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Silvesternacht in Köln Mehr als 1000 Strafanzeigen nach Übergriffen

Rund sechs Wochen nach den Vorfällen in Köln ist die Zahl der Strafanzeigen auf mehr als 1000 gestiegen. Eine Aufstellung der Polizei listet Hunderte Fälle von sexuellen Übergriffen auf.

Knapp sechs Wochen nach der Silvesternacht von Köln ist die Zahl der Anzeigen wegen der sexuellen Übergriffe auf Mädchen und Frauen rund um den Hauptbahnhof weiter gestiegen. "Uns liegen bislang 1054 Strafanzeigen vor", teilte Ulrich Bremer von der Staatsanwaltschaft Köln der "Welt" auf Anfrage mit. In knapp der Hälfte der Fälle (454) geht es demnach um sexuelle Übergriffe. Mittlerweile hat die Polizei 59 Tatverdächtige ermittelt – darunter mehrheitlich Marokkaner und Algerier. 13 Personen sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Der "Welt" liegt eine Liste der polizeilichen Vorgänge aus der Kölner Silvesternacht vor, anhand derer sich die Ereignisse nachträglich gut dokumentieren lassen. Darin enthalten sind auch sämtliche Strafanzeigen, die bis zum 27. Januar bei der Polizei eingegangen sind. Bis zu jenem Tag waren demnach 986 Vorfälle aktenkundig geworden – von Sexualdelikten über Diebstähle und Raub bis hin zu Körperverletzungen und Beleidigungen. Aufgelistet werden auch der mutmaßliche Tatzeitpunkt und der Tatort.

Die überwiegende Mehrzahl der sexuellen Übergriffe und Diebstähle ereignete sich demnach zwischen 23 Uhr und 1 Uhr nachts. Zwei Drittel aller Vorfälle sollen sich am Hauptbahnhof und auf dem Bahnhofsvorplatz ereignet haben. Schon gegen Mitternacht hatte die Polizei damit begonnen, den Bahnhofsvorplatz zu räumen, die Lage beruhigte sich aber erst viel später. Auffällig viele Strafanzeigen gab es auch mit Bezug zur nebenan liegenden Hohenzollernbrücke.

Mehr als Hundert Anzeigen bis zum Neujahrsmorgen

Neben den sexuellen Übergriffen und Taschendiebstählen registrierte die Polizei vor allem sexuelle Beleidigungen, andere einfache Diebstähle, Raube und Körperverletzungen. Die Daten verdeutlichen rückblickend erneut die fatale Fehleinschätzung der Kölner Polizei am nächsten Morgen. In einer Pressemitteilung zu den Ereignissen der Neujahrsnacht war von einer "ausgelassenen Stimmung" die Rede gewesen, und der Verlauf der Nacht wurde als "weitgehend friedlich" beschrieben.

Wie aus den Unterlagen hervorgeht, die der "Welt" vorliegen, waren bis zum Neujahrsmorgen jedoch bereits weit mehr als hundert Anzeigen bei der Polizei eingegangen. Nachdem die mediale Berichterstattung über die Silvesternacht ab dem 4. Januar zunahm, erhöhte sich die Zahl der Strafanzeigen in der ersten Januarwoche noch einmal massiv.

Viele Opfer sind demnach dem Aufruf der Polizei gefolgt, noch nicht gemeldete Vorfälle zur Anzeige zu bringen. Heute gehe man von 1108 Opfern und Geschädigten aus, so Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Dass die Zahl der Opfer höher sei als die Zahl der Anzeigen, sei damit zu erklären, dass einige Betroffene gemeinsam bei der Polizei Anzeige erstattet hatten. Nur in einem Fall werde eine Strafanzeige bislang als unbegründet bewertet. Gegen die Person, einen offenbar geistig verwirrten Mann, wird wegen falscher Verdächtigung ermittelt.

Überwiegend Nordafrikaner unter den Beschuldigten

Bei der Kölner Polizei befasst sich die Ermittlungsgruppe (EG) "Neujahr" mit der Aufklärung der Ereignisse der Silvesternacht. Gegen die 13 Personen, die derzeit in Untersuchungshaft sitzen, wird nur gegen fünf aufgrund von sexuellen Übergriffen ermittelt. Mehrheitlich lautet der Vorwurf Diebstahl, Raub, Hehlerei, Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte.

Im Bezug auf die Nationalität der Beschuldigten teilte die Kölner Staatsanwaltschaft mit, dass es sich um 25 Algerier, 21 Marokkaner, drei Tunesier, drei Deutsche, zwei Syrer und jeweils einen Iraker, Libyer, Iraner und Montenegriner handelt. Unter den Beschuldigten befinden sich auch Minderjährige und Heranwachsende sowie Asylbewerber und illegal eingereiste Personen. Einige Beschuldigte seien bereits polizeibekannt.

Verurteilt wurde aufgrund der Übergriffe aus der Silvesternacht bislang niemand. Eine erste Anklage gibt es allerdings bereits. Am 24. Februar müssen sich ein Marokkaner und ein Tunesier vor dem Amtsgericht Köln verantworten – wegen des Diebstahls einer Kamera.

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