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Börsencrash in Griechenland Die Angst ist zurück

Die Flüchtlingskrise hat die Finanznöte Griechenlands aus dem Fokus verdrängt. Doch die Lage ist äußerst angespannt. Am Montag rauschte die Börse in die Tiefe. Die Angst ist zurück.

Griechenland fliegt derzeit weitgehend unter dem Radar. Der Streit mit den Gläubigern über die Fiskalziele. Der Streit mit den Gläubigern über die Steuerreform für griechische Bauern. Der Streit über das richtige Maß der anstehenden Rentenreform. Alles wichtige Fragen. Die Menschen in Deutschland haben sie zuletzt kaum beschäftigt. Die Flüchtlingskrise war wichtiger. Und auch die Finanzmärkte blieben in den vergangenen Monaten beim Thema Griechenland recht entspannt. Das ändert sich gerade.

Am Montag stürzten die Kurse an der Börse in Athen ab. Minus sechs Prozent notierte der Leitindex ASE am Mittag. Das ist nicht mehr so weit entfernt vom historischen Tief des vergangenen Sommers. Schon in der Vorwoche fielen die Kurse um fast neun Prozent. Bankaktien litten am stärksten. Einen Kursverlust von fast einem Fünftel verbuchten sie.

In der griechischen Hauptstadt gesellte sich zu den allgemeinen Konjunktursorgen noch eine andere Unsicherheit. Die große Frage lautet: Wird sich Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Geldgebern auf ein Reformpaket einigen? Oder kommt es wieder zu einem Hickhack wie im vergangenen Jahr, in dessen Folge Athen fast aus dem Euro geflogen wäre?

Viel hat sich geändert seit dem vergangenen Sommer. Die Flüchtlingskrise hält Europa in Atem. Vor allem Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Frau, die anderen Europäern in der Euro-Krise ihren Willen aufdrückte, ruft nun selbst nach Hilfe. Kann sie den Griechen den noch immer von Deutschland favorisierten Reformkurs verordnen? Oder muss sie sich jetzt weich und nachgiebig geben? Fragen über Fragen. Keine ist wirklich beantwortet. Das macht die Sache auch so diffizil.

Muss Merkel im Umgang mit Tsipras Härte zeigen?

In Athen, Brüssel, Washington und auch Berlin tasten die Beteiligten ihre politischen Gegenüber nach Schwachstellen ab. Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) – ein Mitglied der Troika zusammen mit EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) – versuchen bei Besuchen in Berlin zu erfahren, ob die Bundesregierung hinter einem harten Kurs des Fonds stünde – oder angesichts der Flüchtlingskrise klein beigibt.

Die Griechen wiederum wissen nicht so ganz genau, ob Merkel angesichts ihrer eigenen Probleme nun kein Interesse hat, den Konflikt mit Athen wieder eskalieren zu lassen. Oder ob sie vielleicht gerade Härte im Umgang mit Tsipras zeigen muss, um Partei und Land einigermaßen hinter sich zu halten.

Die Lage ist unübersichtlich. Und das macht es so schwierig. Die Griechen haben den europäischen Geldgebern eine Rentenreform vorgeschlagen, die Einsparungen in der Höhe von rund einem Prozent der Wirtschaftsleistung bringen soll. Das ist hart in einem Land, in dem rund die Hälfte der Bevölkerung wegen der hohen Arbeitslosigkeit in irgendeiner Art von Zahlungen der Rentenkasse lebt.

Um 1,8 Milliarden Euro sollen die staatlichen Ausgaben für die Rente sinken: Die Beiträge sollen dafür steigen, die Renten sinken. Zehntausende Menschen protestierten vergangene Woche dagegen. Dennoch könnte ein Kompromiss zwischen EU-Kommission und griechischer Regierung möglich sein. Wäre da nicht der IWF. Dem reicht das eine Prozent an Einsparungen hinten und vorn nicht. Die Institution rechnet nämlich anders. 

Drei Prozent brauchen die Griechen nach Kalkulation der Experten aus Washington dem Vernehmen nach auf mittlere bis lange Sicht, um das griechische Rentensystem nachhaltig auf stabile Füße zu stellen. Zusätzlich muss noch ein Rentenurteil des Obersten Gerichts vom vergangenen Jahr kompensiert werden. Man redet über Summen, die sich auch in Deutschland nicht durchsetzen ließen. Dennoch lässt sich die Rente – und damit auch der Haushalt – aus Sicht des IWF kaum anders stabilisieren.

Anleger sind verunsichert

Nun will der Fonds wissen, ob die Europäer hinter den Forderungen stehen. Wenn nicht, dann drohen einige Experten mit dem Ende der Finanzhilfen für Griechenland durch den IWF. Die Griechen würde das kaum stören, die EU-Kommission nicht, Franzosen und Italiener könnten wohl auch damit leben. Angela Merkel jedoch nicht. Seit Beginn der Rettungspakete für Athen gehörte es zum Mantra der CDU-geführten Bundesregierungen, dass es Hilfen für Griechenland nur geben könne, wenn auch der IWF sich daran beteilige – als Korrektiv gegen die aus Sicht der Deutschen zu weiche EU-Kommission, als Aufpasser, als Experte in Sachen Staatssanierung.

Daran hat sich bis heute offenbar nichts geändert. Geht es nach der Bundesregierung, wird sie mit dem Abschluss des nächsten Review und den Ergebnissen der Schuldenstandsverhandlungen mit Griechenland nur dann vor den Bundestag treten, wenn auch der IWF bei der Stange bleibt. Das zumindest betonen deutsche Regierungskreise derzeit. Politisch ließe sich etwas anderes in Deutschland derzeit ohnehin kaum vermitteln. Für die AfD – die Euro-feindliche Rechtsaußenpartei – wäre das ein Riesenerfolg. Merkels Union würde eine Abkehr vom IWF in der Griechenland-Frage noch tiefer spalten.

Premier Tsipras und sein Finanzminister Euclid Tsakalotos müssen also einen Kompromiss mit dem Fonds finden, wenn sie Geld von Berlin und den anderen Europäern wollen. Ausgeschlossen ist das nicht. Garantiert allerdings auch nicht. Und das verunsichert die Anleger zu Recht.

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