Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Geheime Aktion Nato simuliert Angriff aus dem Osten

Die permanenten russischen Drohgebärden sorgen für Unruhe bei der Nato. Nun wollen die Verteidigungsminister den Ernstfall proben. Es geht um eine Attacke auf das Bündnis. Der Feind: Russland.

Ende Februar 2014 besetzten "grüne Männchen" im Handstreich den internationalen Flughafen und das Parlament auf der Krim, damals noch ukrainisches Territorium. Die Militärs waren schwer bewaffnet, aber sie trugen keine Hoheitsabzeichen an ihren Uniformen. Es waren russische Spezialeinheiten. Mit dem Hissen der russischen Flagge leiteten sie die Annexion der Krim und damit die Ukraine-Krise ein, die bis heute anhält.

Um auf solche "hybriden Szenarien" vorbereitet zu sein, spielen die Nato-Verteidigungsminister bei ihrem nächsten zweitägigen Treffen in Brüssel einen Angriff aus dem Osten auf das Bündnis durch. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" aus hohen Kreisen des Bündnisses sollen die 28 Minister "mit einer Situation in einer hybriden Lage konfrontiert werden".

Ziel sei es, das Bewusstsein in den Nato-Staaten für potenzielle Gefahren zu wecken – dass diese vornehmlich aus dem Osten, aus Russland droht, will man in Brüssel so nicht explizit sagen. Doch die Sensibilität angesichts der permanenten russischen Drohgebärden ist groß. Deshalb sollen die Minister den politischen Entscheidungsprozess bei einer ernsthaften Bedrohung simulieren, "sie üben Krisenmanagement", heißt es im Bündnis. "Die Minister müssen bei dieser Simulation unter Zeitdruck entscheiden, was die Nato tut – inklusive der Verlegung von Truppen", sagt ein Nato-Diplomat.

Auch interessant: Ein Besuch bei Verzweifelten

Etwa wenn durch das Einsickern "grüner Männchen" in einen Nato-Staat – besonders die baltischen Länder gelten als gefährdet – eine Konfliktsituation entsteht, die von den Bündnispartnern als Angriff auf ein Mitglied und damit auf alle Nato-Staaten gewertet wird.

Die Nato-Botschafter haben solche Szenarien im vergangenen Jahr, unbemerkt von der Öffentlichkeit, bereits zwei Mal durchgeführt – einmal in einem "östlichen" und einmal in einem "südlichen" Kontext. Letzterer bezieht sich auf die Gefahr durch islamische Extremisten an den südlichen und südöstlichen Nato-Grenzen.

Die streng geheime Simulation findet am 11. Februar statt, zum Ende des Ministertreffens. Außer den Verteidigungsministern werden auch der Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, der Oberkommandierende in Europa (Saceur) und der Oberkommandierende des US-Hauptquartiers der Nato in Norfolk teilnehmen.

Die Übung der Minister geht auf den Wunsch verschiedener Mitgliedsstaaten zurück, die Abläufe auch auf höchster politischer Ebene zu trainieren. "Diese informelle Arbeitssitzung ist Teil der Standardprozeduren in der Allianz", erklärte ein Nato-Sprecher auf Anfrage der "Welt am Sonntag".

Putin testet Nuklearangriff auf Polen

"Die Minister werden einen offenen Meinungsaustausch über die Überlegungen und Verfahren bei der Entscheidungsfindung während einer Krise haben", hieß es weiter. Seit der Ukraine-Krise arbeitet die Nato intensiv an einer Antwort auf die hybride Kriegsführung Putins, die über konventionelle Kriegsführung weit hinausgeht: Propaganda durch gesteuerte Medien, Instrumentalisierung von Minderheiten, Energieversorgung als Erpressung und eben die Einschleusung "grüner Männchen".

Das Bündnis ist indes vorsichtig, solche Übungen nicht als gegen ein konkretes Land gerichtet zu sehen. Vielmehr sollen die Minister ein "generisches" Szenario durcharbeiten. Die Militärs sind da schon deutlicher: Bei der Übung "Trident Juncture" im Juni 2015 in Polen setzte eine Nato-Übermacht eine eingesickerte Einheit außer Gefecht.

Die Blaupause Krim war nicht zu verleugnen. Russland selbst kennt bei seinen Militärdemonstrationen überhaupt keine Scham: Präsident Putins Soldaten übten in der Vergangenheit bereits die Besetzung des Baltikums und einen Nuklearangriff auf Polen.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.