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Grölender Mob in Clausnitz "Eine absolute Überforderung der Polizei"

Es ist ein Video, das viele Deutsche entsetzt. Der kurze Clip zeigt einen wütenden und grölenden Mob vor einer Flüchtlingsunterkunft in Sachsen. Auch der brutale Polizeieinsatz wirft Fragen auf.

Bei dem Tumult vor einer Asylbewerberunterkunft in Sachsen soll die Polizei nach Aussage betroffener Flüchtlinge gegen mehrere von ihnen körperlichen Zwang angewendet haben. Auf einem im Internet verbreiteten Video war bereits zu sehen, das ein Polizist einen Jungen im Klammergriff aus dem angekommenen Bus in die Unterkunft zerrt.

Flüchtlinge in der Unterkunft im Ortsteil Clausnitz sagten, ein Polizist habe auch einer Frau die Arme auf den Rücken gedreht und sie zwangsweise aus dem Bus geholt. In dem kleinen Ort hatten am Donnerstagabend rund 100 aufgebrachte Demonstranten versucht, die Ankunft eines Busses mit den ersten Bewohnern einer neuen Flüchtlingseinrichtung zu verhindern.

Augenscheinlich hatten die Flüchtlinge aus Angst vor den Protesten und der chaotischen Situation den Bus dann nicht verlassen wollen. Ihren Schilderungen zufolge wurde der Bus auch mit einem Schneeball beworfen.

Polizei Sachsen in #clausnitz ... Umgang mit verängstigten Flüchtlingskindern. #kaltland

Posted by Frank Stollberg on Freitag, 19. Februar 2016
 

Der von einem Bundespolizisten zwangsweise aus dem Bus geholte Junge ist nach eigenen Angaben 14 Jahre alt und stammt aus Tripoli im Libanon. Er ist mit seinem Bruder und seinem Vater seit drei Monaten in Deutschland und war zunächst in Dresden untergebracht. Der Bruder ist auf dem Internet-Video zu sehen, wie er freiwillig, aber weinend den Bus verlässt. Die Mutter und ein weiterer Bruder leben demnach noch im Libanon.

Die befragten Flüchtlinge wirkten verängstigt und konnten sich das Vorgehen der Polizei nicht richtig erklären. Der Gruppe gehören nach ihren Angaben Flüchtlinge aus dem Iran, aus Syrien und dem Libanon an. Sie waren demnach zunächst in Dresden und Chemnitz untergebracht - und wollen gern wieder weg aus Clausnitz. Eine Familie ist nach ihren Angaben bereits am Freitag mit einem Taxi nach Dresden gefahren.

Polizei will über Ablauf der Ereignisse informieren

"Das sind keine Bilder, die wir hier in Deutschland sehen wollen. Das, was passiert ist, darf nie normal werden", sagte der sächsische Grünen-Vorsitzende Jürgen Kasek. Seine Partei will den Polizeieinsatz zum Thema im Innenausschuss des Bundestags machen. Ihre Fraktion habe die Spitze der Bundespolizei und die Leitung der regionalen Einsatzkräfte für die nächste Ausschusssitzung am Mittwoch nach Berlin eingeladen, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Obfrau im Ausschuss, Irene Mihalic. "Die Situation, wie sie sich auf den Videos darstellt, offenbart auch eine absolute Überforderung der Polizei." Zuvor hatte bereits Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) angekündigt, sein Ministerium werde den Polizeieinsatz auswerten.

Ulbig erklärte mit Blick auf den Polizeieinsatz: "Ich habe mir das Video angesehen. Die Bilder sprechen ihre Sprache." Das sächsische Innenministerium werde den Einsatz der Polizeidirektion Chemnitz umgehend auswerten. Zunächst wurde für Sonntag eine Pressekonferenz angekündigt. Die Polizei will nun schon am Nachmittag Einzelheiten zum Ablauf der Ereignisse bekanntgeben.

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