Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Siegeszug der Außenseiter Donald Trump und Bernie Sanders triumphieren in New Hampshire

Donald Trump und Bernie Sanders haben die Wahl in New Hampshire gewonnen. Dass einer von ihnen ins Weiße Haus einzieht wird immer wahrscheinlicher, denn Hillary Clinton hat ein großes Problem.

Es war ein katastrophaler Wahltag für das amerikanische Establishment in Wirtschaft und Politik. Sowohl bei den Republikanern wie bei den Demokraten haben mit Donald Trump und Bernie Sanders Außenseiter gewonnen, die die Finanzindustrie hassen, gegen Freihandelsverträge sind und darüber reden, dass die Reichen die Politik gekauft haben.

"Was heute Nacht passiert ist, wird ein Echo haben von Wall Street bis nach Washington", rief der Sozialist Bernie Sanders seinen Anhängern nach seinem überwältigenden Sieg gegen Hillary Clinton bei den Vorwahlen in New Hampshire zu. Das amerikanische Volk werde nicht weiter ein korruptes System der Parteienfinanzierung akzeptieren und ein gezinktes Wirtschaftssystem.

Mehr zum Thema: Warum Hillary Clinton jetzt auf Bernie Sanders macht

Der republikanische Sieger Donald Trump sagte, er werde "der größte Präsident in Sachen Jobs sein, den Gott je erschaffen hat" und lieferte seine üblichen Tiraden gegen China, Mexiko und Japan, die Amerika in Sachen Handel über den Tisch ziehen würden.

Das Ergebnis von New Hampshire stürzt beide Parteien in die Krise. Bei den Demokraten verkörpert niemand so sehr das Establishment wie die Clintons, denen Parteifunktionäre im ganzen Land verpflichtet sind. Sanders hat nach der Auszählung von 77 Prozent der Stimmen nun mit einem Abstand von 21 Prozent einen Erdrutschsieg errungen, der Clintons Kampagne landesweit in Schwierigkeiten bringen könnte.

Clinton hat ein enormes Glaubwürdigkeitsproblem

Besonders beunruhigend für Hillary ist Sanders' Vorsprung bei den 18- bis 29-Jährigen, die zu 85 Prozent den Senator aus Vermont gewählt haben, ähnlich wie schon in Iowa. Sanders hat auch 55 Prozent der Frauen und fast jede andere demografische Gruppe für sich gewonnen. Clinton hatte nur Erfolg bei den über 65-Jährigen und denen, die über 200.000 Dollar im Jahr verdienen. Diejenigen, die "Ehrlichkeit" für den wichtigsten Wert in einem Politiker halten, haben zu 91 Prozent Sanders gewählt – was zeigt, dass Hillary ein enormes Glaubwürdigkeitsproblem hat.

Mehr zum Thema: Das ist der Obama der Republikaner

Clinton gab sich in ihrer Rede jedoch kämpferisch. "Es kommt nicht darauf an, dass man mal zu Boden geht, es kommt darauf an, dass man wieder aufsteht", sagte sie ihren Anhängern. Sie hofft, in South Carolina besser abzuschneiden, wo sehr viel mehr Minderheiten leben als im "weißen" New Hampshire. Schwarze und hispanische Wähler gelten als Gruppen, die bisher sehr viel deutlicher zu Clinton neigten als zu Sanders. Das hatte man vor New Hampshire allerdings auch von Frauen gedacht, die dann aber ebenfalls in Scharen zu Sanders übergelaufen sind.

Bei den Republikanern hat Trump mit gut 34 Prozent mehr als doppelt so viele Stimmen geholt wie der Zweitplatzierte John Kasich (16 Prozent), der Gouverneur von Ohio. Kasich, ein kumpelhafter, mitfühlender Konservativer, hat enorm viel Energie und Zeit in New Hampshire investiert, was sich nun ausgezahlt hat. Da er aber über wenig finanzielle Ressourcen verfügt, ist unklar, ob er im weiteren Verlauf der Vorwahlen wirklich eine Rolle spielen wird.

Hillary Clinton und ihr Mann Bill. Die Demokratin hofft, in South Carolina besser abzuschneiden. (Foto: AFP)

Verlierer bei den Republikaner: Marco Rubio

Er kämpft mit Jeb Bush (11 Prozent) und Marco Rubio (10 Prozent) darum, zu dem einen Establishmentkandidaten zu werden, der die Stimmen der Moderaten auf sich vereinen und Ted Cruz und Donald Trump ausbremsen kann. Der Ausgang der Vorwahl ist in dieser Hinsicht nicht nur ein Sieg für Trump, sondern auch für Cruz, der mit 11,5 Prozent und dem dritten Platz gut abgeschnitten hat in einem Staat, in dem nur wenige Wähler Evangelikale sind, die Cruz' Kernwählergruppe ausmachen.

Mehr zum Thema: Liveticker zur US-Präsidentschaftswahl

Jeb Bush (4. Platz) hat mit elf Prozent ein kleines Comeback erlebt und dafür gesorgt, dass er weiter im Rennen bleibt. Ein Verlierer hingegen ist Marco Rubio auf dem 5. Platz (ebenfalls elf Prozent), der mit seinem dritten Platz in Iowa als der Hoffnungsträger des Establishments galt. In der Woche vor der Vorwahl in New Hampshire hat Rubio auch einen Höhenflug erlebt, der mit einem schlechten Debattenauftritt am Samstagabend jedoch jäh endete. "Unsere Enttäuschung geht ganz auf mein Konto", sagte Rubio seinen Anhängern nach der Niederlage, "ich habe es nicht gut gemacht am Samstagabend. Das wird nie wieder vorkommen."

Chris Christie hingegen, der Rubio in der TV-Debatte frontal angegriffen hatte, scheint sich mit seinem aggressiven Auftreten selbst ins Aus geschossen haben. Mit acht Prozent hat er kaum noch Aussichten auf die Kandidatur. Christie kündigte an, erst einmal nach Hause zurückkehren zu wollen, um nachzudenken. Es wird erwartet, dass er das Rennen aufgibt.

Das Rennen ist wieder weit offen

Anders als in früheren Jahren hat New Hampshire also nicht zu einer Klärung der Lage in beiden Parteien geführt. Clintons Nimbus und ihr Favoritenstatus bei den Demokraten haben deutlich gelitten. Das Rennen ist wieder weit offen bei den Demokraten und wird sich wahrscheinlich noch länger hinziehen.

Bei den Republikanern gibt es weiter keine Klarheit darüber, wer denn nun der Kandidat sein wird, hinter dem sich das Partei-Establishment sammeln kann, um den feuerspeienden Populisten Trump und den Erzkonservativen Cruz auszubremsen. Zählt man nämlich die Prozentpunkte der moderateren Kandidaten Bush, Kasich, Rubio und Christie zusammen, dann wird deutlich, dass Trump natürlich schlagbar wäre.

Es ist aber durchaus vorstellbar, dass sich der Kampf unter den Establishmentkandidaten so lange hinziehen wird, dass Trumps Vorsprung bei den Delegiertenstimmen nicht mehr einzuholen sein wird, wenn die Moderaten endlich ihren Kandidaten ermittelt haben. Und da ist dann auch noch Rechtsausleger Cruz, dem der Wahlkalender in die Karten spielt. Denn viele der frühen Vorwahlstaaten liegen im so genannten "Bible Belt", wo er auf die Stimmen der Evangelikalen rechnen kann.

Trump zeigte in New Hampshire, dass er seinen Vorsprung in Umfragen auch in einen Wahlsieg umwandeln kann. (Foto: REUTERS)

Steigt Bloomberg ins Rennen ein?

Es ist also nach New Hampshire etwas wahrscheinlicher geworden, dass am Ende tatsächlich ein selbst erklärter Sozialist und ein Reality-TV-Star gegeneinander antreten werden. Das ist das Szenario, auf das New Yorks ehemaliger Bürgermeister Michael Bloomberg wartet, um als unabhängiger Kandidat ins Rennen einzusteigen. Am Montag hat sich Bloomberg zum ersten Mal persönlich dazu zu Wort gemeldet und in der "Financial Times" seine Bereitschaft erklärt, seinen Hut in den Ring zu werfen.

Es ist und bleibt also ein Vorwahlkampf der Umwälzungen – und der ersten Male. In Iowa hat mit Cruz der erste hispanischstämmige Amerikaner eine Präsidentschaftsvorwahl gewonnen, in New Hampshire mit Sanders nun der erste jüdische Amerikaner. Und in den kommenden Monaten wird es mit Sicherheit noch weitere Überraschungen geben.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.