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"Dieses Gesicht sagt alles" Britische Presse fällt über Cameron her

Was immer David Cameron mit den anderen EU-Staaten vereinbart, für viele Briten wird es zu wenig sein. Die heimische Presse zieht ein vernichtendes Fazit. Doch das ist nicht das größte Problem.

Die EU-Chefs hatten am Donnerstagabend noch nicht einmal ihr Mango-Mousse auf dem Löffel, da hatte die britische Presse bereits ihr Urteil gefällt. "Dieses Gesicht sagt alles", titelte das Massenblatt "Daily Mail" mit dem Foto eines angespannten David Cameron. Und weiter: "Chaos, als bedrängter Premier seinen Deal verwässert." Auch die auflagenstärkste Zeitung "The Sun" hatte am Freitag nur Spott für den Regierungschef übrig: "Premier bettelt um seinen EU-Deal".

Dabei war der Europäische Rat in Brüssel noch Stunden davon entfernt, sich überhaupt über die Streitpunkte im britischen Reformpapier zu einigen. "You can't win, Prime Minister" ("Du kannst nicht gewinnen"): Die Schlagzeile des EU-feindlichen "Daily Express" bringt es auf den Punkt. Was auch immer der Konservative aus Brüssel mit nach Hause bringt – die Gegner, auch in seinen eigenen Parteireihen, werden es als lächerlich abtun.

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Die oppositionelle Labour-Partei wird es als Beweis brandmarken, dass Cameron mit Brüssel gemeinsame Sache gegen die Armen und Schwachen macht. Und die ohnehin wenig EU-interessierte Öffentlichkeit wird den Deal als ein weiteres Kapitel im europäischen Theater ignorieren.

Der bekannte Karikaturist Matt fasste es dieser Tage in ein treffendes Bild: zwei Boxer im Ring, von denen der eine sagt: "Früher habe ich EU-Verhandlungen geführt. Aber das war mir viel zu inszeniert." Britische Politik ist immer eine große Show, die Debatten im Unterhaus sind dafür der wöchentliche Beweis. Doch des sich nun seit Wochen hinziehenden Reformdramas ist selbst das politisches Schauspiel gewohnte britische Publikum langsam überdrüssig.

Vier Minister wollen Brexit

Dabei wird es noch dicker kommen. Spätestens nachdem Cameron voraussichtlich irgendwann am Freitagabend sein Kabinett zusammenruft, werden sich die "big names" offiziell bekennen. Diese Sitzung müssen die Antieuropäer in der Regierung abwarten, bis sie offiziell ihre Antipathie gegen Brüssel und ihren Brexit-Wunsch verkünden dürfen.

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Denn in Camerons eigener Regierungsmannschaft gibt es mindestens vier Minister, die den Austritt wollen – egal, was der Premier in Brüssel verhandelt hat. Der ganz große Name ist der von Boris Johnson, Noch-Bürgermeister von London und als Camerons Nachfolger gehandelt. Johnson ist ungemein populär bei den Briten, die exzentrische Gestalten immer zu schätzen wissen. Bekennt sich Johnson zum "Out", bedeutet das einen schweren Schlag für Cameron.

Dem steht nach der Kabinettssitzung noch ein anderes Bekenntnis bevor. Er wird vor die Tür von Downing Street Nummer 10 treten und offiziell den Termin des EU-Referendums verkünden. Wahrscheinlich wird es der 23. Juni dieses Jahres sein.

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