Kurdenmilizen rüsteten Manbidsch auf
Bundeskanzlerin Merkel steht am 28. August in Berlin während des Tages der offenen Tür der Bundesregierung inmitten von Bürgern im Bundeskanzleramt. Foto: Rainer Jensen
Kanzlerkandidatur 2017
Die CDU und ihre Sorge vor einer Merkel als "lahme Ente"
Im bekenntnisorientierten Religionsunterricht geht es nicht nur um den Islam.
Religionspädagogik
Woran es Islamunterricht in Deutschland mangelt
SPD-Wahlplakat in Berlin: Sind Toleranz und Weltoffenheit tatsächlich in Gefahr?
Wahlkampf in Berlin
"Ich habe nichts gegen Schwule, aber..."