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Instagram und Telegram Warum Apps die Wahl im Iran entscheiden könnten

Ein iranischer Politiker, der seine potenziellen Wähler erreichen will, hat ohne den Einsatz sozialer Medien keine Chance. Die Regierung mischt mit, bleibt aber vorsichtig. 

Mit gesenktem Kopf, den Blick auf das Handy-Display gerichtet, marschieren die Menschen durch die Straßen. In dieser Beziehung unterscheidet sich Teheran nicht von anderen Großstädten dieser Welt. Die Iraner tauschen in diesen Tagen jedoch nicht nur Selfies oder Internet-Videos, sondern häufig auch Wahlkampfprogramme und Kandidatenlisten. Wenn jetzt ein Parlament und der sogenannte Expertenrat neu gewählt werden, dann haben Messenger Apps wie Telegram und andere soziale Medien eine wichtige Rolle gespielt.

Natürlich gibt es auch Bedenken angesichts des Einflusses der sozialen Medien, viele sind jedoch begeistert von den Freiheiten, die diese Informationsmöglichkeiten ihnen bieten. "Wir haben sie immer dabei", sagt der Teheraner Hamid Farid, der die Reformer unterstützt, über die sozialen Medien. Mit ihnen sei eine starke Wahlkampagne zu niedrigen Kosten möglich.

Nur eingeschränkter Zugang zum Internet

Fast 40 Prozent der 77 Millionen Einwohner des Irans haben Zugang zum Internet. Allerdings bezeichnet die Nichtregierungsorganisation Freedom House den Online-Zugang im Land als "nicht frei" und verweist auf Zensur und Filter. So blockierte die iranische Regierung nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2009 Facebook und Twitter. Auslöser waren Aufnahmen vom Tod einer jungen Frau bei einer Protestaktion.

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Heute haben die Iraner Zugriff auf Instagram, das zu Facebook gehört, und Telegram, beliebt zum Verschicken von Text, Fotos und Videos. Andere nutzen virtuelle private Netzwerke, um Internetfilter zu umgehen und so auch auf blockierte Seiten zugreifen zu können. Und selbst Anhänger des geistlichen Führers Ajatollah Ali Chamenei haben Twitter-Konten eingerichtet, um dessen Botschaften zu verbreiten.

Für die Kandidaten bei der Wahl am Freitag - und besonders die weniger bekannten - bietet der Instant-Messaging-Dienst Telegram eine kostenlose Möglichkeit, ihre Wahlkampfversprechen zu verbreiten. Telegram sei viel einfacher als das Drucken von Flugblättern, erklärt Ali Alemi, ein politisch aktiver Student von der Azad-Universität in Teheran. "Ich habe in den vergangenen zwei Wochen Telegram benutzt, um Stimmen einzuwerben."

Wenn Apps die Wahl entscheiden können

Solche Apps sind aber nicht nur für die Politiker von Nutzen. Sie helfen den Wählern dabei, angesichts von rund 6200 Kandidaten allein bei der Präsidentschaftswahl nicht den Überblick zu verlieren. Denn in der Wahlkabine kann nicht wie im Westen einfach ein Name angekreuzt werden: Der Wähler muss den Namen seines Favoriten handschriftlich eintragen.

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"Ich habe meinen Kandidaten anhand der Posts ausgewählt, die ich bekommen haben", erklärt die Erzieherin Masumeh Kameli. "Das ist ein guter Service für all die, die in ihrer Arbeit sehr eingespannt sind."

Und selbst Präsident Hassan Ruhani warb via SMS-Nachricht um Unterstützung. "Liebe Menschen im Iran, das Land braucht Ihre Stimmen", erklärte er am Mittwoch. "Lassen Sie uns am Freitag für eine hoffnungsvolle Zukunft des Irans stimmen." Der politische Beobachter Sorusch Farhadian erklärt, die sozialen Medien erfüllten eine wichtige Aufgabe im Iran. In einem Land ohne private Fernseh- und Radiosender erlaubten sie es den Kandidaten, ihre potenziellen Wähler anzusprechen - bei niedrigen Kosten und hoher Reichweite.

Die Regierung ist dennoch skeptisch. Sie bildete am Sonntag einen Ausschuss, der mögliche illegale Aktivitäten in den sozialen Netzwerken untersuchen soll. Was genau die Behörden damit meinten, wurden nicht klar. Und am Mittwoch war der offizielle Wahlkampf auch schon beendet. 

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