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TV-Debatte der Republikaner Für Trump ist Waterboarding noch zu harmlos

Die letzte TV-Debatte der Republikaner vor der Vorwahl in New Hampshire hat so einige Höhepunkte zu bieten. Jeb Bush trumpft erstmals auf, während Donald Trump das Publikum beleidigt.

Die letzte TV-Debatte der Republikaner vor der wichtigen Vorwahl in New Hampshire war eine, bei der Nordkorea sich uneingeladen in den Vordergrund spielte, bei der das neue Wunderkind Marco Rubio kräftig Prügel bezog, bei der Donald Trump das Publikum beleidigte und Jeb Bush den Immobilienmogul das erste Mal ausknockte. Und bei der die Republikaner in Drogenfragen weich wurden. Mit einem Wort: Es war eine Menge los.

Prügel für Marco Rubio

Nach seinem guten Abschneiden in Iowa und seinem rasanten Aufstieg in den Umfragen in New Hampshire musste Marco Rubio klar gewesen sein, dass er bei dieser Debatte ins Zentrum der Kritik geraten würde. Aber offenbar war er weder darauf vorbereitet, aus welcher Ecke die Attacke kommen, noch wie heftig sie sein würde. Es war nämlich nicht etwa Jeb Bush, der das Feuer auf Rubio eröffnete, sondern New Jerseys Gouverneur Chris Christie.

Gleich am Anfang warf er Rubio vor, noch nie in eine wirklich folgenreiche Entscheidung involviert gewesen zu sein und nie für irgendetwas zur Rechenschaft gezogen worden zu sein als Senator. Er habe einfach nicht die nötige Erfahrung, um Präsident zu sein, genauso wenig wie Barack Obama sie gehabt habe. Rubio konterte mit einigen Gesetzesinitiativen, an denen er beteiligt war, wich dann aber auf ein anderes Schlachtfeld aus.

Es stimme gar nicht, dass Obama keinen Plan gehabt habe, so Rubio. Tatsächlich sei er einer wohl überlegten Strategie gefolgt, nämlich Amerika zu verändern, ihm seine Besonderheit zu nehmen und es zu einem Land wie jedem anderen in der Welt zu machen. Immer wieder in der ersten Stunde griff Christie Rubio scharf an, und immer antwortete dieser mit Obama. "Da ist sie wieder, die auswendig gelernte 25-Sekunden-Rede", ätzte Christie. Rubio sah nicht gut aus und seine ständige Wiederholung derselben Sätze wurde schnell zum Witz in den sozialen Netzwerken.

Nordkoreas Raketenstart

Carly Fiorina war wegen schlechter Umfragewerte nicht auf die Bühne gebeten worden, dafür hatte sich Nordkorea selbst eingeladen, das kurz vor Beginn der Debatte eine Langstreckenrakete getestet hatte und damit erneut gegen UN-Sicherheitsratsresolutionen verstieß. Trump forderte, dass China Pjöngjang einhegen müsse, während Ohios Gouverneur John Kasich sagte, er sei am meisten darüber besorgt, dass Nordkorea Technik und Nuklearmaterial an nichtstaatliche Akteure, etwa Terroristen, weitergeben könnte. Andere warnten davor, dass der Iran denselben Weg nehmen könnte wie die Nordkoreaner.

Jeb Bushs erster Treffer gegen Trump

Zu einem heftigen Zusammenprall kam es dann zwischen Trump und Bush beim Thema staatlicher Enteignungen, die in New Hampshire derzeit sehr unbeliebt sind. Trump gab ein feuriges Plädoyer dafür ab, ohne solche Enteignungen sei der Bau von Infrastruktur gar nicht denkbar. Worauf Bush ihm vorwarf, er habe das Instrument einst bei einem Casinobau in Atlanta nicht etwa zum öffentlichen Nutzen gebrauchen wollen, sondern um eine ältere Frau zu enteignen und auf ihrem Grund und Boden einen Limousinen-Parkplatz zu bauen.

Als Trump zum Gegenangriff überging und Bush vorwarf, von den Interessen von Großspendern abhängig zu sein, wurde er vom Publikum ausgebuht. Worauf er die Zuschauer beleidigte und meinte, die seien auch alle Establishment-Unterstützer. Das kam gar nicht gut an. Es war das erste Mal überhaupt bei einer TV-Debatte der Republikaner, dass Jeb Bush gegen Trump einen echten Treffer erzielte.

Umdenken beim Thema Drogen

Es war auch die erste Debatte der Republikaner, bei der das Publikum im ganzen Land Zeuge eines Umdenkens der Republikaner in Drogenfragen wurde, das sich bei Wahlkampfveranstaltungen in New Hampshire schon lange abgezeichnet hatte. Es ist ein Thema, dass die Leute im "Granit-Staat" umtreibt, weil New Hampshire eine der Regionen ist, die von der neuen Welle von Drogenabhängigen besonders stark betroffen ist. Es ist eine neue Epidemie im Land, die oft mit Schmerzmittelabhängigkeit beginnt und dann in illegalen Drogen endet. Und die, anders als früher, besonders die weiße Bevölkerung erfasst hat.

Ted Cruz, der erzkonservative Gewinner von Iowa, hatte einen sehr emotionalen Moment, als er über die Drogenabhängigkeit seiner Halbschwester sprach, die später an einer Überdosis starb. "Das ist eine absolute Epidemie, mit der wir klarkommen müssen", sagte er. Christie meinte, es sei eine Krankheit, die auch wie solch eine behandelt werden sollte. Und er plädierte dafür, dass Drogennutzer, die zum ersten mal erwischt würden, nicht ins Gefängnis wandern, sondern Hilfe bekommen. Eine Position, wie sie etwa auch Rubio vertritt oder Ohios Gouverneur John Kasich. Das Problem der Opiateabhängigkeit hat inzwischen auch die Kernwähler der Republikaner erreicht und es wurde deutlich, dass in der Partei derzeit ein Umdenken stattfindet und eine Abkehr von der Law-und-Order-Politik vergangener Zeiten.

Trump will foltern lassen

Bei der Einwandererfrage hatte Christie zwar Rubio noch einmal in Bedrängnis gebracht, aber der aus dem Gleichgewicht gebrachte Hoffnungsträger fing sich immer mehr, je länger der Abend andauerte. Bei den Themen Islamischer Staat und Außenpolitik allgemein zeigte er sich inhaltlich sattelfest und souverän, anders als etwa Cruz, der daran festhielt, den IS mit einem Bombenteppich überziehen zu wollen, der aber "gezielt" sein solle.

Oder auch als Trump, der auf die Frage, ob er Waterboarding für Folter halte und es wieder einführen wolle, antwortete, er würde nicht nur das Waterboarding wieder einführen, sondern "auch noch sehr viel Schlimmeres". Cruz meinte hingegen, Waterboarding sei laut allgemeiner Definition gar keine Folter. Er würde das aber nur in Ausnahmefällen zulassen.

Gewinner

Es waren die Gouverneure Jeb Bush, Chris Christie und John Kasich, die diesmal die Debatte gewannen. In vielen Detailfragen argumentierten sie aus ihrer täglichen Regierungspraxis heraus und zeigten, dass Erfahrung eben auch ein wichtiges Element von Politik ist, selbst wenn man sich damit dem bei der republikanischen Basis gefährlichen Ruf aussetzt, Teil des Establishments zu sein.

In gewisser Weise gewann aber auch Donald Trump. Nicht, weil er einen besonders guten Abend gehabt hätte, der war eher mäßig für ihn gelaufen, zumal im Konflikt mit Bush. Aber er führt immer noch in den Umfragen und statt im Zentrum der Angriffe zu stehen, konnte er genüsslich zusehen, wie sich seine Verfolger untereinander in die Haare kriegten.

Verlierer

Einer der Verlierer war Marco Rubio. Der hatte zwar noch einige brilliante Momente, etwa bei der Frage nach konservativen Prinzipien oder mit seinen eloquenten Ausführungen über die Themen Homo-Ehe und Abtreibung, die bei Konservativen gut ankamen. Aber seine Unfähigkeit, ein wirksames Mittel gegen Christies Angriffe zu finden, wird sicher einige Zweifel wecken bei Wählern und bei Spendern, die mit dem Gedanken spielen zu Rubio zu wechseln.

Ted Cruz hatte zwar keinen Aussetzer wie Rubio, aber auch er hatte keinen guten Abend, weil ihm seine Tricksereien aus Iowa noch nachhängen, als seine Kampagne versucht hatte Wähler mit der Behauptung zu täuschen, Ben Carson sei aus dem Rennen ausgestiegen.

Carson selbst war minimal engagierter als in früheren Debatten, bot aber dennoch die schwächste Vorstellung aller Kandidaten.

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