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UN-Konvois 100 Lkw mit Hilfsgütern erreichen syrische Städte

Fast 500.000 Menschen sind in Syrien nach UN-Schätzungen ohne ausreichend Nahrung und Strom eingeschlossen. Nun haben 100 Lkw mit Hilfsgütern und Medikamenten syrische Städte erreicht.

Mehrere UN-Hilfskonvois haben insgesamt fünf belagerte Städte in Syrien erreicht. Die knapp 100 Lastwagen mit Hilfsgütern hatten von Damaskus aus Ziele in der Nähe der Hauptstadt sowie im Nordwesten des Landes angefahren, berichteten UN-Vertreter und Staatsmedien übereinstimmend.

Die Städte werden von verschiedenen Konfliktparteien des syrischen Bürgerkriegs belagert. "Die Operation dauert noch an", sagte Linda Tom von der UN-Organisation für humanitäre Hilfe (OCHA).

Die Hilfskonvois hatten Lebensmittel und Medikamente für fast 100.000 Menschen in den umkämpften Städten geladen, erklärte ein UN-Sprecher. Der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura sieht in den ersten Lieferungen auch einen Test für die Fähigkeit der UN humanitäre Hilfe zu leisten und für die syrischen Konfliktparteien, ob sie diese zuließen.

Die USA, Russland und die beteiligten Regionalmächte hatten sich Ende vergangener Woche bei einer Syrien-Konferenz in München auf die Hilfslieferungen geeinigt.

Fast 500.000 Menschen ohne Nahrung und Strom

Der neue UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi sprach am Mittwoch bei einem Besuch in Berlin von einem "kleinen Fenster der Gelegenheiten", das durch die Vereinbarungen der jüngsten Syrien-Konferenz in München entstanden sei. "Ich denke, es wird kompliziert bleiben", sagte der italienische UN-Diplomat. "Aber jeder Fortschritt ist ein Fortschritt."

Landesweit sind nach UN-Schätzungen derzeit fast 500.000 Menschen in Städten und Dörfern ohne ausreichend Nahrung und Strom eingeschlossen. Hilfsmitarbeiter berichteten von Dutzenden Hungertoten allein in Madaja, das zu einem Symbol der Belagerung geworden ist.

Die Syrien-Kontaktgruppe hatte sich neben den Hilfslieferungen auch auf eine Feuerpause für Syrien geeinigt, die binnen einer Woche in Kraft treten soll. Bei Angriffen auf Kliniken und Schulen in Aleppo und Idlib waren allerdings am Montag mehr als 60 Zivilisten getötet worden. Eine der Kliniken wurde von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) unterstützt. In dem Krankenhaus wurden nach MSF-Angaben vom Mittwoch neun Mitarbeiter und 16 weitere Zivilisten getötet.

Im Süden des Landes mussten nach UN-Angaben wegen der heftigen Kämpfe in den vergangenen drei Monaten mehr als 70.000 Menschen aus ihren Häusern fliehen. Der Großteil von ihnen sei nun obdachlos.

Türkei will zehn Kilometer breite Schutzzone

Auch die Lage der Zivilisten im nordsyrischen Grenzgebiet zur Türkei ist nach wie vor verheerend. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftige am Mittwoch ihre Forderung nach einer Flugverbotszone im Gebiet der umkämpften Städte Aleppo und Asas. Dies wäre "ein Zeichen des guten Willens und könnte im Rahmen der laufenden Gespräche diskutiert werden", sagte Merkel in Berlin.

Die Türkei wirbt mit Nachdruck für die Einrichtung einer zehn Kilometer breiten Schutzzone, die auch Asas südlich der türkischen Grenze einschließen soll. Ankara argumentiert, eine solche Schutzzone könnte eine weitere Massenflucht in die Türkei und nach Europa verhindern. Wie eine solche Zone durchgesetzt und gesichert werden soll, ist allerdings unklar.

Türkische Artillerie hatte in den vergangenen Tagen kurdische Stellungen bei Asas unter Beschuss genommen. Nach den Worten von Präsident Recep Tayyip Erdogan will die Türkei ungeachtet internationaler Appelle diesen Beschuss fortsetzen. Ein Ende der Angriffe komme nicht in Frage, sagte Erdogan am Mittwoch.

Unterdessen kritisierte US-Präsident Barack Obama die Strategie Russlands im Syrien-Konflikt. Das gemeinsame Vorgehen mit Staatschef Baschar al-Assad habe Russland vielleicht kurzfristige Erfolge gebracht, tatsächlich handele es sich aber um einen strategischen Fehler, sagte Obama in Kalifornien. Zudem seien noch drei Viertel des Landes nicht unter der Kontrolle der Assad-Truppen. Dies werde sich "auch so bald nicht ändern".

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