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Nordroute für Flüchtlinge Gestrandet im eisigen Murmansk

Als teuer aber sicherer galt die Nordroute für syrische Flüchtlinge. 20.000 Dollar zahlte die Familie al-Masihi für die Reise mit Ziel EU. Nun sitzen sie im bitterkalten Murmansk fest. 

Maher al-Masihi sitzt in seinem Zimmer in der nordrussischen Stadt Murmansk. Draußen türmt sich der Schnee, die Temperatur liegt weit unter dem Gefrierpunkt. Er holt ein Smartphone heraus und blickt auf eine Landkarte von Syrien, wo das Wetter deutlich freundlicher ist. Doch abgesehen vom Wetter ist Al-Masihi froh darüber, in Russland zu sein.

Und er hat Angst davor, nach Syrien zurückgeschickt zu werden. "Wir können nicht zurückkehren. In unserem Dorf, in der Nähe unseres Hauses, ist ein großer Krieg", sagt er.

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Möglicherweise bleibt Al-Masihi und seiner vierköpfigen Familie aber nicht mehr viel Zeit in Russland. Eigentlich wollte er wie Tausende andere Syrer über Russland nach Westeuropa gelangen. Viele gingen über die Grenze nach Norwegen, wo Asylsuchende ohne Visa zunächst aufgenommen wurden.

Doch dann verschärfte Norwegen die Einreisebestimmungen für Asylsuchende und erwägt, einige der bereits über Russland Eingereisten abzuschieben. Die Touristenvisa von Al-Masihi und seiner Familie für Russland sind inzwischen abgelaufen. Moskau kann sie zur Ausreise binnen 15 Tagen zwingen. Jetzt, sagt Al-Masihi, wollten sie versuchen, nach Finnland zu gelangen, "nur um sicher zu sein".

Viel Geld, weniger Gefahr

Die Route über Russland war für Al-Masihi extrem teuer. Alles in allem habe er für sich und die Familie etwa 20.000 Dollar (18.500 Euro) gezahlt, sagt er. Sein Freund Nihad Sadder, der sich mit drei Familienmitgliedern in Murmansk aufhält, hat nach eigenen Angaben 18.000 Dollar gezahlt. "Ich habe mein Auto in Syrien verkauft. Ich habe alles verkauft", erklärt Al-Masihi, der in seiner Heimat als Telekommunikationsingenieur arbeitete.

Er und Sadder seien zu dem Schluss gekommen, dass es besser sei, so viel Geld auszugeben als den Seeweg nach Griechenland und dann die Balkanroute zu nehmen. "Diese Route ist gefährlich. Viele Männer aus unserem Dorf sind tot", nachdem sie vergeblich versucht hätten, das Meer zu überwinden, sagt Sadder, der in einem Café arbeitete und ein Uhrengeschäft führte. "Vor dem Krieg waren wir in einer guten Lage", erklärt Al-Masihi.

Zwar dürfen Asylsuchende theoretisch noch immer über Russland nach Norwegen einreisen, doch hat die Regierung in Oslo damit begonnen, Migranten mit gültiger Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis in Russland abzuschieben. Dies schreckt viele potenzielle Asylsuchende ab. Russland erlaubt Asylsuchenden ohne gültiges Visum nicht mehr, die Grenze nach Norwegen zu passieren.

 

Doch bürokratische Hindernisse erschweren auch den Weg nach Finnland und verlängern den Aufenthalt vieler Flüchtlinge in Russland. Manche Asylsuchende warten bis zu einem Monat auf die Erlaubnis, sich zu den Grenzübergängen zu Finnland begeben zu dürfen. Diese befinden sich jenseits einer russischen Militärzone. Die Hotels entlang der Straße von Murmansk nach Finnland sind deshalb voll mit wartenden Flüchtlingen.

Nach Angaben der finnischen Grenzbehörden reisten im Januar mehr als 460 Asylsuchende über Russland ein. Die Unterbringung in örtlichen Hotels wird manchmal kostenlos von einer lokalen Nichtregierungsorganisation zur Verfügung gestellt, die Ausländern in der Region Murmansk hilft. Mehrere Flüchtlinge sagten der Nachrichtenagentur AP aber, sie müssten für ihre Unterkunft bezahlen.

Al-Masihi schaut häufig auf sein Mobiltelefon. Nicht, um auf der Karte nachzusehen, wie weit er schon gekommen ist oder um seinem zurückgelassenen Zuhause nachzutrauern, sondern um zu schauen, ob endlich die Nachricht gekommen ist, dass er mit seiner Familie nach Europa einreisen darf.

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