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Milliarden für Bomben und Raketen Das lukrative Geschäft mit dem Hightech-Tod

Die USA machen daraus kein Geheimnis: Bomben und Raketen aus heimischer Produktion gehen in die ganze Welt. Die Preise gehen durch die Decke, auch weil die Waffen immer präziser töten.

Das US-Verteidigungsministerium zeigt keine Scheu. Im Gegensatz zur Geheimniskrämerei in Deutschland und Europa veröffentlichen die US-Militärs jeden Wochentag ihre Rüstungsbestellliste. Darin steht, welche Firma welchen Auftrag mit welcher Summe erhält. Regelmäßig tauchen darin auch Aufträge für Bomben und Lenkwaffen mit unglaublichen Werten auf.

So wurde beispielsweise Mitte November eine Lieferung über 1,29 Milliarden Dollar für Luft-Boden-Munition an Saudi-Arabien verkündet. Geliefert werden fast 30.000 Bomben verschiedener Gewichtsklassen und unterschiedlicher Technik. Grob gerechnet sind das im Durchschnitt 40.000 Dollar pro Bombe.

Der Milliarden-Auftrag für Bomben an Saudi-Arabien steht beispielhaft für die gewaltigen Rüstungslieferungen der USA in den Mittleren Osten. Die amerikanischen Rüstungsfirmen und die Politik berichten mit Stolz über Multi-Milliardenaufträge für Kampfjets, dazu passende Bomben und Raketenabwehrsysteme – das ist befremdlich, sterben durch die Waffen doch Jahr für Jahr Menschen, auch viele Unbeteiligte.

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Deutschland verfolgt denn auch eine sehr restriktive Exportpolitik in die Region. Waffengegner fordern ein komplettes Exportverbot. Gestoppt sind bereits die Lieferungen von Sturmgewehr-Bauteilen durch Heckler & Koch an Saudi-Arabien. Nach Angaben des Berliner Wirtschaftsministeriums beliefen sich im zweiten Halbjahr 2015 die gesamten deutschen Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien auf etwa 91 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die USA exportierten 2015 für schätzungsweise knapp zehn Milliarden Dollar Waffen in das islamische Königreich.

Technischer Wandel zu immer mehr Elektronik

Um welche Dimensionen es sich im weltweiten Geschäft mit Bomben handelt, geht auch aus einer jüngst veröffentlichten Liste der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations hervor. Danach haben allein die US-Streitkräfte 2015 weltweit 23.144 Bomben in sechs Ländern abgeworfen. Allein gut 22.000 Bomben fielen auf das Territorium des Irak und Syrien im Kampf gegen die Terrororganisation des Islamischen Staates (IS). Angeblich kamen dabei bislang mindestens 25.000 IS-Kämpfer ums Leben.

Hinter den Milliardensummen für die tödliche und zerstörerische Fracht aus der Luft steht auch ein technischer Wandel zu immer mehr Elektronik und Steuertechnik der Sprengkörper. Neben den simplen Abwurf von Bomben, die im freien ballistischen Fall bestmöglich auf etwa 50 bis 75 Meter genau treffen und ein paar Hundert oder wenige Tausend Dollar kosten, sind neue Möglichkeiten getreten.

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Zwar gab es schon im Zweiten Weltkrieg zielgesteuerte Sprengkörper. Doch erst die Entwicklung der Markierung eines Ziels per Laserstrahl oder einer Positionsbestimmung der anfliegenden Bombe durch Navigationssatelliten wie GPS, sorgten für eine große Nachfrage bei den Militärs. Mehr Technik bedeutet aber auch höhere Kosten.

200.000 Dollar für eine High-Tech-Bombe

Die Treffgenauigkeit liegt inzwischen bei rund einem Meter, heißt es in der Branche. Es sind Angriffe auch bei Nacht möglich und die Bomben fallen nicht plump ins Ziel. Neue Bombengenerationen haben sogar ein programmierbares Flugprofil und werden im gewünschten Einschlagwinkel ins Ziel gelenkt.

Dazu wird der Sprengkörper mit einem Zielsuchkopf an der Spitze, viel Elektronik und Steuerflügeln ausgerüstet. Für den Angriff wird das Ziel etwa zehn Sekunden vor dem Einschlag durch für das menschliche Auge nicht sichtbare Laserstrahlen entweder vom Flugzeug oder durch Verbündete am Boden markiert und beleuchtet. An der Reflexion der Laserstrahlen orientiert sich die Lenkbombe.

Cruise-Missile kostet knapp eine Million Dollar

Der US-Rechnungshof ermittelte, dass beim Zweiten Golfkrieg 1990/91 eine ungelenkte Bombe durchschnittlich 649 Dollar kostete und eine lasergelenkte über 31.000 Dollar. Einzelne Bombentypen, wie die GBU-16, kosteten pro Stück 150.000 Dollar. Insgesamt wurden damals gut 220.000 Sprengkörper abgeworfen.

25 Jahre später sind die Kosten gestiegen. Neben Bomben gibt es auch Lenkwaffen mit Raketentriebwerken für Bodenziele und die häufig als Cruise-Missiles bezeichneten Marschflugkörper. Sie steuern mit einem eigenen Antrieb über große Strecken ihr Ziel an. Der Preis einer modernen High-Tech-Bombe samt Lenktechnik-Kit kann über 200.000 Dollar betragen.

Eine Cruise-Missile kostet je nach Typ sogar grob eine Million Dollar. Die Bundeswehr bestellte 2005 beispielsweise 600 Taurus-Marschflugköper für 540 Millionen Euro, die vom Tornado oder Eurofighter starten. Das Bundesverteidigungsministerium kauft auch US-Technik. Ende 2014 wurden für 17,2 Millionen Dollar bei Boeing Steuer- und Lenksysteme für Bomben bestellt.

Auch Deutschland mischt mit

Zu den führenden westlichen Herstellern gehören vor allem US-Firmen, wie der in der Öffentlichkeit für seine Zivilflugzeuge bekannte Boeing-Konzern sowie Lockheed Martin oder Raytheon. Unter den Konzernen gibt es einen harten Wettbewerb um die Aufträge. So war Raytheon in den späten 60er-Jahren zunächst Alleinlieferant der weitverbreiteten US-Präzisionslenkbomben-Familie Paveway, übersetzt "den Weg ebnen", und Lockheed klagte sich in Bestellungen.

Großer europäischer Mitspieler beim Bau von Bomben und Lenkwaffen ist der MBDA-Konzern, mit Standorten in Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland und Spanien. An dem 2001 geformten Konzern sind die führenden Luftfahrt- und Rüstungsfirmen beteiligt, also die Airbus Group, BAE Systems (Großbritannien) und Alenia (Italien).

In Deutschland spielen auch Firmen aus der Diehl-Gruppe, wie Diehl BGT oder Junghans Microtec sowie Rheinmetall über seine Tochter RWM Italia im Bomben- und Zündergeschäft mit. Diehl BGT hat die sonst im Luftkampf verwendete US-Sidewinder-Lenkwaffe mit gut 80.000 Dollar Stückpreis zur Bekämpfung von Bodenzielen weiterentwickelt. Zum Geschäftsmodell der Rüstungsfirmen gehört häufig, dass sie sowohl Angriffswaffen produzieren, aber gleichzeitig auch am Verkauf von Abwehrsystemen verdienen.

Einstellbare Sprengwirkung

Die Bomben- und Lenkwaffen-Anbieter buhlen dabei mit Neuentwicklungen um Aufträge der Militärs. Ein Ziel ist die Präzision der Treffer. Die deutsche Firma TDW Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme mbH, die wiederum zu MBDA Deutschland gehört, geht einen Schritt weiter. Sie hat eine Technik erfunden, mit der sich die Sprengkraft einer Bombe einstellen lässt. Ihre Wirkung kann zwischen zehn und 100 Prozent reguliert werden, heißt es in Präsentationen der Spezialtechnik mit dem Namen Radius.

Ein Bombentyp hat damit nicht immer die gleiche Sprengkraft. Dies hilft nach Angaben von TDW "Kollateralschäden" zu verringern, wie in der Militärsprache zivile Opfer und unbeabsichtigte Zerstörung bezeichnet werden. Im Oktober führten die TDW-Experten auf einem britischen Testgelände ihre Technik der einstellbaren Bombenwirkung internationalen Kunden vor. Wie es den deutschen Bombenentwicklern gelingt, dass nur ein Teil der Sprengladung seine tödliche Wirkung entfaltet, sei Betriebsgeheimnis, heißt es. Die Technik der einstellbaren Wirkung, im Fachjargon "Dial-a-Yield", gehört zum großen Zukunftsrepertoire im Milliardenmarkt der Bombenbranche.

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